Irak – Wo ist Europa?

Artikel veröffentlicht am 1. Dezember 2003
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Artikel veröffentlicht am 1. Dezember 2003

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Die letzten Attentate aus Bagdad und Falluja zeigen es. Die Europäische Union muss sich mit Washington zusammentun, um den Nahen Osten zu stabilisieren.

Die Situation im von Saddam befreiten Irak hält für die Amerikaner immer noch Überraschungen bereit. Eine schöne Überraschung war es, endlich die Einwilligung der UNO zu einem politischen Übergang in Bagdad zu erzielen. Aber eine böse Überraschung ist es, wie von Colin Powell öffentlich erklärt, einem Frieden gegenüberzustehen, der sich viel schwieriger gestaltet, als man gedacht hatte.

Vor allem nach dem schwarzen Montag, der 40 Todesopfer forderte, ist die Weigerung der Europäischen Union, sich am wirtschaftlichen und politischen Wiederaufbau des arabischen Landes zu beteiligen eine, nicht sehr unerwartete, Überraschung.

Ein weiteres Mal verdecken Dualismus, Gleichgewicht oder Antagonismus – wie immer man es auch nennen will - zwischen der amerikanischen Macht und den europäischen „Mächten“ ein politisches Déja-vu: Man ahmt das irrationale Schema der Kolonialkämpfe zwischen den alten europäischen Mächten nach.

Es handelt sich um eine intellektuelle, politische und geistige Haltung, die unter anderem die Erklärungen und Hoffnungen von 40 arabischen Wissenschaftlern vergisst, die im Namen der UNO den „Arabischen Entwicklungsbericht“ verfasst haben, der – unbeachtet von Diplomaten und so genannten Experten aus aller Welt – den politischen und wirtschaftlichen Rückstand der Regime, die das Leben hunderter Millionen von Frauen und Männern unter dem Goldenen Halbmond bedrücken, zeigt.

Ein blindes und altkolonialistisches Europa

Angesichts der politischen und wirtschaftlichen europäischen Interessen im Nahen Osten handelt es sich um eine kurzsichtige Politik. Wenn man den Irak befriedet und demokratisiert, bedeutet das, den Knoten, in dem sich alle Dramen des Nahen Ostens verwickeln, aufzulösen und so zum israelisch-palästinensischen Konflikt vordringen zu können. Den Nahen Osten auf dieser Basis zu stabilisieren, heißt den Grundstein für einen wahren gemeinsamen euro-mediterranen Raum zu legen. Denn schließlich werden Europa und die ganze arabische Welt die ersten Nutznießer sein, wenn die Amerikaner den Frieden gewinnen.

Wenn man wählen müsste, einigt man sich dann darauf, zu mehr Stabilität und Wachstum einer möglichen Demokratie vor der eigenen Haustür oder in den Wüsten der Hochebenen um Kabul beizutragen, so wie es Roberto Foa vor zwei Wochen in dieser Kolumne empfahl?

Es ist an der Zeit, dass sich die Irak-Debatte von ihren überheblichen diplomatischen Disputen und Klagerufen befreit und sich den Bedürfnissen des irakischen Volkes stellt. Die Sicherheit muss sich im Nahen Osten ausbreiten und auf den für Europa immer bedrohlicher werdenden Terrorismus muss eine wirksame Antwort gefunden werden. Die Vereinigten Staaten haben die Mittel und die Möglichkeit den Frieden zu gewinnen, so wie sie den Krieg gewonnen haben.

Nun ist es an Europa, sich zu entscheiden, ob man sich zurück auf den Weg der Geschichte begeben will - und somit zur Zukunft zurückkehrt.