Kein Fair-P(l)ay im Sport: Sharapova allein unter Männern

Artikel veröffentlicht am 6. August 2010
Artikel veröffentlicht am 6. August 2010
Dem Magazin Sports Illustrated zufolge ist die Tennisspielerin Maria Sharapova die am besten bezahlte Sportlerin der Welt. Mit einem Jahresgehalt von 20 Millionen Dollar … steht sie nur auf Platz 20 der Rangliste der am besten bezahlten Sportler in Europa. Zum Vergleich: Roger Federer hat 2010 eine Summe von 62 Millionen Dollar verdient. Damit nimmt er in der Klassifizierung die Pole Position ein.
Eine Gelegenheit, die Gleichstellung von Männern und Frauen im Sport zu thematisieren?

Ohne der Russin ihr Talent absprechen zu wollen – es reicht, sich an die Karriere ihrer Landsmännin Anna Kournikova zu erinnern. Wäre ihr ohne ihr vorteilhaftes Äußeres die gleiche Aufmerksamkeit zuteil geworden? So konnte Sharapova immerhin lukrative Werbeverträge an Land ziehen. Was die 19 Männer betrifft, die auf der Liste vor ihr kommen ist es nicht so sicher, ob deren Aussehen im gleichen Maße eine Rolle spielte … Es scheint, als würde hier doch mehr Wert auf erbrachte Leistungen gelegt werden (Boris Becker war in seinen frühen Jahren nun wahrlich keine Augenweide). Wenn es um Geld geht, kann von einem Fair P(l)ay im Sport keine Rede sein.

In der Welt des Frauensports sind es die Tennisspielerinnen und Golferinnen, die am meisten verdienen. Gleichzeitig hat es bis 2007 gedauert, bis die Gesamt-Dotierung der Tennisturniere Wimbledon und Roland-Garros gerecht zwischen den beiden Geschlechtern geteilt wurde. Und immer noch sind „männliche“ Initiativen in diesem Bereich rar gesät. Es ist der 1974 von Billie Jean King gegründeten Women’s Sports Foundation zu verdanken, dass Profispielerinnen im Golf und Tennis von besserer Bezahlung profitieren können. Trotzdem zeigt der jährlich von der Organisation herausgegebene Bericht zu Einkommensunterschieden innerhalb der Sport-Branche: Auch die am besten bezahlten weiblichen Sportlerinnen müssen im Jahr 2010 immer noch wirtschaftliche Ungleichheiten in einem männlich geprägten Milieu hinnehmen.

Kurz gesagt, wenn man die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen im Sport erwähnt, erfolgt die Erklärung dafür stets nach den Gesetzen des Marktes: Sportliche Wettbewerbe sind viel spektakulärer, erfreuen sich deshalb besonderer Beliebtheit und werden deshalb stärker gefördert. Die Gleichung ist einfach. Aber daraus sollte man nicht genauso einfach folgern, dass Frauen weniger gute Leistungen bringen, weil sie weniger gut bezahlt werden. Im Profisport ist es normal, dass Männer und Frauen unterschiedliche Leistungen erbringen. Tatsächlich zeigen weibliche Sportlerinnen in ihren Disziplinen aber genauso viel Einsatz wie Sportler – und verdienen deshalb die gleiche Bezahlung wie letztere.

Foto: ©D. Piris/flickr