Jetzt ist Schluss! Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Artikel veröffentlicht am 26. November 2009
Artikel veröffentlicht am 26. November 2009
Gewalt gegen Frauen betrifft nicht mehr nur Randgruppen wie Arme oder Ungebildete, sondern die gesamte Gesellschaft. Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am Mittwoch reflektieren Medien die tief liegenden Ursachen der Aggressionen.

Le Monde: „Der Würdelosigkeit endlich entkommen“; Frankreich

Im Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen hat Frankreich eine neue Kampagne gestartet, was die Tageszeitung Le Monde begrüßt: "Die Regierung hat entschieden, dem 1972 [...] begonnenen Kampf für die Sicherheit der Frauen einen neuen Anstoß zu geben. [Der Ministerpräsident] François Fillon hat den Kampf zur 'nationalen Angelegenheit' für 2010 erklärt, was wiederum den Vereinen ermöglichen soll, ihre Botschaften kostenlos und flächendeckend zu verbreiten. Eine lobenswerte Entscheidung, die von weiteren Regierungsmaßnahmen begleitet wird [...]. In Spanien wurde bereits 2004 ein 'Verfassungsergänzungsgesetz gegen Geschlechter-Gewalt' nach einer Initiative der sozialistischen Regierung von José Luis Zapatero verabschiedet, das alle Aspekte dieser Gewalttaten in Betracht zieht [...]. Jenseits des Strafarsenals ist es aber wichtig, die Prävention weiterzuentwickeln, ebenso wie die Erziehung und die Solidarität: um endlich der Würdelosigkeit zu entkommen."

(Artikel vom 25.11.2009)

Večer: „Eines der ersten Länder in Europa, das ein Gesetz zur Vermeidung von Gewalt verabschiedete“; Slowenien

Anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen treibt die Tageszeitung Večer die slowenischen Richter an, sich an die Gesetze zu halten: "Es ist ermutigend, dass immer weniger Frauen Angst davor haben, Gewalt zu melden, und sich nicht dafür schämen. [...] Doch umso unverständlicher ist, dass gerade diejenigen wegschauen, die gegen Gewalt eingreifen müssten. Auf der Anklagebank befinden sich deshalb Sozialarbeiter und Richter, die bei der Verhinderung von Gewalt innerhalb von Familien zu oft schlechtere Arbeit leisten als die Polizei. Es reicht nicht aus, dass Slowenien vor anderthalb Jahren als eines der ersten Länder in Europa ein Gesetz zur Vermeidung von Gewalt in Familien bekommen hat, womit wir gerne angeben. Es ist höchste Zeit das Gesetz auch anzuwenden. Es wäre gut, wenn auch andere Minister dem Beispiel unserer Innenministerin Katarina Kresal folgen und hier und da ihren Mitarbeitern sagen würden, dass es bei uns keine Toleranz gegenüber Gewalt gibt, wie man den Opfern hilft und wie gegen die Gewalttäter vorzugehen ist."

(Artikel vom 26.11.2009)

Público: „Symbolische Abwertung der Frau führte im Laufe der Geschichte zu einem Status der Unterordnung“; Spanien

Die Wurzeln der Gewalt gegen Frauen reichen tief hinab in die Kultur, schreibt die Friedensforscherin Carmen Magallón in der linken Tageszeitung Público. Sie erklärt die Ursachen mit der Theorie des Soziologen Johan Galtung: "Das Modell von Galtung lässt die kausalen Bewegungen leichter verstehen, die sich zwischen den drei Gewaltformen abspielen. Diese Bewegungen verlaufen in alle Richtungen, aber vor allem von der kulturellen über die strukturelle zur direkten Gewalt. Die symbolische Abwertung der Frau (kulturelle Gewalt) führte im Laufe der Geschichte zu einem Status der Unterordnung und der Ausgrenzung (strukturelle Gewalt) und dieser Ausschluss und der Mangel an Macht unterstützt den Prozess, zu einem Objekt körperlicher Misshandlung zu werden (direkte Gewalt). Die Langsamkeit des Fortschritts [im Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen] erklärt sich aus der tief liegenden symbolisch-kulturellen Hauptwurzel dieser Gewalt."

(Artikel vom 26.11.2009)