Klima nach dem Gipfel

Artikel veröffentlicht am 8. April 2016
Artikel veröffentlicht am 8. April 2016

SOS: Dieser Artikel wurde weder von einem Editor überarbeitet noch in einer Gruppe veröffentlicht.

Wie sieht die Europadebatte einige Monate nach dem Weltklimagipfel Cop21 in Paris aus?

Momentan leben circa 700 Millionen Menschen in der EU. Auch wenn bis zum Jahr 2050 eine Verringerung der europäischen Bevölkerung erwartet wird, ist der Energiebedarf in Europa dennoch enorm groß. Im Übrigen sind es nicht nur demografische Faktoren, die in den letzten Jahren das Gedränge um die Energieversorgung beeinflusst haben, sondern es geht jetzt auch um politische und ökologische Anliegen.

Auf die Annexion der Krim durch Moskau Anfang 2014 reagierte die EU mit Sanktionen gegenüber Russland. Dies wiederum führte zu einem eher abgekühlten Klima zwischen den beiden Blöcken und wurde für die EU zu einem Problem, da sie in hohem Grad von russischen Gasimporten abhängig ist. Putin hält somit in diesem „Iron-Arm“ Spiel einen großen Trumpf in der Hand.

Daher ist es dringend erforderlich, dass Europa seine Energielieferanten diversifiziert und aus den Energiequellen, die auf eigenem Territorium vorhanden sind - wie Wind, Sonne oder Wasserkraft - den größtmöglichen Nutzen zieht. Zu diesem Thema sind manche Stimmen weniger optimistisch als andere. Im Mai 2015 schrieb Dalibor Rohac in der Financial Times, dass „die EU keine Energieunabhängigkeit erreichen wird, wenn sie nicht auch die absolute Energiebereitstellung auf dem Kontinent erhöht. Der Versuch, dies nur mit erneuerbaren Energien zu erreichen, ist unrealistisch“, behauptete er.

Nach den fruchtbaren Pariser Verhandlungen zur COP21 im Dezember 2015 gab es eine globale Übereinkunft darüber, dass verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden müssen, um die Nachhaltigkeit und die Biodiversität unseres Planeten zu schützen. Es wurde gefordert, dass ein Übergang von fossiler zu sauberer Energie verpflichtend sein soll. Die Europäische Kommission hat vor kurzem bekannt gegeben, dass „der [Pariser] Vertrag am 22. April 2016 in New York zur Unterzeichnung aufliegen wird und dann in Kraft tritt, wenn mindestens 55 Parteien, die mindestens 55% der globalen Emissionen repräsentieren, unterzeichnet haben.“

Trotzdem hat der Ölriese BP erst vor kurzem seine jährlichen Energieperspektiven veröffentlicht und zum Konsum von Öl und Gas, als die Energiequellen der Zukunft, aufgerufen. Wird es bei diesem globalen Klimaschutzabkommen, das zum allerersten Mal für alle gesetzlich verbindlich ist, zu Kompromissen kommen?

Wie sehen die gezielten Strategien der EU aus?

Maroš Šefčović, Kommissar und Vizepräsident des Europäischen Parlaments, betrachtete das „Year One“ und sagte, dass 2016 das Jahr der Gesetzgebung sein würde. Deshalb lagen bereits vor dem Pariser Gipfel politische Maßnahmen auf dem Tisch und über weitere Initiativen wird momentan diskutiert. Zunächst debattiert die EU darüber, wie das Emissionshandelssystem (EU-ETS) und die Kreislaufwirtschaft am besten in allen Mitgliedsstaaten implementiert werden können.

Diese zielen darauf ab, die Emission von Treibhausgas zu vermindern, Abfall in Europa umweltgerechter zu entsorgen und den Recyclingprozess auf dem gesamten Kontinent zu optimieren. Dies ist ein extrem wichtiger Schritt, wenn man den Müll, der jährlich tonnenweise von der Bevölkerung angehäuft wird, in Betracht zieht. Neben der Stärkung eines gesellschaftlichen Bewusstseins, das weniger konsumorientiert ist, liegt die Lösung definitiv darin, den gesamten Kreislauf, von Produktion und Konsum bis zum Abfallmanagement und dem Markt für sekundäre Rohmaterialien, zu umfassen.

