Kampfanzug und Bäckerhütchen

Artikel veröffentlicht am 3. April 2006
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Artikel veröffentlicht am 3. April 2006

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Von Berlusconis kleingetupften Krawatten bis zu teutonischen Merkels Kostümen: Ein nicht ganz ernst zu nehmendes Panorama des Modestils derer, die uns regieren. Oder uns regieren werden.

Blair: im Knotenpunkt der Macht

Der unformelle, aber elegante englische Premierminister hat die Krawatten zu einem Instrument der Diplomatie umfunktioniert. Und – seien wir ehrlich – ohne seine wunderschönen, tiefroten und nie aufdringlichen Krawatten wäre New Labour nie möglich gewesen. Leider ist in letzter Zeit das Rot etwas verblasst und einem „ich-würde-gern-aber-kann-nicht“-Rosa gewichen. Im Hinblick auf seinen bevorstehenden Auszug aus Downing Street sollten wir dem „boy“ neu motivieren und ihm eine Serie edler Marinella-Krawatten schenken.

Berlusconi: Hauptsache gewagt

Jahrelang haben wir ihn im dunklen Doppelreiher mit kleingetupfter Krawatte gesehen. Wir haben ihn in Porto Cervo mit weißem Bandanatuch gesehen, im Kampfanzug mit Präsident Bush und im legeren Pulli mit Umberto Bossi im Garten seiner Villa in Arcore. Und im Smoking mit Craxi in den Mailänder Bars in den 80er Jahren. Wir haben ihn mit Haaren, ohne Haare, mit Schminke, ohne Schminke gesehen, immer braungebrannt. Nie blass. Wir haben ihn im derzeit laufenden Wahlkampf auch mit einem Bäckerhütchen in den Mailänder Straßen gesehen. Eine Frage: Werden wir ihn auch noch nach den italienischen Wahlen vom 9. April sehen?

Barroso oder die Nase an der Macht

Ein guter Politiker muss eine gute Nase fürs Geschäft haben, für die Wahl seiner politischen Strategie, für die Auswahl dynamischer Mitarbeiter. Rudolf von Habsburg, Kaiser des Hl. Römischen Reichs, ist in die Geschichte der Anatomie eingegangen, weil er eine so große Nase gehabt hat, dass kein Künstler sie je zur Gänze darstellen hatte können. Hoffen wir, dass der derzeitige Kaiser der EU, José Manuel Barroso, in die Geschichte nicht wegen seiner Adlernase oder wegen seiner orange-schwarzen Krawatten eingehen wird. Heutzutage ist Schönheitschirurgie auch in der Politik möglich und manchmal sogar von Vorteil: siehe Berlusconi.

Ségolène Royal: Frankreich in verbesserter Neuauflage

Wären alle wie sie, die Welt wäre ein besserer Ort. Die Anwärterin auf die sozialistische Präsidentschaftskandidatur nächstes Jahr ist fast perfekt: sie ist eine Frau, jugendlich und verantwortungsbewusst. Sie ist links, ohne konservativ zu sein. Sie ist Französin, ohne vor kleineren Liftings der Augenlider zurückzuschrecken. Sie ist schön, ohne dumm zu wirken. Sie kleidet sich obendrein elegant, im cremefarbenen Kostüm, das ihre schlanke Figur noch unterstreicht. Leider ist die Welt – und insbesondere Frankreich in diesen Tagen – kein guter Ort. Wir haben Séglène Royal eigentlich nicht verdient. Aber sensationell wäre es schon, sie als Kandidatin zu haben, und sei es nur, um ihr Lächeln auf alle Pariser Wände gedruckt zu sehen. Und außerdem, stellt sie euch mal vor, die Staatspräsidentin Ségolène Royal, wenn sie im Fernsehen ankündigt: „Die große Pause ist vorbei!“

Angela Merkel: Kostüm auf Teutonisch

Noch nie haben wir eine deutsche Kanzlerin gesehen. Aber eigentlich konnte sie nicht anders als Angela Merkel aussehen. Vom wenig überzeugenden Lächeln einmal abgesehen: Hebt man in Ostdeutschland eigentlich die aus Honeckers Zeiten stammende Garderobe auf? Und abgesehen vom Buckel, vom fürchterlichen roten Schal, auf den sie bei keinem Galadiner verzichtet, und abgesehen von den Fältchen im Augenwinkelbereich. Ist es denn wirklich möglich, dass in Berlin keiner den Mut aufbringt, ihr zu sagen, dass das Kostüm – vor allem das graue und eng anliegende – zur Austattung von Postbeamten gehört?

Fotos: Europäischer Rat, Forza Italia, EU-Kommission,Assemblée Nationale.