Islands Haifisch-Spezialität Hákarl: Da ist doch was faul!

Artikel veröffentlicht am 23. September 2011
Artikel veröffentlicht am 23. September 2011
Hákarl - der Name dieses traditionellen Gerichts aus fermentiertem Haifleisch bedeutet übersetzt so viel wie "verfaulter" Hai. Obwohl einige Isländer das Gericht essen, denken jedoch viele, es sei ekelerregend und daher eine passende und amüsante Touristenattraktion . Touristen - besonders diejenigen, die eine geschmackliche Vorstellung vom "wahren Island" bekommen wollen - stimmen dem nur zu.

Ähnlich dem kiviaq (verfaulter Auk [Meeresvogel; Anmerkung der Übersetzerin] im Seehundfell gereift), das von Grönlands Inuit hergestellt wird, ist hákarl ein traditionell isländisches Gericht. Es entsteht, wenn Riesenhaie über Monate der Fermentierung ausgesetzt werden bis die im Fleisch enthaltenen, natürlichen Gifte verronnen sind. Das Fleisch bekommt einen intensiven Ammoniakgeschmack und riecht stark verfault. Es gibt zwei Sorten hákarl: roter hákarl, welcher aus dem Bauchbereich stammt und den skyr, was so viel bedeutet wie „Joghurt“ und somit bereits eine Vorstellung von der Konsistenz und Ursprung des Fleisches gibt.

Anscheinend finden einige Besucher - hauptsächlich abgehärtete Leute aus den Alpen - hákarl sei vergleichbar mit richtig, richtig altem, süßem Käse. Andere Leute hingegen finden das Fleisch einfach nur widerlich. Ein unbedachter Verkoster hier auf Island sagt, es sei, als „esse man die fauligen, schwarzen Zehen eines lang verstorbenen Polarforschers, welche aufgetaut für ein paar Tage in einem Heizer vergessen wurden“. Die meisten Leute sind sich einig, dass es – wohl vorhersehbar – nach vergammeltem Fleisch schmeckt. Aber erst die geschmackliche Explosion des Ammoniaks, wenn man das Fleisch herunterschluckt, macht es so besonders scheußlich. Falls man unbedingt vermeiden will das Zeug zu essen, sollte man wahrscheinlich besser nicht die Bjarnarhöfn Farm auf der ansonsten wunderschönen Snaefellsnes Halbinsel im Westen Islands besuchen. Der Hof, der „seit AD 866“ existiert, ist das Epizentrum der isländischen Hákarlproduktion und ist erschreckend gut zu erreichen - in einem Tagesausflug von Reykjavik aus.

Zahnstocherhäppchen

Wir lassen das Bild lieber in Kleinformat, schließlich wollen wir das Frühstück von heute morgen bei uns behalten.Leider gibt es hárkarl auch überall sonst. Es wird beworben mit dem wagemütigem Spruch „wenn du dich traust“ und kann sowohl von stinkigen Lebensmittelwagen als auch vakuumverpackt in Souvenirläden gekauft werden. Man kann es auch preiswerter im Supermarkt erhalten, jedoch ist diese Information nur hilfreich, wenn man plant, es beim Weihnachtsessen zu servieren, um den Tod der reichen, älteren Verwandtschaft zu beschleunigen.

Für den leichtfertigeren Verkoster gibt es wohl auch die Möglichkeit, das Fleisch kostenlos zu probieren, so z.B. in Hotelrestaurants und Touristengeschäften. Lebensmittelverkäufer reichen auch oft gallertarige, kleine, weiße Pasten mit Zahnstochern herum, die für jeden normalen Menschen bereits eine ausreichende Portion sind. Aber gerade wenn man sich selbst ein klein wenig übergibt, sollte man sich vergewissern, dass dies ein 'reicher' kultureller Moment im „wahren“ Island ist. Vielleicht ist es aber auch einfach nur ein freundlicher Gefallen, den man den Isländern tun möchte. Schließlich könnte es in einigen Teilen Islands für die Einheimischen die einzige Art von Unterhaltung sein, Touristen beim Grimassen machen und Würgen zuzusehen.

Rezept für Hákarl

Tu es nicht. Tu es einfach nicht. Die meisten Rezepte fangen mit dem folgendem Hinweis an: „Probier es nicht zu Hause aus, außer du weißt, wie das Produkt am Ende schmecken soll. Obwohl ausgehärteter Hai verfault und praktisch bereits verdorben ist, kann das Fleisch schlecht werden und zu einer Lebensmittelvergiftung führen.“ Und wie das schmeckt, will man wirklich nicht wissen, oder?

Illustrationen: Homepage (cc)magic_bee/bri-lance.net/; hakarl Würfel (cc)moohaha; hakarl im Supermarkt (cc)just.in/burnsuburbia.com/; Getrockneter Haifisch (cc)Funky Tee; Bild (cc)giveawayboy/ alles flickr