Jung und grün: Es ist verdammt nochmal unsere Zukunft

Artikel veröffentlicht am 9. Dezember 2015
Artikel veröffentlicht am 9. Dezember 2015

Sie ist Belgierin, er ist Finne. Sie sind jung und besorgt um die Zukunft des Planeten. Um ihn zu erhalten, engagieren sie sich inder FYEG - Federation of Young European Greens. Begegnung mit zwei Freiwilligen.

Wie viele Umweltaktivisten sind die Jungen Grünen Europäer auf der Durchreise in Paris, um ihrer Stimme vor der Weltklimakonferenz COP21 Gehör zu verschaffen. Cafébabel hat zwei Sprecher des Verbands getroffen, der 42 ökologische Organisationen des alten Kontinents zusammenschließt. Nachdem sie einen Workshop über die Verbindung zwischen Erderwärmung und Migration auf der Youth-Begleitkonferenz COY11 geleitet haben, sprechen Laura und Teo mit uns über die Kämpfe ihrer Generation und ihren Handlungsspielraum. 

cafébabel: Was wollen junge grüne Europäer genau?

Laura: Grüne Ideen verbreiten und Jugendorganisationen der grünen Parteien in Europa miteinander verbinden. Unsere Grundprinzipien sind natürlich der Naturschutz und soziale Gerechtigkeit. Wir sind auch aktiv im Bereich der Grundrechte, der Flüchtlinge, der Achtung der Menschenrechte und der nationalen und sexuellen Minderheiten.

Teo: Wir interessieren uns auch für das europäische Projekt und dessen Krise. Wir sind für Europa, aber für ein anderes Europa, nicht nur eine Währungsunion, sondern eine demokratischere Union, die nicht von kleinen Gruppen bestimmt wird.

cafébabel: Klingt gut, aber habt ihr die Mittel, um das in die Praxis umzusetzen?

Laura: Ja, über die Legislative! Als europäische Jugend möchten wir unsere Ideen auch innerhalb des Europäischen Parlaments realisieren.

Teo: Wir gewährleisten die Verbindung zwischen Bürgern und Institutionen. Dies war mehrere Jahre lang eines unserer Ziele und das haben wir auch geschafft: wir haben drei ehemalige Sprecher der FYEG im Parlament. Sie setzen sich für die Rechte von Flüchtlingen, den Feminismus gegen die Prekarisierung und allgemein für die Jugend ein. 

Laura: Es geht auch darum, die Mentalitäten im wahrsten Sinne des Wortes zu beeinflussen. Wir organisieren Kampagnen, um Menschen zu begegnen und konkrete Veränderungen zu erklären, die möglich sind und Modelle, die wir anstreben möchten. Wir glauben an Nachahmungstäter: falls wir es schaffen, junge Leute zu überzeugen, dann wird dies zu konkreten Veränderungen führen.

cafébabel: Leichter gesagt als getan. In vielen europäischen Ländern interessiert sich die Jugend nicht wirklich für Ökologie und ist ziemlich politikverdrossen...

Laura: Ja, das kann ich verstehen. Sie haben das Gefühl, dass es weit weg ist, dass sie keine Möglichkeit haben etwas zu tun. Aber ich stelle mir dir Frage anders herum. Ich sage mir, dass, wenn ich mich nicht um die Politik kümmere, sich die Politik auch nicht um mich kümmern wird. Selbst wenn ich nichts mache, hat die Politik einen Einfluss auf mein Leben, das Leben meiner Familie, meiner Freunde, der Menschen, mit denen ich lebe. Ich weiß, dass der Einfluss meiner Handlungen begrenzt ist, dass ich nicht alles erreichen kann, was ich möchte. Aber wenigstens versuche ich es. Ein Grund weswegen die Politik unserer Generation weit entfernt erscheint, ist, dass wir, wenn wir an Politik denken, weiße Männer mit schlohweißen Haaren sehen... Daher ist es wichtig sich zu engagieren, junge Gesichter in die Politik zu bringen und eine gewisse Diversität auf der Ebene der politischen Entscheidungsfindung zu erzwingen.

cafébabel: Warum unterscheidet ihr zwischen „Jungen Grünen“ und „Grünen“, obwohl ihr die gleichen Ideen vertretet?

Teo: Es gibt politische Fragen, die junge Menschen auf eine andere Art und Weise betreffen als eine andere Generation. Klimafragen zum Beispiel beschäftigen uns vielleicht mehr. Auch wirtschaftlich gesehen sind wir eine Generation, die nicht weiß, ob es für sie noch eine Rentenversicherung gibt. Wir möchten die Bevölkerung auf diese Herausforderungen aufmerksam machen, mit denen es unsere Generation aufzunehmen hat.

Laura: Und außerdem sind die Mitglieder unserer Organisation nicht notwendigerweise in den grünen Parteien. Die meisten unserer Mitglieder sind Menschen, die sich in den ökologischen Ideen wiedererkennen, die sich engagieren möchten, aber sich nicht unbedingt zur Wahl aufstellen lassen oder klassisch parlamentarisch arbeiten wollen. Die FYEG unterstützt Kandidaten, hat aber nicht die Berufung Wahlen zu gewinnen. Natürlich haben wir auch Phasen, in denen wir theoretisch reflektieren. Aber es ist wichtig für uns, dass sich diese Reflexion durch Aktionen auf der Straße, Kampagnen und Diskussionen mit Außenstehenden zum Ausdruck gebracht wird.

cafébabel: Was waren denn konkret eure letzten Kämpfe?

Teo: Wir haben einige gute Aktionen durchgeführt: In Malta beispielsweise haben wir die Bevölkerung über die Rechte der Flüchtlinge, in Tiflis über Klimawandel oder in Duisburg über Beschäftigung von jungen Menschen in dieser desindustrialisierten Region Deutschlands aufgeklärt. Aber es stimmt schon, dass wir in der letzten Zeit auf die COP21 gewartet haben, um uns zu mobilisieren. Der [in Frankreich aufgrund der Attentate ausgerufene] Notstand hat unsere Pläne ein bisschen durcheinandergebracht.

cafébabel: Was erwartet ihr von COP21 ?

Laura: COP21 ist entschiedend! Wir haben Niederlagen in anderen Ländern erlebt, zum Beispiel in Warschau, wo sich die Unternehmer die fossilen Energieträger angeeignet haben. Wir denken, dass die Diskussion in Paris offener sein kann. Was wir von Anfang an gefordert haben, ist ein verpflichtender Text, der die Erderwärmung auf 2 Grad beschränkt. Wir forden sogar 1,5 Grad, da wir wissen, dass mehr Erderwärmung zu großen Verlusten für Inselbewohner führen würde.

Teo: Wir nutzen die COP21 auch, um für danach zu mobilisieren. Es ist sehr wichtig, dass wir unserer Bewegung Beständigkeit verleihen.

Laura: Und wir hoffen wirklich, dass es funktioniert, dass wir weiter kommen, denn wie unser Slogan schon sagt: « It’s our fucking future » !

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Ich bin ein Pariser. Dieser Artikel stammt von unserem Localteam La Parisienne de cafébabel