Kaliningrad bewegt sich in Richtung Europa

Artikel veröffentlicht am 14. Juli 2006
Artikel veröffentlicht am 14. Juli 2006

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Russland beobachtet mit Argwohn den Einfluss der Europäischen Union in seiner Enklave Kaliningrad. Doch die pumpt weiterhin Millionen in die Region.

Kaliningrad war die Hauptstadt Ostpreußens und hieß damals Königsberg. Hier wurde der Philosoph Immanuel Kant geboren. 1945 wurde es sowjetisches Gebiet und zum Stützpunkt der Ostseeflotte der Sowjetunion. Seit dem EU-Beitritt Polens und Litauens ist Kaliningrad isoliert. Es ist heute russische Enklave.

Krise

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion begann eine Phase der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Krise. Sie wurde hauptsächlich durch die Trennung vom „Mutterland Russland“ ausgelöst. Kaliningrad fühlte sich verlassen.

90 Prozent der Bernsteinreserven der Welt sind in Kaliningrad zu finden. Die Region lebte hauptsächlich von der Landwirtschaft; der Monatslohn lag, bis noch vor einigen Jahren, bei ungefähr 100 Dollar im Monat. Der Verfall, der in den letzten fünfzehn Jahren stattfand, ist augenfällig. Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch, die Rate der Aids-Infektionen ist eine der höchsten in Europa.

Das Fehlen der Präsenz Moskaus in der Enklave ist spürbar, auch wenn die Regierenden der Stadt die gemeinsame Geschichte betonen wollen. So erklärte Yuri Savenko, der Bürgermeister von Kaliningrad im vergangenen Jahr, dass „ein Symbol des Sieges des sowjetischen Volkes im großen patriotischen Krieg auf dem erneuerten Pobeda Platz zu finden sein wird“. Gemeint war eine Leninstatue.

Doch für die Russen selbst ist Kaliningrad weit weg. Der russische Präsident Putin musste während einer Pressekonferenz im Jahr 2004 den Journalisten auf einer Karte zeigen, wo genau Kaliningrad liegt.

Blick nach Europa

Die Diskussionen zwischen Russland und der Europäischen Union um die Enklave Kaliningrad beziehen sich nicht nur auf den Verkehr von Personen und Gütern. Die europäische Union will auch der Enklave auch weiterhin ihre Unterstützung anbieten. „Wir tragen zur Entwicklung dieser besonderen Region bei und wir werden unsere aktive Zusammenarbeit fortführen“, so Benita Ferrero-Waldner, EU-Kommissarin für auswärtige Angelegenheiten nach einem Besuch in Kaliningrad im Februar diesen Jahres.

Sie bestätigte damit den Entschluss der EU, die russische Enklave nach der Ost-Erweiterung vor zwei Jahren nicht zu isolieren und eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Annäherung zwischen Kaliningrad und seinen Nachbarstaaten zu fördern.

Das europäisch-russische Gipfeltreffen im November 2002 legte die Richtlinien für den Transit der russischen Bürger zwischen Kaliningrad und anderen russischen Gebieten fest. Diese Regelungen traten am ersten Juli des folgenden Jahres in Kraft. Die Resultate waren positiv: Die Menge an Transportgütern wuchs 2004 um 10, im folgenden Jahr sogar um 20 Prozent.

Zwischen 2001 bis 2006 pumpte die EU mehr als 100 Millionen Euro nach Kaliningrad. Im Rahmen des „Spezialprogramms für Kaliningrad“, einem Teil der EU-Nachbarschaftspolitik, betraf dies vor allem technische und finanzielle Unterstützung sowie grenzüberschreitende Transporte. Seit 2001 liegt das Wachstum in Kaliningrad über dem russischen Durchschnitt.

“Wir werden immer ein Teil Russlands sein“

Das Wirtschaftwachstum ist zum größten Teil der europäischen Hilfe zu verdanken, die Region liegt mitten in der EU – und viele junge Kaliningrade orientieren sich eher in Richtung Europa als in Russland. Zwar zitierte die BBC im Jahr 2003 Olga Danilova, eine Lehrerin und Touristenführerin mit den Worten: „Wir sind nicht wie die anderen baltischen Staaten. Sie haben ihre eigene Sprache und Kultur... Wir werden immer ein Teil Russlands sein“.

Doch Svetlana Kolbanyova, eine junge Fernsehreporterin, glaubt, dass „Kaliningrad davon träumt, europäisch zu sein. Es ist eine Art Gemisch. Wir sind russisch, weil wir russisch sprechen und unsere Kultur ist russisch, aber im Hinblick auf unsere Bindungen zu Europa fühlen wir uns europäisch.“ Die Zahlen geben Kolbanyova recht. In der Tat haben nur 15 Prozent der jungen Menschen in Kaliningrad jemals Russland besucht, wohingegen 80 Prozent schon einmal in Europa waren.

Offiziell will die EU Kaliningrad unterstützen, ohne die russische Souveränität in Frage zu stellen. Doch ihr wirtschaftlicher und politischer Einfluss wächst. Gerne erklärte der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, dass „in meinem Herzen diese Stadt immer Königsberg heißen wird“. Gebietsansprüche verneinte er natürlich.

Wenn man den Einfluss bedenkt, den die EU in der Ukraine ausübt, muss die Frage erlaubt sein, ob auch Kaliningrad eines Tages den Weg in die EU suchen könnte. Tatsache ist: Europa gewinnt zunehmend an wirtschaftlichem und kulturellem Einfluss, die Kooperation zwischen Russland und der EU funktioniert. und ein wachsender wirtschaftlicher und kultureller Einfluss von der EU auf die Region. Die Bürger Kaliningrads sind es leid, sich von Moskau im Stich gelassen zu fühlen. Sie wollen ihren Lebensstandard verbessern. Immer mehr sind davon überzeugt, dass ihre Zukunft in Europa liegt – gleich hinter der Grenze.