Kein Krieg für Syrien

Artikel veröffentlicht am 28. Februar 2012
Artikel veröffentlicht am 28. Februar 2012
Die Armee von Baschar al-Assad beschießt Zivilisten und bombardiert Stadtviertel, täglich gibt es neue Opfer. Schon einmal hat der Westen ein Massaker beendet: In Libyen half er den Rebellen im Kampf gegen Muammar al-Gaddafi. Sollte die NATO auch in Syrien eingreifen? Nein, findet unsere Autorin. Eine Intervention könne den Syrern nicht helfen.

Ein Herrscher lässt das eigene Volk umbringen: Die Milizen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zielen von Dächern auf Demonstranten, foltern und vergewaltigen, hungern Städte aus, wie Feinde in einem Krieg. In einem Jahr haben mehr als 7000 Syrer ihren Kampf für die Demokratie mit dem Leben bezahlt. Die Welt weiß davon. Sie verfolgt das Grauen: Über verwackelte YouTube-Videos, Augenzeugenberichte, Artikel westlicher Journalisten. Zwei Reporter starben letzte Woche in Assads Bombenhagel. Die Vereinten Nationen sind unruhig, schuldbewusst; verurteilen Assad und prangern die Menschenrechtsverletzungen an. Doch sie sind sie nicht bereit zum finalen Schritt: eine militärische Intervention. Was dem libyschen Volk zur Freiheit verholfen hat, könnte es in Syrien nicht ebenso funktionieren? Gilt die „responsibility to protect“ nur, wenn Panzer auf Zivilisten zielen?

Die Antwort ist schmerzhaft. So gerne der Westen den Syrern zu Hilfe kommen möchte, so wenig kann er es. In Libyen genügte ein Luftangriff, um den Rückzugsort der Rebellen vor Gadaffis nahender Front zu schützen. Die NATO zerstörte seine Logistik, hielt den Revolutionären den Rücken frei.

In Syrien gibt es keine Bastion, die man verteidigen könnte, keine Armee, die es zu schwächen gilt. Assad führt seinen Krieg im Untergrund: überall und nirgends. Bomben könnten ein Hauptquartier treffen, eine politische Zentrale, doch die Folterkeller blieben bestehen. Schlimmer noch: Die Waffen der NATO würden im dicht besiedelten Syrien zwangsläufig auch Zivilisten treffen. Assad, der die Widerstandskämpfer zu Staatsfeinden erklärt, könnte das nicht gelegener kommen.

Seine Rache träfe nicht nur Dissidenten, sondern auch die westliche Schutzmacht: Wie einfach wäre es für den Despoten, sich stellvertretend an Israel zu rächen. Er müsste es nicht einmal selbst tun: Die Hisbollah im Libanon und auch der Iran ständen dazu bereit. Ein Militärschlag wäre also nicht nur wirkungslos - er könnte die Region ins Chaos stürzen.

Der Welt bleibt nichts anderes übrig, als harte Worte zu üben und den Despoten zu isolieren. Die Arabische Liga hat Assad ausgeschlossen, auch die EU hat Sanktionen gegen Assad angekündigt. Nun ist es an der UN, Russland und China von einer Resolution zu überzeugen. Assad wird abdanken, es ist nur eine Frage der Zeit. Bomben könnten seinen Fall beschleunigen. Das syrische Volk schützen könnten sie nicht.

(Foto: (cc) ssoosay/flickr)