Kopenhagen: Was Frauen wollen

Artikel veröffentlicht am 8. Juli 2016
Artikel veröffentlicht am 8. Juli 2016

Wir haben das jetzt schon mehrmals gehört, ja, die Dänen sind die glücklichsten in Europa. Aber ist das auch für die europäischen Studenten der Stadt der Fall? Fünf junge Frauen und ihre Hoffnungen, Projekte und Ängste.

Kopenhagen ist eine der attraktivsten Studentenstädte in Europa. Der perfekte Mix zum Glücklichsein? Eine hohe Lebensqualität, keine Studiengebühren - auch nicht für europäische Austauschstudenten - aber auch ein kleiner Scheck, der allen Studenten zu Gute kommt. Und wenn man den sozialen Traum schon lebt, was braucht man dann noch mehr zum Glücklichsein? Diese Frage haben wir einer jungen Generation von Europäerinnen gestellt, die im glücklichsten Land Europas ihre Zelte aufgeschlagen haben. 

Anne-Marie stammt aus der Tschechischen Republik. „Mein Ziel war es, meine Eltern nicht für mein Studium um Geld anpumpen zu müssen. Ich habe ein Stipendium von 5000 dänischen Kronen monatlich [ca. 670 Euro; A.d.R.], wovon ich gerade einmal die Miete bezahlen kann. Aber ich arbeite nebenher in einer Gemüsefabrik, wo ich Karotten verpacke. Es ist ein anstrengender Nebenjob, aber immerhin trainiere ich meine Muskeln. Mein Traumjob? Ich brauche gar nicht so viel Geld und Materielles. Es wäre ein Job, in dem ich aufgehe und in dem ich ab und zu reisen kann.“

Danielle ist Musikerin und Fotografin und stammt aus Holland. „Ich studiere Grezistik und reise ziemlich viel wegen meiner Musik. Später will ich dann in Griechenland mein eigenes Bed & Breakfast für Musiker eröffnen, eine Art nachhaltige Community, die auch dafür sorgen würde, dass Musiker trotz der maroden Wirtschaftslage arbeiten können. Ich möchte auch weiterhin reisen und die Eco-Villages dieser Erde besuchen und mich gleichzeitig für den Austausch zwischen den Kulturen stark machen. Wenn wir lernen würden, das, was wir haben, zur Geltung zu bringen, wäre die Welt schon ein ganzes Stück weiter.“

Hala ist Klavierlehrerin und kommt aus der Türkei. „Ich bin drauf und dran, eine Ausbildung als Tätowiererin zu machen. Mein Traum wäre es, einerseits in einem Tattoo-Studio zu arbeiten und mich nebenher um Tiere zu kümmern. Um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, gebe ich Klavierstunden für Kinder und Menschen mit Behinderungen.“

Chiara ist eine junge Forscherin aus Italien. „Als Wissenschaftlerin kümmere ich mich um einen sehr präzisen Bereich. In der Welt gibt es deshalb nur ungefähr 15 Menschen, die verstehen, was ich mache, und mir Jobs anbieten könnten. Wenn ich mein Spezialgebiet verlassen und etwas allgemeiner forschen würde, dann wäre ich raus aus dem Rennen. Um in der Wissenschaft erfolgreich zu sein, muss man sein Privatleben hinten anstellen. Auch mit einem Kind muss man weiterhin 15 Stunden am Tag arbeiten. Ich beende gerade ein Forschungsprojekt an der Uni und nebenbei arbeite ich bei einer Start-up. Ich werde dafür nicht bezahlt, aber zumindest lerne ich eine Menge Neues, das mir in Zukunft weiterhelfen könnte.“ 

Celeste ist eine dänische Studentin. „Manchmal setze ich eine schwarze Sonnenbrille auf, wenn zu viele Menschen um mich rum sind. Ich besuche Design-Kurse an der Uni und möchte bald nach London gehen.“  

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Dieser Artikel ist Teil unserer Reportagereihe 'EUtoo' 2015 zu 'Europas Enttäuschten', gefördert von der Europäischen Kommission.