Island in der EU: "Ja, aber zu unseren Bedingungen"

Artikel veröffentlicht am 28. Juli 2010
Artikel veröffentlicht am 28. Juli 2010

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Am 26. Juli 2010 haben die offiziellen Verhandlungen über einen möglichen EU-Beitritt Islands begonnen. In einem Pub in Reykjavik diskutieren drei junge Isländer die Alternative. Mit weniger als 10 % Wachstum legen sie aber keinen „Euro-Enthusiasmus“ an den Tag, sondern Pragmatismus.

„Erst wollen wir das Abkommen sehen, danach werden wir entscheiden.“ Es ist 22 Uhr. Aus der ersten Etage eines Pubs im Zentrum von Reykjavik kann man noch die untergehende Sonne sehen. Stefan, Vifill und Stefan Rafu sind Freunde im Alter von 18 bis 19 Jahren. Stefan Rafu ist Mitglied eines Verbands, der zum European Youth Forum gehört, einer NGO, die hier die Ansichten der gesamten europäischen Jugend zusammenfasst.

Ist die EU einen Lachs wert?

Zunächst wollen wir sehen, welches die konkreten Gewinne für Island sein werden!

Die Jungen sind der Beweis für einen für ihr Alter äußerst ungewöhnlichen Pragmatismus. Stefan, ein pummeliger Gymnasiast mit unreiner Haut, erklärt: „Zunächst muss ich sehen, welches die konkreten Gewinne für Island sein werden - und natürlich auch für die EU. Aber ich bin eher dagegen. Wir Isländer befürchten, die Kontrolle über unseren Fischfang zu verlieren. Dieser Sektor machte im Jahr 2007 28% des heimischen Exports aus.“

Stefan Rafu, Generalsekretär eines Verbands von Gymnasiasten und künftigen Studenten der Politikwissenschaft, ist für den Beitritt. Aber wenn von der EU die Rede ist, leuchten seine blauen Augen nicht: „Auch ich kann mich nicht endgültig dafür aussprechen, bevor ich nicht das Abkommen mit meinen eigenen Augen gesehen habe. Aber von vornherein befürworte ich es eher, denn Brüssel hat bereits die kleinen Länder begünstigt.“

Das Problem bestehe eher darin, wer im Europäischen Parlament die kleinen begünstigt: Hier berücksichtigt man die Erben Altiero Spinellis und seine föderalistischen Unterstützer überhaupt nicht. Die Politik und das europäische Projekt zählen nicht. „Ich denke an Malta, das auch eine von der Fischerei abhängige Insel ist, und das einen guten Kompromiss mit der EU in diesem Bereich erlangt hat. Aber ich denke auch an die Tatsache, dass Brüssel den nordischen Ländern mehr landwirtschaftliche Subventionen gibt.“ Alles in allem ähnelt der Junge mehr einem Wirtschaftsexperten als einem zukünftigen Studenten der Politikwissenschaften.

Ein Beitritt im Schatten der Krise

Die Krise zunächst allein lösen, um dann stärker am Verhandlungstisch mit der EU aufzutreten.

Aber warum dieses Interesse - und das muss einmal gefragt werden - für die EU? Etwa wegen der Krise und der Rezession eines Landes, das für dieses Jahr ein geschätztes Wachstum von unter 10% verzeichnet? „Ich bin skeptisch“, wiederholt Stefan, „in Wirklichkeit müsste man zuerst allein diese Krise lösen, um dann stärker am Verhandlungstisch mit der EU aufzutreten, sofern man wirklich dorthin gehen sollte. Wir können es schaffen. Wir importieren schließlich nicht so viele Produkte aus dem Ausland.“

Der proeuropäische Stefan Rafu verzieht das Gesicht - und mit ihm eine öffentliche Meinung, die im Februar 2009 nach zwanzig Jahren die sozialdemokratische Allianz von Johanna Sigurdardottir an die Macht zurückgebracht hat. Diese Allianz hat gerade auf der Basis eines eventuellen EU-Beitritts als Heilmittel gegen die Krise ausgerichteten Programms die Wahlen gewonnen. Aber woher kommt eigentlich dieses ganze „Europäertum“? Gab es schon zuvor Pro-Beitritt-Stimmen? „Es gab wenige Anhänger.“ Sieh da! „Verstehst du“, erklärt Vifill, Informatikstudent mit blondem Schopf, „viele Unternehmen sagen heute ‘wenn Island nicht der EU beitritt, dann tun wir es eben.“ Und es stimmt, dass die Währungsunbeständigkeit der Krone für das Land untragbar wird.

Aber fühlen sich diese Jugendlichen als Europäer? „Natürlich“, erklärt der euroskeptische Stefan. „Zum Beispiel haben wir viele Gemeinsamkeiten mit den anderen nordischen Ländern - wenn du bedenkst, dass wir ab 10 Jahren Dänisch in der Schule lernen.“

Stefan sagt uns anschließend: „Island ist eher europäisch als nordamerikanisch, denn es ist gegenüber Alkohol, Sex und Laizität liberal eingestellt.“ Johanna Sigurdardottir, die neue Premierministerin, ist die erste Regierungschefin der Moderne, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennt. Dennoch sollte man (auch) nicht vergessen, dass das Luthertum die staatliche Kirche ist. Und Stefan Rafu, fühlt er sich eher als Europäer oder als Isländer? „Mehr isländisch, das ist klar. Was für eine Frage!“

(Dieser Artikel wurde ursprünglich am 6. Juli 2009 veröffentlicht)

Foto: ©Elmer Fishpaw/flickr