Kastlers Liste und freie Sonntage für Europa

Artikel veröffentlicht am 6. Mai 2010
Artikel veröffentlicht am 6. Mai 2010

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Sonntags gehören Mami und Papi uns: Wie ein deutscher CSU-Politiker mit niederländischer Unterstützung das erste europäische Bürgerbegehren vorantreibt.

Martin Kastler hat unfreiwillig die Niederländer für sich entdeckt. Der Nürnberger CSU-Politiker und MdEP in der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) wollte sich mit einem Volksbegehren zum arbeitsfreien Sonntag profilieren, doch er bekam keine Aufmerksamkeit. Zumindest nicht in Deutschland.

Kastler, Vater von zwei kleinen Söhnen, gründete das Volksbegehren „Sonntags gehören Mami und Papi uns!“ aus europäischem Missionsgeist: „Wir müssen Europa zum kinderfreundlichsten Kontinent der Welt machen.“ Doch die am 10. Februar 2010 gestartete Petition machte in Deutschland allenfalls in Kirchenkreisen von sich reden. Gerade die katholische Kirche freute sich über das Motto aus gewerkschaftlicher Tradition. In anderen europäischen Ländern war das Echo ähnlich gering - mit einer Ausnahme. Hunderte von Niederländern unterschreiben täglich auf der Petitions-Seite www.free-sunday.eu. Die Liste zählt aktuell etwa 15.300 Unterschriften. In zumeist christlichen niederländischen Blogs unterstützen die User Kastlers Anliegen.

Warum gerade die Niederländer so vehement auf einen freien Sonntag pochen, kann selbst der Experte nicht erklären. Tim Mäkelburg vom Zentrum für Niederlande-Studien in Münster ist ratlos: „Ich kann die starke Unterstützung nicht erklären, da es in den Niederländen auch viel mehr verkaufsoffene Sonntage als in Deutschland gibt. Aber ich finde sie lustig.“ Doch er sieht Parallelen: In den Niederlanden gibt es streng religiöse Parteien und Zeitungen mit nicht geringem Einfluss, die sonntags zum Beispiel ihren online-Auftritt sperren, da der Ruhetag eingehalten werden müsse.

So erstaunlich das große Interesse der Niederländer ist, so erstaunlich ist das Desinteresse der Deutschen. Denn Kastler geht mit seiner Initiative einen völlig neuen Weg: Die Möglichkeit des Volksbegehrens gibt es erst seit Dezember 2009, der Geburtsstunde des EU-Vertrags von Lissabon.

Doch Kastlers Weg ist noch weit. Bis die Kommission das Begehren der Sonntagsfreunde bespricht, muss der 35-Jährige mindestens eine Million Unterstützer aus mehreren europäischen Ländern finden. Und selbst dann kann er nicht sicher sein, dass aus seinem Anliegen ein Gesetz entsteht. Die Kommission muss lediglich über das Anliegen beraten. Ob sie etwas daraus macht, bleibt ihr überlassen.

Kastler würde persönlich kaum davon profitieren, wenn seine Initiative Erfolg hätte. Zumindest nicht, solange er Europaabgeordneter ist. Denn momentan pendelt er zwischen den Sitzen des Parlaments, Straßburg und Brüssel, und seiner fränkischen Heimat. „Ich lebe aus dem Rollkoffer“, sagte Kastler in einem Interview mit dem Radiosender Charivari. „Was mir am meisten weh tut, ist, die Familie so selten zu sehen.“ Aus diesem Mangel heraus verfolgt Kastner seine Mission: Er muss noch 985.000 Unterstützer finden. Allmählich unterschreiben auch Nicht-Niederländer.

Foto: ©Pink Sherbet Photography/flickr