Interview mit Bombay Bicycle Club

Artikel veröffentlicht am 18. April 2014
Artikel veröffentlicht am 18. April 2014

Gerade ist das vierte und bisher erfolgreichste Album der Londoner Band Bombay Bicycle Club So Long, See You Tomorrow rausgekommen. Cafébabel hat mit dem Sänger und Songwriter der Band über die neuen Klänge, Tokio und das Gegenteil von Politik unterhalten.

Wir sehen Jack Steadman, den Frontmann von Bombay Bicycle Club, schon von weitem. Er läuft lächelnd mit seiner Gitarre um den Hals auf uns zu. Als er uns in seinen Tourbus einlädt, bietet er uns Bier an, das von letzter Nacht in Hamburg übrig geblieben ist. Jack erzählt uns mit einem unverwüstlichen Lächeln, dass es wohl keinen hässlicheren Ort in Paris gibt, als den Parkplatz des Trabando, auf dem wir uns befinden. Wir stimmen ihm zu. Während der Tour ist dieser Tourbus gleichzeitig Schlafzimmer und Wohnzimmer einer der erfolgreichsten Bands Großbritanniens. Obwohl keines der Bandmitglieder älter als 25 ist, kann Jack schon auf fast ein Jahrzehnt Bandgeschichte zurückblicken. Während wir uns mit Jack unterhalten, bettet er seine Hände auf einem Kissen, als ob er seine Hände für das Konzert am Abend schonen wollte. 

Cafébabel: Wie läuft die Tour?

Jack Steadman: Tourneen sind immer ein Auf und Ab. Wir sind in Brüssel gestartet und danach in Amsterdam, Kopenhagen, Hamburg aufgetreten, bevor wir nach Paris gekommen sind. Die Konzerte in Skandinavien waren unglaublich! Wir haben dort nie vorher gespielt, also war das Publikum ziemlich aufgeregt. Nur letzte Nacht war ein bisschen komisch in Hamburg. Ich habe das Gefühl, dass das deutsche Publikum unsere alten Titel lieber mag, die gitarrenlastiger sind und sich etwas aggressiver anhören. Es hat das Publikum dort ein bisschen verwirrt, dass wir jetzt tanzbare Musik mit östlichen Einflüssen spielen.

CB: Gibt es einen großen Unterschied zum ersten Mal, als ihr auf Tour wart?

JS: An Tourneen merkt man, wie man sich selber verändert hat. Vor zwei Jahren haben wir Tourneen noch nicht so ernst genommen und wir haben die meiste Zeit gefeiert. Einige Shows waren sehr schlecht, weil wir mit einem Kater gespielt haben. Für unser Album So long, see you tomorrow waren wir zwei Jahre im Studio. Jetzt gehen wir auf Tour und haben eine ganz andere Einstellung zu unserer Musik. Früher war unsere Musik nur eine Ausrede dafür Spaß zu haben.

CB: Liest du die Kritiken deiner Musik?

JS: Ja, was für eine dumme Angewohnheit! Ich bin glücklich, dass ich jetzt in einer Position bin, in der mich Kritiker nicht mehr stören. So lange einige Leute unsere Musik gut finden, ist alles bestens.

CB: Wie möchtest du, dass die Leute auf eure Musik reagieren?

JS: Ich will einfach, dass die Leute die ganze Zeit lächeln.

CB: Was wollt ihr mit eurer Musik erzählen?

JS: Ich glaube nicht, dass unsere Musik eine Botschaft hat. Wenn man uns auf der Bühne sieht, wollen wir, dass alle Zuschauer sich vorstellen können, selber auf der Bühne zu stehen. Wir wollen wie normale Leute rüberkommen, denn es gibt nichts Mysteriöses an uns. Wir sehen alle ein bisschen albern und nerdy aus. Außerdem haben wir unsere eigene Platte ohne viel Geld selbst produziert und haben es trotzdem auf den ersten Platz der britischen Albumcharts geschafft. Ich glaube damit senden wir eine starke Botschaft! Wir brauchen keine teuren Klamotten und wir müssen uns nicht wie Idioten verhalten, weil wir Rockstars sind. Außerdem zeigen wir, dass wir keine teuren Produzenten brauchen, um erfolgreich zu sein.

CB: Bist du politisch interessiert?

JS: Im Gegenteil.

CB: Was ist das Gegenteil?

JS: Politik interessiert mich gar nicht.

CB: Gab es keinen politischen Moment, der dich inspiriert hat?

JS: Keiner. Mich inspiriert nur Musik, niemals was um mich herum passiert.

CB: Wie hast du zur Musik gefunden?

JB: Es hat mit Flea und John Frusciante angefangen, als ich dreizehn war. Seitdem liebe ich es zu improvisieren. 

CB: Wenn du plötzlich keinen Erflog mehr haben solltest, hast du schon einen anderen Plan?

JS: Nach der Schule hatte ich einen Platz an der Uni in Manchester, um Französisch zu studieren. Aber ich wusste schon immer, dass ich Musik machen wollte. Ich habe noch nie über einen anderen Job nachgedacht. Ich glaubte schon immer, dass ich mit meiner Musik Erfolg haben würde. Musik ist die einzige Sache, bei der ich jemals Selbstvertrauen hatte.

CB: Wenn du in einigen Jahren vielleicht Zeit für etwas anderes hast, was wirst du machen?

JS: Ich werde ein Jazzcafé aufmachen. Ich habe einige in Tokio gesehen, wo ich jedes Jahr Platten kaufen gehe. Diese Cafés sind etwa so klein, wie dieser Raum (ungefähr 10m2). Da steht nur einer hinter der Bar, den 10.000 Platten umgeben. Außerdem stehen zwei Boxen in der Ecke. Keiner redet in diesen Cafés, denn es geht nur um die Musik. Die Stimmung ist wie in einer Bibliothek. Ich habe so etwas nie außerhalb Tokios gesehen.

Sonst würde ich außerdem gerne Zugführer werden, aber ich kann noch nicht einmal Autofahren.

CB:  Wo kommen die Bollywood-Einflüsse auf eurem neusten Album auf einmal her?

JS: Sie kommen von einem Film, der Nagin heißt. Er handelt von einem Schlangenbeschwörer. Ich habe einige Monate in Mumbai verbracht und habe mir dort viele Platten angeschafft. Ich habe einige Samples direkt für unser Album verwendet.