Korinthenkacker

Artikel veröffentlicht am 5. Dezember 2007
Artikel veröffentlicht am 5. Dezember 2007

SOS: Dieser Artikel wurde weder von einem Editor überarbeitet noch in einer Gruppe veröffentlicht.

Wenn jemand alles über alle Maßen genau nimmt und das auch noch aller Welt kundtun muss, bezeichnet man ihn von Zeit zu Zeit gern als einen Korinthenkacker. Freilich ohne den Einwohnern der griechischen Stadt Korinth zu nahe treten zu wollen. Von dort stammt die Korinthe, eine kleine Rosinenart. Der Korinthenkacker treibt es mit der Genauigkeit so weit, dass er sogar das tägliche Geschäft nur in rosinengroßen Portionen erledigt.

Ähnlich vulgär umschreiben die Franzosen diese Kleinlichkeit, wenn sie von einem enculeur de mouches ("einem Fliegen-xxx") sprechen. Allerdings werden die Korinthen hier durch Fliegen ersetzt. Kein Geringerer als der Autor Louis-Ferdinand Céline soll diesen Ausdruck verbreitet haben.

In den Niederlanden sollte man einem Mierenneuker lieber nicht sagen, dass er ein solcher ist - die Unterstellung, er habe Geschlechtsverkehr mit Ameisen, könnte ihn tödlich beleidigen, und seine Reaktion könnte gar wenig kleinlich ausfallen.

Die Polen empfinden das Werfen kleiner Steine in ihren Garten (wrzuca kamyczek do ogródka) als besonders korinthenkackerig; wenn die Pedanterie Überhand nimmt, kann es aber auch vorkommen, dass sie meinen, man erschaffe eine Skulptur aus dem Inhalt der Kloschüssel (rzebi w gównie).

Appetitlicher geht es weiter südlich zu: Italienische Korinthenkacker suchen das Haar im Ei (cercare il pelo nell’ouvo); spanische "zählen Kichererbsen" (el cuentagarbanzos) - ähnlich dem deutschen Erbsenzähler.

Beim englischen nitpicker kommt die Kleinlichkeit positiv zur Geltung, wenn auch bei einer unbeliebten Tätigkeit: dem Entfernen von Läuseeiern aus den Haaren. Hierin liegt ein Hinweis auf die weiteren Familienbande des Korinthenkackers: Schließlich ist er in vielen europäischen Sprachen eng verwandt mit dem "Haarspalter".