Italienische Pferdestärken

Artikel veröffentlicht am 25. August 2010
Artikel veröffentlicht am 25. August 2010
Einer August-Umfrage zufolge stirbt der Mythos: Italienische Männer werden zu „weiblich“. Während wir uns von alten Klischees verabschieden, hier ein kleiner filmischer Tribut an unseren italienischen Lieblings-Action-Star Sylvester Stallone. Letztendlich halten sich sexuelle Stereotypen nämlich doch hartnäckig auf der großen Leinwand.

Sylvester Stallone ist der berühmteste Italian stallion ('italienische Hengst') des Kinos, wie die anglophone Welt zu rassigen Mannsbildern zu sagen pflegt. Seinen Spitznamen hat er seit seiner Rolle als Boxer in der Rocky-Reihe weg. Sly, dessen Vater italienische Wurzeln hat, wäre dem Spitznamen selbst dann nicht entkommen, wenn er keinen einzigen Rocky-Film gedreht hätte.

In Italien bedeutet stallone ('Hengst') „unkastriertes männliches Pferd“. Der Spitzname tauchte dann später als Titel eines Pornofilms wieder auf, in dem Stallone zu Beginn seiner Karriere in den 1970ern mitwirkte. Arnold Schwarzenegger, sein Co-Star in der neuen Vintage-Muskelprotz-Verfilmung The Expendables (Die Verzichtbaren, Kinostart 26. August 2010), spielte im gleichen Jahr die Rolle des griechischen Halbgottes Herkules.

Rockys Vorname „Balboa“ kommt allerdings aus dem Spanischen: In Spanien gibt es keine Übersetzung des Italian stallion, denn der Begriff Latin Lover (bitte mit spanischem Akzent aussprechen) umspannt das ganze Konzept. Auf europäischem Boden behauptet Italiens berühmtester Pornostar Rocco Siffredi seinen Titel als Bildschirm-Zuchthengst. In einige europäische Sprachen wurd der Italian Stallion auch in direkter Übersetzung übernommen, so zum Beispiel im Polnischen (włoski ogier).

Historisch gesehen war der bekannteste italienische Hengst Giacomo Casanova, ein italienischer Autor des 18. Jahrhunderts, berühmt für seine Verführungskünste. Mit dem Kinostart von Gainsbourg, einer Biographie des französischen Chansonniers Serge, übernimmt in Großbritannien momentan ein französischer Liebhaber die Leinwände. Eine Kritik im Daily Telegraph beschreibt ihn als Charmeur louche (zwielichtig) und „lasterhaften Casanova“.

Am Besten, man begibt sich über die Grenze und wird belgisch, wie die muscles from Brussels („Die Muskeln von Brüssel“) selbst, Jean-Claude Van Damme. Dieser hatte jedoch einen Gastauftritt in The Expendables abgelehnt, die Rolle sei ihm nicht tiefgründig genug gewesen. Bleibt die Frage, ob der Zuschauer so eine geballte Ladung „Pferdestärke“ ertragen kann.