IRA – die Mafia von Nordirland

Artikel veröffentlicht am 16. Januar 2006
Artikel veröffentlicht am 16. Januar 2006

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In Nordirland hat die IRA die Waffen niedergelegt. Doch inzwischen hat sie sich in eine Mafia verwandelt, die den Frieden bedroht.

Der islamische Terrorismus ist nicht der einzige Terrorismus, der Europa mit Blut befleckt. Die Gefahr, die seit über vierzig Jahren von Nordirland ausgeht, darf nicht vergessen werden. Der Terrorismus dort will den Gruppen, die für Unabhängigkeit kämpfen, eine Stimme geben. Dies geschieht über Blutbäder, die den Traum eines geeinten Europas ins Straucheln bringen. Und auch wenn die IRA in letzter Zeit immer weniger von sich hören lässt, ist sie immer noch zu fürchten. In der Tat hat sie in der letzten Zeit nur ihr Portefeuille geändert.

IRA und Sinn Féin

Die Irish Republican Army (IRA) ist eine der langlebigsten terroristischen Vereinigungen Europas. Ihr Kampf für die Unabhängigkeit Nordirlands von Großbritannien geht zurück auf die 1920er Jahre, auch wenn ihre Blutbäder „erst“ seit den 1970ern die ersten Seiten der Zeitungen füllen. Am 28. Juli 2005, nach siebenjährigen harten Verhandlungen mit London und Dublin, teilte die IRA das Ende ihres bewaffneten Kampfes gegen London mit und akzeptierte eine Entwaffnung. Der Friedensprozess war durch das so genannte Karfreitagsabkommen, das 1998 unterschrieben wurde, eingeleitet worden. Dank des Abkommens gab sich Nordirland halbautonome politische Strukturen, wie eine lokale Regierung und Parlament, in denen die auseinander gerissenen Verbindungen zwischen der katholischen und protestantischen Bevölkerung wieder repariert werden sollten.

Diese Prozesse sind mit dem Vorgehen von Sinn Féin („Wir selbst“) verbunden. Sie ist der ehemalige politische Arm der IRA, hat sich aber im Laufe von zwanzig Jahren von dieser emanzipiert und sie am Ende weitgehend zu Gehorsam gebracht. Vertreter der Partei sitzen heute sowohl im nordirischen Parlament als auch in jenem von Dublin. Diese Wende in den Kräfteverhältnissen dreht sich um den doppelgesichtigen Führer der Sinn Féin, Gerry Adams. Er ist Ex-Mitglied der IRA – auch wenn er es leugnet – und seit 1983 am Steuer der Sinn Féin. Adams arbeitet weiter für die Unabhängigkeit von Großbritannien und die Vereinigung mit Irland. Sein Ziel aber scheint weit entfernt zu sein: Ein Teil der katholischen Nordiren hat nichts gegen die Beziehungen zu London einzuwenden, doch die Protestanten sträuben sich natürlich gegen die Trennung von Großbritannien.

Sizilien ohne Sonne im Norden

In der Zwischenzeit gibt es zahlreiche Brüche unter den bewaffneten Gruppen. Die Aktivitäten der IRA und ihrer protestantischer Gegenparts sind zwar weniger blutrünstig, dafür aber nicht weniger verwerflich. Geldwäsche, Rauschgifthandel, Überfälle, Schmuggel, Immobilienspekulationen und Morde gehören mittlerweile zum Arbeitsalltag. 2004 überfielen IRA-Mitglieder die Northern Bank in Belfast. Sie erbeuteten 38 Millionen Euro, die höchste Summe, die jemals aus einem europäischen Tresor gestohlen wurde. Es handelt sich um eine immer mächtiger werdende Mafia, die Nordirland den Namen „Sizilien ohne Sonne“ eingebracht hat. Die Rechnung bezahlt, wie schon zu Zeiten des bewaffneten Kampfes, die Mehrheit der protestantischen und katholischen Bürger. Sie hassen den Terrorismus seit langem und werden nun von diesem neuen Übel bedroht.

Und Gerry Adams? Die Opfer der neuen Mafia beschuldigen ihn, die Verbrechen der IRA zu decken. In der Tat, er zeichnet die alten Kumpane als ins Schleudern geratene Idealisten und offenbart damit eine Nachsichtigkeit, die an Mittäterschaft grenzt. Er hört nicht auf Kritik und fordert von den Engländern eine Amnestie für die flüchtigen Terroristen, nachdem er bereits die Freilassung zahlreicher Gefangener erreicht hat. Seiner Meinung nach würde es sich dabei um einen weiteren Schritt Richtung Frieden handeln. Die Eltern der Opfer sind davon nicht überzeugt. In der Zwischenzeit riskiert Nordirland wieder zu ersticken. Die Institutionen sind wie gelähmt, die Kriminalität ist weit verbreitet. Die derzeitigen Bedingungen lassen die Erinnerung bitter werden und schwächen die Hoffnung. Es wird noch eine Weile dauern, bis das Kriegsbeil begraben ist.

Die baskischen „Cousins“: Der Fall der ETA

Irland ist nicht das einzige europäische Land, das vom Terrorismus, der nach Unabhängigkeit strebt, bedroht wird. Die separatistische Organisation, die neben der IRA traurige Berühmtheit erlangte, ist die ETA (Euskadi Ta Askatasuna – baskische Heimat und Freiheit). Ihre Aktivitäten forderten seit 1958 über 800 Opfer – im Namen der Unabhängigkeit der baskischen „Nation“, die sich zwischen dem Süden Frankreichs und dem Norden Spaniens befindet. Sie führt vor allem Attentate auf gegnerische Politiker und äußerst wichtige strategische Projekte durch. Ihre Techniken erinnern damit an jene der IRA. Die baskische Organisation hat ihren Kampf fortgesetzt und kümmert sich nicht um bisherige Versöhnungsversuche, wie die Amnestie, die nach Francos Tod ausgesprochen wurde und die Autonomie, die dem Baskenland immer mehr Möglichkeiten zur Selbstbestimmung gibt. Das politische Aushängeschild der ETA, Batasuna, wurde 2002 als Verbrecher abgestempelt, während die Regierung und Bürokratie Spaniens ihren Kampf gegen den bewaffneten Arm fortsetzen. Und auch im letzten Jahr war die ETA an zahlreichen Bombenattentaten beteiligt.