Juanes und die Zukunft des Europaparlaments

Artikel veröffentlicht am 2. Mai 2006
Artikel veröffentlicht am 2. Mai 2006

SOS: Dieser Artikel wurde weder von einem Editor überarbeitet noch in einer Gruppe veröffentlicht.

Am Mittwoch, den 19. April, trat der kolumbianische Sänger Juanes vor einigen tanzfreudigen Europaabgeordneten auf.

Das Konzert fand an einem Tag statt, der dem gemeinsamen Kampf gegen Antipersonenminen gewidmet war, während der blaue Hintergrund im Rücken des lateinamerikanischen Stars zur Geltung brachte, dass man sich im europäischen Parlament befand.

Mit einem gewissen Grad an Naivität könnte man denken, dass, in Anbetracht der Wichtigkeit der Institution der Fernsehauftritt in erster Linie dem Image des Künstlers zu Gute kommen müsste. In Wirklichkeit aber wird, wer nach den Hintergründen des Ereignisses sucht auch auf die Kommunikationspolitik der EU stoßen.

Mehr als politische Dinosaurier

„Wir müssen nach neuen politischen Wegen suchen, um unser Projekt den Bürgern näher zu bringen und die Wahrheit ist, dass die Anwesenheit Juanes uns einen neuen Impuls, eine neue Vision im Umgang mit unseren jungen Leuten gibt“, erklärte einer der Organisatoren des Konzertes, der Europaabgeordnete José Ignacio Salafranca. Er vergaß auch nicht zu erwähnen, „wie die Leute in den Übersetzerkabinen tanzten“.

Sicher ist, dass wenigstens die Bilder des Events es erlaubten, einen überraschenden Umstand zu würdigen. Dem Vorurteil zum Trotz, dass in Brüssel nur politische Dinosaurier verweilen, deren Zukunft im eigenen Land belastet ist, umfasste ein guter Anteil des Publikums mehr oder weniger hemmungslos sich im Rhythmus wiegende Jugendliche.

Mit oder ohne Verfassung drängen Reformen

Junge wie erfahrene europäische Politiker wissen gleichermaßen, dass der vielleicht entscheidenste Schritt auf dem Weg, den Bürgern die EU näher zu bringen, die Stärkung des Parlamentes ist. In diesem Sinne ist es nicht schlecht, dass die Institution bemüht ist, auf ihre Aufgabe durch originelle Veranstaltungen aufmerksam zu machen, indem sie z.B. Künstler oder andere berühmte Persönlichkeiten einlädt, die dazu beitragen sollen, den Bekanntheitsgrad zu steigern.

Wichtig wäre in jedem Fall, so schnell wie möglich dafür Sorge zu tragen, dass die Stimme des Bürgers auf möglichst direktem Weg Brüssel erreicht. Die einzig denkbare Möglichkeit das zu erreichen ist es, den Machtübergang des Rates der EU an das Parlament zu beschleunigen.

Zweifelsohne hat die Ablehnungen der Verfassung diesen Prozess erschwert, aber sie darf dennoch nicht als Ausrede benutzt werden. Ganz im Gegenteil beruhen viele der Neinstimmen der europäischen Bürger zur Carta Magna auf dem Demokratiedefizit der Gemeinschaft - ein Argument, auf das sich ebenfalls viele Euroskeptiker berufen, um ihre Ablehnung gegenüber der EU zu begründen.

Warum also sollte, wenn sich die EU im Laufe der Jahre auf der Basis politischer Vereinbarungen aufgebaut hat, nicht ein neuer Pakt unterzeichnet werden, der die Union ihren Bürgern näher bringt? Währe nicht das der wirkliche Plan D der Demokratie, den Europa braucht?