Iran: Der Fall Maryam Monfared 

Artikel veröffentlicht am 20. November 2016
Artikel veröffentlicht am 20. November 2016

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Der politischen Gefangenen Maryam Akbari Monfared wird jeglicher Besuch von ihren Kindern und ihrer Familie untersagt. Ihr wird vorgeworfen, ein Gerichtsverfahren gegen die Täter der 1988 im Iran begangenen Massenhinrichtungen zu fordern.

Ein flagrantes Unrecht

Maryam hat nichts weiter getan, als einen Brief zu veröffentlichen, in dem sie um  Erklärungen für das 1988 an ihren Familienmitgliedern begangene Massaker sowie um eine offizielle Untersuchung der Ereignisse bittet. Sie möchte die Identität der Täter kennen und den Ort, wo die Opfer begraben sind. 

In ihrem Brief erklärt sie: „Drei meiner Brüder und eine meiner Schwestern wurden in den 80er Jahren hingerichtet ... Mein jüngster Bruder Abdolreza war 17 Jahre alt, als er verhaftet wurde, weil er Dokumentationsmaterial über die Volksmudschahedin verkauft hatte. Er wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nachdem er seine Haftstrafe verbüßt hatte, verweigerten ihm die Behörden jahrelang die Freilassung, und 1988 wurde er hingerichtet ... Mein anderer Bruder Alireza wurde am 8. September 1981 festgenommen, verurteilt und 10 Tage später hingerichtet ... Während der siebten Trauernacht für meinen Bruder Alireza stürmten Sicherheitskräfte unser Haus und verhafteten einige der Gäste sowie meine Mutter und meine Schwester Roghieh. Meine Mutter wurde nach fünf Monaten freigelassen, meine Schwester jedoch zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Sie wurde im August 1988 hingerichtet, ein Jahr vor dem Ende ihrer Haftstrafe.

Verweigerung medizinischer Behandlungen

Maryam wird nicht nur Besuch untersagt, ihr wird auch der Zugang zu medizinischer Behandlung verweigert. Die iranischen Behörden lehnten es ab, sie zu ihren Arztterminen zu fahren, um ihre rheumatoide Arthritis und ihre Schilddrüsenerkrankung zu behandeln. Nach Aussage der Staatsanwaltschaft des Evin-Gefängnisses seien diese Termine abgesagt worden, weil sie zu „unverschämt“ geworden sei. Ihre Schwester Reza bittet die UNO, sich angesichts all dieser Ungerechtigkeiten des Falles anzunehmen.

Eine politische Gefangene wird von Kriminellen als „kriminell“ betrachtet

Der Brief hat Maryam die Wut der Staatsanwaltschaft von Teheran eingebracht, welche sofort die Besuche von ihrem Mann und ihren Kindern verboten hat, deren Worten zufolge auf einen Befehl „von oben“ hin. Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft antwortete der Familie zudem Folgendes: „Was will sie wissen? Diejenigen, die ihren Bruder und ihre Schwester hingerichtet haben, sind heute tot oder zu alt, und ihr Bruder und ihre Schwester sind wahrscheinlich auf dem Friedhof von Khavaran begraben.“ Er drohte ihrer Familie ebenfalls mit der Behauptung, dass die von Maryam erhobenen Anklagen ihre Situation nur verschlimmern und einen Freigang oder eine Entlassung verhindern werden.

Eine zweifelhafte Verurteilung

Maryam wurde 2009 wegen ihrer Zugehörigkeit zur verbotenen Oppositionsgruppe der Volksmudschahedin (PMOI – People's Mojahedin Organization of Iran) verhaftet. Fünf Monate lang wusste ihre Familie nichts über ihren Verbleib und ihr Schicksal. 2010 wurde sie vom Teheraner Revolutionsgericht zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Dieses berief sich darauf, dass sie mit ihren Geschwistern, die Mitglied der PMOI waren, telefonierte und diese besuchte. Die folgenden 43 Tage verbrachte sie in Isolationshaft und wurde intensiven Befragungen ausgesetzt, ohne die Möglichkeit, einen Anwalt hinzuzuziehen. Zahlreiche von ihr gestellte Berufungsanträge wurden ohne Erklärungen abgewiesen. 

Unterstützung von den anderen Gefangenen

Einige politische Gefangene des Gohardasht-Gefängnisses, im Westen von Teheran, haben einen offenen Brief veröffentlicht, um Maryam Akbari Monfared und den Prozeß für die Familien der Opfer der Massenhinrichtungen im Iran 1988 zu unterstützen. Sie verurteilen zudem den von den Verantwortlichen der Haftanstalt ausgeübten Druck. Hier ein Auszug des Briefes: „Am vergangenen Mittwoch haben wir erfahren, dass sich die politische Gefangene Maryam Akbari Monfared seit einiger Zeit in Isolationshaft befindet. Drei Brüder und eine Schwester von Maryam sind in den 80er Jahren hingerichtet worden, zwei von ihnen während des im Sommer 1988 an politischen Gefangenen begangenen Massakers. Nun wird der von Maryam in ihren Briefen geforderte Prozeß von dem Regime als ein Verbrechen betrachtet. Das korrupte Regime hat, aus Furcht vor diesen Briefen, auf die Ausübung von psychischen Druck und das Ausstoßen von Drohungen gegen sie zurückgegriffen. Auf Anordnung von ranghohen Staatsanwälten wurden ihr wöchentliches Telefongespräch sowie die Besuche von ihrem Ehemann und ihren Kindern bis auf Weiteres ausgesetzt. Mit diesem Vorgehen quält das Regime nicht nur sie, sondern fügt auch ihrem Ehemann und ihren Kindern Leid und psychische Qualen zu.“