'Kim Jong-Il wird wie der Sohn Gottes verehrt'

Artikel veröffentlicht am 18. Dezember 2006
Artikel veröffentlicht am 18. Dezember 2006

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Gespäch mit Pierpaolo Koss, der als einer von wenigen westlichen Künstlern in Nordkorea gearbeitet hat.

In den Berichten über Nordkorea spielt Kunst keine Rolle. Aber um die absurde und surrealistische Wirkung des nordkoreanischen Regimes zu verstehen, muss man den Personenkult verstehen, der um den ersten koreanischen Staatschef Kim il-Sung und dessen Nachfolger, seinen Sohn Kim Jong-il betrieben wird. Genau das hat der italienische Regisseur und Photograph Pierpaolo Koss während einer Reise im Jahr 1992 versucht. Einige Photos dieser Reise wurden kürzlich in Barcelona ausgestellt.

Herr Koss, wie kam es, dass Sie 1992 nach Nordkorea reisten?

1992 wurde ich nach Nordkorea eingeladen, um an einem Choreographen-Kongress teilzunehmen, bei dem es um die Inszenierung von Massenveranstaltungen ging. Ich ging als Abgesandter der italienischen Tanzkunst-Vereins dorthin. Das ist eine Organisation, die von der UNESO abhängt.

Wir sind in Ostberlin auf der « Straße der Freundschaft zwischen Berlin, Moskau und Pjöngjang » gestartet, die dann 1994 geschlossen wurde. In Moskau sind dann etwa 40 Männer in blauen Anzügen, rotten Krawatten und Abzeichen zu Ehren den « Großen Führers » eingestiegen. Als ich das erste Mal auf die Toilette wollte, hat mich einer der Männer gebeten, vorher um Erlaubnis zu fragen. Die Sache war klar : Der nordkoreanische Sicherheitsdienst hatte uns in Geiselhaft genommen.

Seit 1994 führt der Sohn Kim il-Sungs, Kim Jong-il das Land. Verehren ihn die Einwohner wirklich wie einen Gott?

Kim Jong-il ist ein starrer Tyrann und gleichzeitig erstaunlich modern. Sein Geburtstag ist ein nationaler Feiertag. Der Personenkult, der immer noch um seinen Vater Kim-il Sung betrieben wird, folgt dagegen ganz eigenen Regeln. Ihm werden verschiedene Wunder zugesprochen.

Kim Jong-il wird heute wie der Sohn Gottes verehrt, sein Bild wird in riesigen Statuen verewigt, genau wie das seines Vaters. Die beiden werden verehrt wie die Kaiser in den Zeiten des Konfuzianismus. Pjöngjang, die Hauptstadt Nordkoreas, ist ein Schaufenster der absoluten Macht, die sich ganz dem Personenkult von Kim il-Sung und Kim Jong-il widmet.

Die ganze Architektur der Stadt ist eine gigantische Hommage an die kommunistische Erbmonarchie. Das Bild der Stadt wird von dem Ju Che-Turm dominiert, was so viel heißt wie „Autokratie“. Der Turm ist 150 Meter hoch und wurde 1982 fertig gestellt. Er wird von einer imposanten Flamme beherrscht, die ständig angezündet ist.

Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Frage nach dem Körper und der Identität. Wie entstand die Idee des Identitätsverlustes bei den Nordkoreanern?

Meine Arbeit gräbt im Fleisch des Körpers, um Widerstände zu schaffen. Ein Körper, der rebelliert und mit mehreren Wirklichkeiten belastet wird, verwandelt sich. In meiner Arbeit über Nordkorea geht es um den Körper, und wie man ihn in Szene setzen kann. Er wird einem Opferritus unterworfen, in dem die Gewalt des sozialen Körpers explodiert. Jede Individualität wird so vernichtet. Wir werden in eine Scheinwelt geworfen, deren einziger Maßstab die tragische Dimension des Unendlichen ist.

In Nordkorea wurden ganze Stadien gebaut, um dem „großen Führer“ zu huldigen. Hier werden vom Regime riesige Feiern organisiert, deren Choreographie grandios und geometrisch perfekt aufgebaut wird. Das kann man mit keiner Olympia-Eröffnung vergleichen. Einhunderttausend Leuten werden für die Partei zu Bildern umgestaltet.

Ich habe versucht, diesen Verlust der Individualität nachzuahmen, indem ich meine Bilder überfärbt habe, um den Wahnsinn der Choreographie und ihre Pop-Großartigkeit zu zeigen. Diese Szenen sind richtiggehende lebende Bilder. In meiner Arbeit wollte ich die surrealistische Parodie dieses Regimes zeigen. Ich bin überzeugt, dass man als Ausländer von soviel Macht und Schönheit automatisch fasziniert ist.