Isak Gerson, Gründer der Kirche der Kopimisten: Filesharing ist kein Diebstahl

Artikel veröffentlicht am 3. Februar 2012
Artikel veröffentlicht am 3. Februar 2012
‘Wir glauben an keinen Gott’, sagt Isak Gerson. Trotzdem hat der 20-jährige Philosophiestudent aus Schweden eine eigene Religion gegründet: Die missionarische Kirche der Kopimisten. Das Wort „Kopimist“ setzt sich zusammen aus dem englischen „copy“ und „me“. Eine Kirche ohne Hierarchie – aber mit 6000 Followern. Sie rufen dazu auf, Files aller Art online zu stellen und zu teilen.

cafebabel.com: Du hast die Missionarische Kirche des Kopimismus gegründet – wie kamst du auf die Idee?

Isak Gerson: Es war nicht wirklich meine Idee. Der Begriff wanderte schon eine Weile durch die Foren. Ich bin erst später dazugestoßen.

cafebabel.com: In einem Interview mit der Times Journalistin Ruth Gledhill fiel der Satz: ‘Ich stehle nichts. Ich teile nur. So wie Jesus es mit dem Brot und dem Fisch getan hat.’ Siehst du dich als Retter der kopimistischen Kirche?

Isak Gerson: Nein, ich bin nur für eine gewisse Dauer gewählt worden. Ich bin kein Prophet und auch kein Heiliger.

cafebabel.com: Die Tastenkombination ‘Ctrl+ c’ und ‘Ctrl+v’ gelten unter Kopimisten als heilig. Wie huldigt ihr diesen Symbolen?

Isak Gerson: Naja, wir tippen sie. Das genügt, damit sie heilig sind.

cafebabel.com: Du sagst: Wissen sollte für jeden zugänglich sein. Welche Files sollten die Menschen kopieren, damit das geschieht?

Isak Gerson: Na einfach alles. Es geht darum, Wissen weiterzugeben. Was, ist ganz egal.

cafebabel.com: Was tut ihr, um die Kirche am Leben zu halten? Betet ihr? Oder sammelt ihr Spenden?

Isak Gerson: Nicht wirklich. Die Teilnahme ist freiwillig. Meistens treffen wir uns, um Files zu tauschen. Und wir ermutigen andere, immer weiter zu kopieren.

cafebabel.com: Wie rekrutiert ihr eure Anhänger? Habt ihr eine Strategie?

Isak Gerson: Nein. Wir kopieren einfach immer weiter.

cafebabel.com: Wie setzt du dich für die Freiheit des Webs ein?

Isak Gerson: Die Freiheit im Netz ist uns wichtig. Aber, ehrlich gesagt, reden wir nicht viel darüber. Ob Filesharing legal ist oder nicht, kümmert uns nicht. Gesetze sind uns egal – wir ignorieren sie einfach.

cafebabel.com: Ihr würdet am liebsten jede Art von Urheberrecht abschaffen. Können Autoren, die vom Verkauf ihrer Werke leben, Mitglied der kopimistischen Kirche werden?

Isak Gerson: Ich sehe da kein Problem. Wir betrachten Filesharing ja nicht als Diebstahl. Ich zum Beispiel schreibe, weil ich möchte, dass möglichst viele Leute das lesen.

cafebabel.com: Hast du keine Angst im Gefängnis zu landen, weil du ständig gegen das Gesetz verstößt?

Isak Gerson: Das ist es wert. Und das Risiko ist nicht besonders hoch.

cafebabel.com: Und was macht das Oberhaupt der kopimistischen Kirche in seiner Freizeit?

Isak Gerson: Ich bin zwanzig Jahre alt und im dritten Jahr meines Philosophiestudiums. Nebenbei helfe ich in meinem Lieblingscafé aus oder koche vegan.

(Illustrationen: Screenshot+ Video (cc) diogenesgroup/ Youtube)