Im Februar 2015 lancierte die Kommission ein EU Klima- und Energiepaket, das an Energiesicherheit und -effizienz in Europa und einer Entkarbonisierung der Wirtschaft appelliert und eine Förderung von Forschung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit vorsieht; alles in einem vollständig integrierten europäischen Energiemarkt. Zurzeit debattiert man innerhalb der EU-Institutionen über Fragen der Energiespeicherung und darüber, wie erneuerbare Energien in das Energiesystem integriert werden können. So ist Energieeffizienz derzeit das aktuelle Thema auf dem Energiemarkt.

Momentan werden Rechtsvorschriften für die Energieeffizienzkennzeichnung, für ökologisches Design und die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden geschaffen, um zu gewährleisten, dass die EU bis 2020 ihr Energieeffizienz-Ziel erreichen wird. Können wir wirklich in der Zukunft auf einen grüneren Planeten hoffen? In der Tat wäre es technisch durchaus möglich, durch einen umfassenden Einsatz erneuerbarer Energien die angestrebte Kohlendioxidreduzierung zu erreichen.

Da diese Energiequellen jedoch Schwankungen unterworfen sind, ist ihr Energiefluss weniger vorhersehbar und es ist daher erforderlich, die Energie zu speichern. Einige nennen dies die „dritte industrielle Revolution“, die den mündigen Energiekonsumenten dazu befähigt, über die Zukunft unseres Planeten zu entscheiden.

Der Dokumentarfilm „Die Zukunft der Energie“ liefert einen klaren und positiven Überblick darüber, was wir als Individuen tun können, um zu einer nachhaltigen Zukunft für die folgenden Generationen beizutragen. Grün werden: Saubere Lösungen sind bereits im Vorfeld des Pariser Klimagipfels COP21 real.

MdEP Françoise Grossetête rief zur Nutzung von „Smart Grids“ („intelligente Stromnetze“) als einer Lösung zur Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen und zur Überwindung von Energieknappheit auf. In der Tat veröffentlichte die Internationale Energieagentur (IEA) eine Studie über die Auswirkungen von „Smart Grids“ auf die Umwelt und kam zu der optimistischen Schlussfolgerung, dass einige Lösungen zur Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen führen könnten und eine positive Auswirkung auf den Klimawandel hätten.

Darüber hinaus wird sich der IEA zufolge bis 2030 der Anteil erneuerbarer Energiequellen an der europäischen Stromerzeugung von derzeit 13% auf 26% verdoppeln. Laut „Energy Post“ gibt das Jahr 2015 für Europa Anlass zum Optimismus, denn es war eine Zunahme von erneuerbaren Energiequellen zu verzeichnen, von denen jetzt 29% der gesamten Energieversorgung stammen.

Dänemark ist ein ermutigendes Beispiel, denn es hält den Weltrekord in der Erzeugung von Windenergie, die den nationalen Bedarf übersteigt. Norwegen ist in Bezug auf elektrische Fahrzeuge führend in ganz Europa; 100.000 elektrische Autos werden bis 2020 angestrebt. Trotzdem gibt es hinsichtlich der Stromgewinnung in den verschiedenen Regionen noch immer ganz beträchtliche Unterschiede. So werden im Nahen Osten 90% des Stroms aus fossilen Brennstoffen - überwiegend aus Öl und Gas - gewonnen, während in Lateinamerika 70% des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen - hauptsächlich aus Wasserkraft und Biomassenutzung - stammen.

In Frankreich beispielsweise werden fast 70% der Elektrizität, die auch in die Nachbarländer Belgien und Deutschland exportiert wird, mit Hilfe von Atomenergie produziert. Andererseits sind Länder wie Brasilien, Uruguay, Paraguay, Norwegen und Venezuela für die Erzeugung ihrer Elektrizität zu 80% von Wasserkraft abhängig.