Jungs, ihr habt das Wort: Was macht cafebabel.com Männer glücklich?

Artikel veröffentlicht am 21. Oktober 2011
Artikel veröffentlicht am 21. Oktober 2011
Den Macho spielen, Geld verdienen und erfolgreich sein – das ist es, was Männer glücklich macht. So denken wahrscheinlich viele von uns Frauen. Zumindest fragen wir uns, warum es für Männer so schwer ist, über Glück zu sprechen. Denn als wir die Artikel für unser Dossier zum Thema Glück vorschlugen, meldeten sich nur Frauen. Dabei ist es scheinbar gar nicht so schwer.
Egal ob es um ein Bierchen, den neuesten technischen Schrei, Freunde, Mädels oder darum geht, ein Match zu gewinnen, hier erzählen Jungs aus ganz Europa, was ihnen ein Lächeln auf die Lippen zaubert – und warum Frauen anders ticken.

„Als Mann zu erklären, was einen glücklich macht, ist so, als ob man etwas von sich preisgibt oder als würde man auf seine Gefühle achten (was nicht sehr cool ist). Das macht uns nicht glücklich! Vielleicht möchten wir nicht darüber reden, weil wir glauben, dass es unsere Vorstellung zerstört, einfach das zu tun, worauf wir gerade Lust haben.

Es macht mich glücklich, für etwas zu kämpfen, das ich erreichen möchte, sei es in einem anspruchsvollen Fußballspiel, einem beruflichen Projekt oder etwas, das ich mir selbst beweisen muss. Das ist es, was mich wirklich nach vorne treibt: Zu fühlen, dass ich etwas bewegen kann und dass ich alles gebe. Manchmal ist es mehr der Weg als das Ziel, der mir ein gutes Gefühl gibt. Ich chille auch gerne mit Freunden und fühle mich dabei wohl, zum Beispiel mit meiner Freundin oder Kommilitonen – einfach locker sein, ohne Sorgen und ohne Lästereien, mit Leuten zusammen sein, mit denen man sich gut versteht und Spaß haben kann, ohne sich über unwichtige Dinge Gedanken machen zu müssen. Das kann bei einem guten Essen oder einem Konzert, am Strand oder auf Reisen sein. Solange man mit den richtigen Menschen zusammen ist.“

(Ulrik, 24 Jahre, aus Kopenhagen)

„Jungs, Männer oder wie immer man uns auch nennen mag, sind immer noch die gleichen Kinder, die sie früher waren, und machen dieselben Dinge, die sie schon in der Schule gemacht haben. Die Dinge, die ich liebe, sind noch dieselben, die ich mochte, als ich mir noch nicht so viele Gedanken machen musste (über meine sozialen Pflichten und natürlich über Frauen) und meine einzigen Pflichten die täglichen Hausaufgaben waren. Ich spielte gerne mit meinen Freunden und liebte es, den ganzen Nachmittag mit ihnen zu quatschen, Scherze zu machen und in meinem kleinen Ort abzuhängen und hübschen Mädels hinterher zu starren. Ich bin mit Filmen wie Die Goonies (1985) und Stand By MeDas Geheimnis eines Sommers (1986) aufgewachsen und als Teenager liebte ich Der Fänger im Roggen (1951). Diese Dinge beschreiben am besten, was Jungs und auch Männer glücklich macht: Freundschaft und ein freies Leben. Ich beschreibe hier keine verklärte Vergangenheit. Ich bin nur glücklich, weil ich Freunde habe, die meine Jugend mit mir geteilt haben, mit denen ich immer noch eng befreundet bin und es für den Rest meines Lebens sein werde.“

(Giacomo, 28 Jahre, aus Turin)

„Frauen sind anspruchsvoller. Deshalb suchen sie stärker nach dem Glück. Sie sind oft unzufriedener als Männer, die einfacher gestrickt und glücklichere Wesen sind. Die einfachen Dinge im Leben, die wir allzu oft vergessen, machen mich glücklich, z. B. gute Freunde und die schöne Zeit, die ich mit ihnen verbringe. Als Schauspieler bin ich auch glücklich, wenn ich auf der Bühne stehen darf und die Menschen mich sehen. Vielleicht ist Glücklichsein ein kindisches Gefühl – aber ich finde es gut, ewig Kind zu bleiben. Das stört mich nicht.“

(Manuel, 24 Jahre, aus Paris)

„Glücklichsein ist etwas sehr Individuelles und nicht unbedingt geschlechtsabhängig. Einige sind glücklich, wenn sie mit ihrer Familie zusammen sind, andere freuen sich, wenn sie ein Puzzle gelöst haben oder Wettbewerbe gewinnen. Glücklichsein entsteht durch das Zusammensein mit Freunden und Dingen, die gar keine so große Bedeutung haben müssen (deren einziger Sinn darin besteht, dass wir den Moment genießen). Man sollte sich der Momente bewusst sein, in denen man glücklich ist. Wie der amerikanische Autor Kurt Vonnegut einmal sehr treffend gesagt hat: „Ich bitte euch, seid euch der Momente bewusst, in denen ihr glücklich seid und denkt oder ruft dann aus: Wenn das nicht schön ist, weiß ich es auch nicht.”

