Israelische und deutsche Kunst zwischen Performance und Geografie: Die Ausstellung "Conditions of Political Geography" im Center for Contemporary Art in Tel Aviv

Artikel veröffentlicht am 11. Januar 2017
Artikel veröffentlicht am 11. Januar 2017

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Vom 17. November 2016 bis 7. Januar 2017 bestätigt die Ausstellung Conditions of Political Geography den post-biennalen Zustand der zeitgenössischen Kunst, indem sie mit zahlreichen Künstlern und Standorten in Tel Aviv und Berlin den Deutsch-Israelischen Beziehungen eine von der Kunst vermittelte Plattform bietet.

Die Ausstellung geht einer Reihe von Veranstaltungen voraus, welche dem 50-jährigen Jubiläum der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen Deutschlands und Israels gewidmet sind. Gleichzeitig dekonstruiert sie auch konventionelle Bezeichnungen wie Ausstellungsräume, künstlerischen Methoden und Kunstwertschätzung, in einem Versuch ortsbezogene Interventionen in politisch und geografisch aufgeladene Kontexte zu setzen. 

Das Center for Contemporary Art Tel Aviv ruft Kunst also als ein heterotopisches Phänomen aus, indem der ursprüngliche Ausstellungsraum überlagert wird und die Zuschauer sich um ein erhöhtes Sitzgebilde schlängeln, mit Kunstinstallationen, mit einem Projektionsbildschirm, mit einem Lesebereich in der 2. Etage der Gallerie. Obwohl es keine eigene wissenschaftliche Begleitpublikation gibt ist diese Ausstellung ein Produkt von gründlichen Reflexionen zum Israelisch-Palästinensischen Konflikt, zu den Nachwirkungen des Holocaust und zum Israelisch-deutschen Kulturaustausch.  Dieses künstlerische Projekt, konzipiert vom Israeli Center for Contemporary Art gemeinsam mit dem Neuen Berliner Kunstverein, einem Berliner Künstlerverbund, verbindet wissenschaftliche Forschung mit künstlerischer Ausarbeitung als Teil der Bestrebung  über das Format der Gruppenausstellung hinauszugehen, hin zur künstlerischen Intervention im jeweiligen lokal-urbanen Zusammenhang.

Aus diesem Grund hat Markus Miessen, Autor, Architekt und Designer der Ausstellung, den Schwerpunkt auf den Prozess der Kunst als Raumaktion gelegt, so wie in "Tashlikh", einer performativen Arbeit der israelischen Künstlerin Yael Bartana, welche sich mit Themen wie dem Genozid der Armenier, dem Holocaust und den ethnischen Reinigungen in Sudan und Eritrea auseinandersetzt und an verschidenen Orten in Berlin vom 5.-7. Januar zu sehen ist. Diese heterotopische Ausstellung eröffnet also den Raum für einen Dialog zwischen unterschiedlichen historischen Geographien des Terrors, Genozids und der Erinnerung, als eine virtuelle Plattform für eine kunstvermittelte Reflexion über die Wechselbeziehungem zwischen Unterdrückung und Opferrolle, welche nicht nur Gedenken und Bewältigung benötigen, sondern auch das Austesten von Grenzen der Geschichtsschreibung, welche diese Phänomene abkapseln will. Da zur Zeit die Überwindung von Nationalgeschichte, geographischer Eingrenzung und erzwungener Umsiedlung (als Themen die sowohl Schatten auf die deutsch-isrealischen Beziehungen werfen, als auch die Titelblätter der letzten Jahre beherrschen) nicht abzusehen ist, haben die Fragen, welche diese Ausstellung, im Zusammenhang mit den überlappenden geographischen und politischen Beschaffenheiten und wie diese untersucht werden können, aufwirft, einen Widerhall, der über den Ausstellungsraum hinausgeht.

Dies hat Marcus Babias, Sergio Edelsztein, Sophie Goltz und Chen Tamir, Mitglieder des deutsch-israelischen Kuratorenteams, welches das Projekt ins Leben gerufen hat, dazu bewegt Erinnerungsstrategien, Architekturformen und historische Landschaften als Kulisse für ihre Erkundung der verwandten künstlerischen Praktiken zu nutzen und erforschen. Markus Miessens Ausstellungsgestaltung problematisiert also den Ausstellungsraum, indem er die Besucher dazu zwingt ihre Orientierung in der komplexen Struktur zu verlieren, während sie sich im künstlerischen Raum als ein physisches Gebilde neu aufstellen lassen. Ebenso fördern Maya Elrans Diskussionen vor Ort über Autorität, Macht und Interpellation die performative Tätigkeit der Ausstellungsbesucher.

Als Teil einer fortlaufenden Serie von Kunstveranstaltungen erforschen Noa Zuk und Ohad Fishof das Zusammenwirken von ethnograpfischer Fiktion, ausdrucksstarken Medien und Tanzperformances. Im Gegensatz dazu untersucht Yochai Avrahami in seiner Ausstellung den historischen Hintergrund der israelischen Landwirtschaft, von den frühen zionistischen Siedlungen bis zur israelischen Teilnahme an Weltausstellungen in den letzten Jahrzehnten. Während sich Noam Enbar und Yonatan Levy dem Kontext der Ausstellung über rituelle Darbietungen annähern, betont Michal Helfman die banalen Wiederholungen des Alltags. Ebenso inszeniert Adam Linder die künstlerische Arbeit als eine Teilzeitbeschäftigung eines Hausmeisters. Im Gegenzug entdeckt Antje Majewski historische, kulturelle und sprachliche Verbindungen zwischen mit Israel und Palästina verknüpften Gruppen. In gleicher Weise beleuchtet Susanne M. Winterling refkliert einige Instrumentalisierungen geografischer Landschaften.