Jobeinsteiger: Friedensmission und Rambos im Kosovo

Artikel veröffentlicht am 11. März 2009
Artikel veröffentlicht am 11. März 2009
Tomi, ein 24-jähriger Finne und lustiger Blondschopf, spricht gerne über seine sechs Monate als Freiwilliger der UN-Friedenstruppen im Kosovo. Zusammen mit weiteren 25 jungen Landsleuten, unter ihnen auch vier junge Frauen, war er in der Balkan-Region, die immer noch unter der Verwaltung der Vereinten Nationen steht.

Seit viele europäische Länder angefangen haben, junge Männer vom Wehrdienst zu befreien, findet in der EU eine Professionalisierung der Armeen statt. In Europa ist der Wehrdienst in den skandinavischen Ländern, Estland, Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz, Griechenland und auf Zypern weiterhin verpflichtend, genauso wie in Moldawien, Weißrussland und Russland. Schweden, Serbien, Albanien und die Ukraine planen, diesen bald abzuschaffen. « Wenn man den Wehrdienst beendet hat, stellt sich die Frage: Und was jetzt ? Das in die Praxis umzusetzen, was man gelernt hat, und ins Ausland zu gehen, ist für viele die prompte Antwort auf diese Frage. Und das ist einfacher, wenn man jung ist », erzählt Tomi, « man hat noch keine Familie oder einen Job, die man stehen und liegen lassen müsste, und es ist auch einfacher, sich nach der Rückkehr wieder zu integrieren.» Was sind die Motivationen für einen Auslandseinsatz? « Als ich mich dafür entschieden habe, in den Kosovo zu gehen, hatte ich keine Ahnung, was ich studieren oder überhaupt mit meinem Leben anfangen soll: Ich wollte nur etwas Nützliches tun. Aber es gibt auch andere, die es des Geldes wegen machen. Man verdient nicht schlecht dabei. »

Im Krieg wie Rambo: Heranwachsende im Dienst an der Waffe

Ich weiß, dass sie, um die jungen Leute fürs Heer zu begeistern, in einigen Ländern das Leben eines Soldaten wie das von « Rambo » schildern!

Auch wenn in Großbritannien die Anzahl der Rekruten alles andere als rückläufig ist (etwa 20.000 pro Jahr), quittieren immer mehr Soldaten den Dienst an der Waffe. Das Rekrutierungspersonal, das oft Schulen in armseligen Vierteln aufsucht, wird beschuldigt, den jungen Leuten ein falsches und ruhmreiches Bild vom Krieg zu zeichnen. Das Vereinigte Königreich ist weiterhin das einzige europäische Land, das schon 16-Jährige in die Armee aufnimmt, während dem Child Soldiers Global Report von 2008 zufolge 2006 in Deutschland 906 Minderjährige Dienst an der Waffe leisteten. In Irland, Ungarn, Frankreich und Estland ist eine Aufnahme mit 17 Jahren möglich. « Ich weiß, dass sie, um die jungen Leute fürs Heer zu begeistern, in einigen Ländern das Leben eines Soldaten wie das von « Rambo » schildern, aber in Wirklichkeit ist es ziemlich langweilig », sagt Tomi. « Ich hätte absolut keine Lust, mit 17-Jährigen zu arbeiten, die meinen, sie seien in einem Videospiel ». Dennoch ist die finnische Kompanie im Kosovo die jüngste von allen: « Der Durchschnitt lag bei 22 bis 23 Jahren, so alt, wie ich auch bin, und deshalb nannten sie uns « Kindersoldaten ». Die Italiener, Franzosen und Spanier waren durchschnittlich älter, die Iren um die 25 Jahre, während die Schweden mehr oder weniger unserer Altersgruppe entsprachen »

Ist man denn wirklich an der Front?

Die Frage kommt natürlich: Muss man dort wirklich kämpfen? Die Einheiten zur Rekrutierung werben mit Karrierechancen und dem humanitären Wert des Einsatzes. In der Armee zu dienen, heißt nicht automatisch, auch kämpfen zu müssen. « Im Kosovo war die Lage im Frühling 2005 schwierig, aber als ich dort im November ankam, hatte sie sich beruhigt. Unsere Arbeit bestand hauptsächlich in der Überwachung, im Patrouillieren und im Check-Point. Wir haben auch ein paar Hausdurchsuchungen gemacht, aber die riskanteren Operationen wurden Spezialeinheiten anvertraut. Das hatte ich erwartet, denn in Finnland ist die Debatte ziemlich offen, und eigentlich weiß jeder, was dort vor sich geht.

Außerdem habe ich vor meiner Abreise zwei Wochen lang einen Vorbereitungskurs besucht, während dem wir auch vier Unterrichtseinheiten zur Lage im Kosovo hatten. Das war natürlich nicht viel, aber wir haben Material zum Nachlesen bekommen. Die beste Art, sich Informationen zu beschaffen, ist auf jeden Fall, mit denjenigen zu sprechen, die schon vor Ort waren, vielleicht bei einem Bier. Das Leben im Lager ist nicht wie im Fünf-Sterne-Hotel; lange Zeit von zu Hause weg zu sein, ist eine Erfahrung, auf die man sich nicht « vorbereiten » kann. Aber sobald man dort ist, gewöhnt man sich schnell ein », erzählt er weiter.

Ich habe auch mal nur drei Stunden an zwei Tagen geschlafen.

« Wir sind wie eine große Familie. » Die unterliegt aber genauen Regeln und einer strengen Organisation: « Einmal im Monat hatten wir die 'Woche der Schlagfertigkeit', während der die diensthabende Mannschaft im Bedarfsfall in drei Minuten einsatzbereit sein musste. Die Dienstpläne wurden organisiert, um uns wenigstens acht Stunden Schlaf zu ermöglichen, aber ich habe auch mal nur drei Stunden an zwei Tagen geschlafen. » Aber das Leben besteht nicht nur aus Arbeit. Die quasi studentische Atmosphäre kommt zum Vorschein, wenn er von seinen Kameraden und der Freizeit spricht, in der « man oft in das riesige amerikanische Lager ging, in dem es sogar einen Burger King gab. »

Tomi macht keinen Hehl aus seiner Meinung zur europäischen Friedensmission: « Wir haben versucht, mit den Leuten zu reden, um weniger bedrohlich zu erscheinen. Die Amerikaner dagegen waren immer bewaffnet, und da ist es verständlich, dass die Einwohner sich eingeschüchtert fühlen. Uns sind sie auf jeden Fall mit großer Freundlichkeit begegnet. Zu sehen, wie die Menschen unsere Präsenz schätzen, hat mir das Gefühl gegeben, etwas für die einheimische Bevölkerung zu tun. »