(Andras, 27 Jahre, aus Budapest)

„Was mich glücklich macht, würde jeden glücklich machen, egal ob Mann oder Frau. Wenn ich mit meinem kleinen Neffen spiele, wenn meine Oma jeden Freitag am Fenster sitzt und auf mich wartet, wenn ein Freund mit einem kühlen Bier vorbeikommt, wenn ich nach einem Urlaub ein paar Pfunde weniger habe, wenn ich Geld in meiner Winterjacke finde, oder auch ein sonniger, aber etwas zu kühler Wintertag…“

(Aldin, 24 Jahre, aus Sarajevo)

„Die paar Sekunden Stille und Dunkelheit, bevor im Kino der Film beginnt. Morgens aufzuwachen und zu wissen, dass ich noch zwei Stunden weiterschlafen kann. Ein guter Vortrag. Das Gefühl, frei, alleine und weit weg zu sein. Der erste Schluck eines kalten Bieres. (Fast) alles von Martin Scorsese. Eine bissige, aber höfliche Bemerkung. Eine ausgiebige Dusche vor dem Ausgehen. Radio Nova hören. Vor kurzem habe ich herausgefunden, dass ich den Anfang einer Folge von The Wire am liebsten mit einem guten Gin Tonic anschaue.“

(Aníbal, 27 Jahre, aus Barcelona)

„Glücklichsein bedeutet Natur – durch die Wälder zu trampen – aber auch technischen Kram, irgendwelche dämlichen Geräte, menschenleere Plätze, Whisky — Long John, wenn es regnet— gute Stimmung in einem Jazzclub, nette Menschen um sich zu haben, ein Buch zu lesen, reisen, im Meer zu schwimmen, tolle Konzerte, ein warmes Essen, Wissenschaft…“

(James, 27 Jahre, aus Belgrad)

„Frauen und Männer fühlen dasselbe, wenn es um das Glücklichsein an sich geht – ein flüchtiger Blick oder eine Umarmung und der Tag ist gerettet. In einer Zeit, in der der technologische Fortschritt immer mehr an Fahrt gewinnt, ist jeder leicht zufrieden zu stellen, sobald das Neueste vom Neuen auf den Markt kommt. Solche Dinge machen uns auf kurze Sicht glücklich, es ist wie ein kindliches Glück. Das moderne Leben macht es für uns schwerer, echtes Glück zu erleben; heute stellen wir viel mehr Ansprüche an unseren Partner, unsere Arbeit usw. Wir sind egoistischer geworden und erkennen vielleicht gar nicht mehr, dass es die kleinen Dinge sein sollten, die uns glücklich machen.“

(Boris, 29Jahre, aus Skopje)

„Es macht mich glücklich, zum ersten Mal Onkel zu sein, mich heute Abend mit guten Freunden aus Kindertagen zu treffen, mit der Frau zusammen zu leben, die ich liebe und der Occupy Wall Street -Bewegung zu folgen.“

(Thomas, 27 Jahre, aus Aarhus)

„Man muss die passende Mischung aus Dingen finden, die man interessant findet und die für Unterhaltung sorgen: Bücher, Filme, Musik, Gespräche oder Wissen. Man muss Dinge im Moment genießen, weil sie einfach nur Spaß machen: die ganze Nacht wild tanzen oder trinken bis der Arzt kommt. Man muss gar nicht viel tun, weil es genau die Dinge sind, die man gerade jetzt machen möchte: gutes Essen genießen und entspannen. Der soziale Aspekt darf dabei nicht fehlen. Denn es ist noch schöner, wenn man seine besten Freunde und seine Familie um sich hat. Stimmt die Mischung nicht und man hat nur eine Sache, die einen glücklich macht, wird es mit dem Glück irgendwann aus sein – jede Nacht auszugehen wird auch einmal langweilig sein.“

(Robert, 20 Jahre, aus Edinburgh)

„Der einzige Unterschied zwischen den Geschlechtern ist, dass Frauen besser als Männer wissen, was Glücklichsein für sie bedeutet und wie sie diesen Zustand erreichen. Männer machen sich genauso viele Gedanken darum wie Frauen, aber für sie ist das Glück ein eher zufälliges Ereignis; sie wollen nicht um jeden Preis danach suchen. Die schönen Momente machen einen glücklich: Das Lächeln deiner Freundin oder eines Kindes, ein Tor deiner Mannschaft, Erfolg im Beruf, ein kleiner Moment des Ruhms, mit Kopfhörern und Musik eine neue Stadt zu erkunden, einen wunderbaren Film anzuschauen. Doch dieses Gefühl umgibt dich niemals ganz, es streift dich nur von Zeit zu Zeit.“

(Nicola, 26 Jahre, aus Sassari, Sardinien)

Illustrationen: Homepage (cc)lsiegert/flickr; Batman im Text (cc)kevin dooley/flickr; Mädchen (cc)dollen/flickr/dollen.com