Joe Frankel: Echter Geschmack, null Abfall

Artikel veröffentlicht am 8. Dezember 2015
Artikel veröffentlicht am 8. Dezember 2015

Schaden Lebensmittelverpackungen der Umwelt oder nicht? Joe Frankel ist dieser Frage nachgegangen und hat im Jahr 2006 in der schottischen Hauptstadt Edinburgh Vegware gegründet, das erste Unternehmen in Großbritannien, das kompostierbare Lebensmittelverpackungen herstellt. Ein Beweis dafür, dass sich Umweltschutz und eine erfolgreiche Geschäftsstrategie nicht unbedingt ausschließen.

Jeden Tag werfen wir Müll weg. Allein in Europa produzieren wir drei Milliarden Tonnen Abfall im Jahr. Die Haushalte kommen auf 250 Millionen Tonnen. Nicht nur die Menge an Abfall wird stetig größer, auch die Beschaffenheit des weggeworfenen Mülls ändert sich.

Viele Lebensmittelverpackungen sind aus komplexen Materialien zusammengesetzt, die gefährliche Substanzen für den Menschen beinhalten. Diese Inhaltsstoffe tragen zum vermehrten Ausstoß von Treibhausgasen und zur Umweltverschmutzung im Allgemeinen bei.   

Das Thema ist umso heikler, weil die Verpackungen unsere Nahrungsmittel beinhalten. Tüten, Schutzhüllen, Einschweißungen – Verpackungen, die eigentlich dazu bestimmt waren, uns zu schützen, schädigen der Umwelt mehr als alles andere. Jetzt, wo wir uns über unseren ökologischen Fußabdruck bewusst werden, brauchen wir wirtschaftlichere und umweltfreundlichere Modelle für die Produktion von Lebensmittelverpackungen – auch wenn der Markt hart umkämpft ist.

Der Vegware-Kreislauf: von der Tasse zum Kompost, von der Gabel zur Erde

Immer mehr Unternehmen werden „grüner“ und investieren in nachhaltige Geschäftsmodelle. Eines unter ihnen ist Vegware, eine Firma mit Sitz in Edinburgh. Joe Frankel hat das Unternehmen vor neun Jahren gegründet. Es produziert Verpackungen, die biologisch abbaubar sind und vertreibt diese in der ganzen Welt.

Eilidh Brunton, Recycling-Spezialist bei Vegware, erinnert sich: „Joe lebte und arbeitete in Kalifornien. Auf einem Bauernmarkt entdeckte er eines Tages einen Löffel, der aus Maisstärke und Kartoffeln angefertigt war. (…) Er fand die Idee genial und sah darin das Potential für einen neuen Markt. Bei seiner Rückkehr nach Großbritannien hat er seine ganzen Ersparnisse in zwei Tonnen biologisch abbaubaren Kunststoff gesteckt, die eigentlich zur Herstellung von Essbesteck gedacht waren. So hat alles angefangen.“

Vegware existiert noch keine zehn Jahre, hat aber schon einige Preise abgeräumt und spielt in der Welt ganz vorne mit. Eine bemerkenswerte Kohlenstoffbilanz, Produkte, die zu 100% recycelbar sind, Einwegbecher mit hermetischem Deckel, hitzebeständiges Besteck – alles ist abbaubar und zurückverwandelbar.

Das Unternehmen beliefert von Nordamerika bis Südafrika die ganze Welt. Vegware ist im Gastro-Bereich zu einer « visionären Marke » aufgestiegen, die für Null-Abfall-Initiativen steht. Mitarbeiter begleiten den Kunden bei allen Schritten und bringen ihm die Kompost-Prozesse pädagogisch nah. Vegware übernimmt eine Vorreiter-Rolle – gerade jetzt, wo der Klimawandel und Themen wie Lebensmittelverschwendung auf allen Tagesordnungen stehen. Die kleinen Aktionen vor Ort leisten einen entscheidenden Beitrag zu größeren Initiativen, die sich dem Umweltschutz verschrieben haben, wie zum Beispiel der COP21. „Wir hoffen, dass die Konferenz in Paris in Zukunft bei mehr Leuten das Interesse für Themen wie Nachhaltigkeit weckt.“, vertraut Eilidh an.

Dank Vegware ist es Schottland gelungen, international als Referenz für Recycling-Verfahren aufzutreten. „Wir gehören zu den Unternehmen, die am schnellsten wachsen. In Schottland belegen wir den 3. Platz und in Großbritannien den 29. Platz. », erklärt Eilidh. Was uns von anderen unterscheidet, ist dass wir nicht nur Becher verkaufen. Mithilfe unseres Netzwerks (Food Waste Network) unterstützen wir unsere Kunden und geben Hilfestellung beim Recycling-Prozess von Vegware-Produkten und anderer Lebensmittelreste, um die Wende zu Null-Abfall im Lebensmittelbereich zu erreichen. Wir setzen uns dafür ein, dass ein Maximum unserer Becher kompostiert werden, damit unsere Kunden und wir, die Bürger, die positiven Auswirkungen der Wiederverwertung auf die Umwelt nachvollziehen können.“ 

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Dieses Porträt ist Teil unseres cafébabel-Projekts #21faces im Rahmen der Weltklimakonferenz COP21 in Paris.