Kehrtwende: Wird Sarkozy zum Sozialdemokraten?

Artikel veröffentlicht am 27. Oktober 2008
Artikel veröffentlicht am 27. Oktober 2008
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy bekommt Aufwind während der Plenarversammlung im Europaparlament, das am 21. Oktober eine der belebtesten Debatten der vergangenen Jahre erlebt hat.

Nicht nur der Tonfall des französischen Staatspräsidenten - dessen Land im zweiten Halbjahr 2008 den Ratsvorsitz der EU innehat - war ausschlaggebend. Auch die regen Diskussionen, der ironische Unterton in den Antworten der politischen Gruppen und die ideologischen Wurfgeschosse der Sozialisten, Liberalen und Konservativen heizten die Debatte im Straßburger Europaparlament an. Hier die wichtigsten Wortgefechte. 

©EU-KommissionNicolas Sarkozy: "Die systemische Finanzkrise hat am 15. September 2008 begonnen und nicht im August 2007."

©Parti socialiste françaisDaniel Cohn-Bendit (Grüne): "Ich glaube, ich träume! Die Krisen - ökologische Krise, Finanzkrise, Hunger in der Welt - hängen doch zusammen. Es ist somit falsch zu behaupten, die Krise habe im August begonnen. Die Gründe sind schon Jahre vorher zu suchen; es handelt sich nicht um einen Tsunami, den man nicht vorhersehen konnte."

©EU-KommissionNicolas Sarkozy: "Der globale Kapitalismus wird nicht in Frage gestellt, insofern die Marktwirtschaft Unternehmer gegenüber Spekulanten bevorzugt."

©EU-KommissionNicolas Sarkozy: "Es ist nicht möglich, weiterhin die Defizite der ersten Weltmacht zu tragen."

©EU-KommissionNicolas Sarkozy: "Europäische Firmen sollten nicht von außer-europäischen Kapitalen aufgekauft werden, wenn ihr Börsenwert im Keller ist. Eine Lösung könnten staatliche Fonds in jedem Mitgliedstaat der EU sein."

©EU-ParlamentJoseph Daul (PPE-DE): "Der freie Markt (…) braucht Regeln, die mit Standhaftigkeit vertreten werden."

©SPEMartin Schulz (Sozialdemokratische Partei Europas): "Ich freue mich, dass meine politisch-konservative Familie, zu der Sarkozy, Daul und Barroso gehören, ihre Fehler eingestehen - auch wenn dies ziemlich spät kommt."

©EU-ParlamentJoseph Daul (PPE-DE): "Meine Gruppe wird jegliche Maßnahme unterstützen, die das europäische Solidaritätsmodell und eine soziale Marktwirtschaft favorisiert."

©SPEMartin Schulz (SPE): "Die von Nicolas Sarkozy und Manuel Durão Barroso vorgeschlagenen Resolutionen sowie ihr neuerdings sozialdemokratisch gefärbter Diskurs sind doch ziemlich beeindruckend."

©EU-KommissionNicolas Sarkozy: "Ob ich Sozialist geworden bin? Vielleicht! Zumindest sprechen sie hier nicht wie die französischen Sozialisten."