Kerry, der Anti-Bush

Artikel veröffentlicht am 7. Juni 2004
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Von den Republikanern als Kandidat des Auslands bezeichnet, scheint der Kosmopolit John Forbes Kerry den Dialog dem Unilateralismus vozuziehen. Ein Rückblick auf das Leben des Mannes, der Bush schlagen kann.

Seine Mutter, Rosemary Forbes, Tochter des Milliardärs Forbes und geboren in Paris, ist ein Nachkomme von John Winthorpe, der 1630 einer der Begründer der Stadt Boston war. Frederick Kerry, sein Großvater väterlicherseits, , der als tschechischer Jude unter dem Namen Fritz Kohn geboren wurde, wanderte 1902 in die USA aus und beging nach seinem Bankrott 1921 in Boston Selbstmord. Sein Vater Richard Kerry, studierte in Yale und Harvard, machte eine Diplomatenkarriere und lernte Rosemary auf dem Familienbesitz der Forbes im französischen Saint Brieuc kennen. JFK (!) hat somit den ehemaligen französischen Umweltminister Brice Lalonde zum Cousin; ihre Mütter waren Schwestern. John Forbes Kerry, geboren 1943 in Denver, verlebte einen Großteil seiner Kindheit auf dem europäischen Kontinent - mit seinen Eltern in Deutschland und im Internat in der Schweiz. Aus diesen Jahren hat John Kerry ein perfektes Französisch bewahrt. Einer von Bushs Beratern soll sogar von ihm gesagt haben, "He looks French", was kein Kompliment ist bei den Republikanern.

Als Student in Yale engagiert er sich 1965 bei der Navy, wird schnell in den vietnamesischen Sumpf geschickt und patrouilliert auf den Gewässern des Mekong. Er kommt verbittert zurück und führt die Opposition gegen den Vietnamkrieg an. Dann verwandelten sich mit der Zeit die trüben Gewässer des Mekong in einen langen ruhigen Fluss. Kerry folgt seiner Bestimmung: Rechtsanwalt, Staatsanwalt, stellvertretender Gouverneur von Massachusetts, dann schließlich 1984 Senator desselben Staates. Da sein Herz links schlägt, preist Kerry das Recht auf Abtreibung, die Waffenkontrolle und den Umweltschutz. Was eher selten vorkommt: Er war der einzige der Hauptkandidaten, der laut und deutlich seine ablehnende Haltung gegenüber der Todesstrafe verkündet hat.

Eine Familienangelegenheit

Kerry und seine Frau, Theresa Heinz, haben sich 1990 beim Weltgipfeltreffen in Rio kennengelernt. In Mozambique geboren, mit einem portugiesischen Vater, ist sie Kerrys Herz-As für seinen Präsidentschaftswahlkampf. Die Witwe des Ketchup-Milliardärs ist auch bekannt für ihren Freimut. Und wie so oft in den USA ist die Politik eine Familienangelegenheit, die unter Clans aufgeteilt wird; Alexandra, seine Tochter und Vertraute, engagierte sich für ihren Vater mit einer Rolle in einem Kurzfilm, den sie letzten Monat bei den Filmfestspielen in Cannes präsentierte. The Last Full Measure beschreibt kraftvoll die Verheerungen des Krieges in einer amerikanischen Familie während des Vietnamkriegs. Vor dem Hintergrund des Irakkonflikts ist dieser Kurzfilm nicht unbemerkt an den republikanischen Clans vorübergegangen.

Bush, der Texaner

Was den Vietnamkrieg betrifft, so hat es sich George W. Bush so eingerichtet, dass er an ihm nicht teilnahm. Er hat im Gegensatz zu Kerry immer in den USA gelebt und erweist sich als kein besonders erfahrener Politiker. Er bewegte sich in den Kreisen der Erdölindustrie, bevor er sich, auf Drängen seines Vaters hin, in die Politik stürzte. Als er 1994 zum Gouverneur von Texas gewählt wird, verlässt er sich größtenteils auf die Beliebheit, die er als Leiter des Baseballteams der Texas Rangers errungen hat.

Der Kandidat des republikanischen Clans kennt nur wenige Dinge vom europäischen Kontinent oder er interessiert sich nicht dafür, was bei einigen Zähneknirschen hervorruft. Wie das deutsche Magazin Stern kürzlich schrieb, "zitiert Bush die Bibel, Kerry Pablo Neruda. Bush liebt amerikanische Romane, Kerry William Shakespeare. Bush liest keine Zeitungen und ist stolz darauf, Kerry liest Le Monde.". Was seine Meinung über die Europäische Union betrifft, so antwortete Bush vor kurzem dem türkischen Außenminister: "Gibt es noch eine Europäische Union? Ich habe sie doch in drei Teile zerschlagen!"

John Kerry im Weißen Haus: Welcher Unterschied für die Europäer?

Viele hoffen, dass John Kerry, falls er zum Präsidenten gewählt wird, einen neuen aussenpolitischen Kurs einschlagen wird. Er klagte den "willkürlichen Unilateralismus" der Bush-Regierung an, indem er in einem Interview auf französisch für die Agence France Presse behauptete, "von tiefstem Herzen an den Multilateralismus zu glauben, besonders mit Europa". Dem amerikanischen Politologen Allan Lichtmann zufolge wird John Kerry sich daher bemühen, die Brücken mit Deutschland, Frankreich und den anderen Verbündeten wieder aufzubauen und enger mit der UNO zusammen zu arbeiten.

Aber auch wenn Kerry sicherlich viele Trümpfe in der Hand hat, um die Europäer für sich zu gewinnen, so muss er doch zunächst die amerikanische Wählerschaft erobern. Die Spannungen zwischen der Europäischen Union und den USA werden in Sachen Handel und Politik im Mittleren Osten trotz allem weiter gehen. Die USA werden ihren Krieg gegen den Terrorismus weiter führen, sie werden weiterhin die Israelis unterstützen und bereit sein, unilateral auf Gewalt zurückzugreifen.

Trotzdem ist eine Sache sicher: John Kerry wird dies alles mit viel mehr Takt erledigen. Und vielleicht sogar auf französisch!