InterRail: Gleise grenzenlos

Artikel veröffentlicht am 12. August 2008
Artikel veröffentlicht am 12. August 2008
Auch nach 30 Jahren stehen sich junge Rucksacktouristen an Europas Bahnhöfen die Beine in den Bauch. Sie warten auf den nächsten Zug, der sie per InterRail über den alten Kontinent befördert.

„Ich habe vor in den nächsten zwei Wochen eine InterRail-Tour zu starten, nur nicht allein! Da ich der einzige 'arbeitslose' Student in meinem Freundeskreis bin, fällt mir zu Hause die Decke auf dem Kopf und ich habe mir vorgenommen mal einen etwas anderen Urlaub zu machen“, annonciert der 22-jährige Ingo ähnlich wie viele andere Reiselustige in ganz Europa auf der Kontaktseite interrailers.net.

InterRail ist nachwievor eine der besten und billigsten Möglichkeiten, um den Alten Kontinent für sich zu entdecken. Ein persönliches Spezialticket von begrenzter Dauer ermöglicht es, dreißig Länder und über 40 000 Bahnhöfe zu erreichen. Die Idee ist im Jahre 1972 anlässlich des 50. Jubiläumsjahres des Internationalen Eisenbahnverbandes geboren. Doch nach dem Mauerfall und der Osterweiterung bedurfte es innovativer Angebote für die Weltenbummler. Als bislang letzes Reiseland wurde 2005 Bosnien und Herzegowina in die InterRail-Zone aufgenommen.

Europäische Freizügigkeit

Seit neuestem können die Reisenden zwischen zwei Optionen wählen: dem Global Pass und dem One Country Pass. Der InterRail Global Pass ist auf den Strecken aller nationalen und einiger privater Eisenbahngesellschaften in 30 Ländern gültig und für verschiedene Zeiträume erhältlich: von 5 Reisetagen innerhalb von 10 Tagen (flexibel) bis zu einem Monat (durchgehend). Der InterRail One Country Pass hingegen ist die beste Wahl für europäische Backpacker, die nur ein europäisches Land abgesehen vom eigenen bereisen möchten. Das Ticket ist einen Monat lang gültig, wobei sich der Preis nach der Anzahl der Reisetage (3-8) richtet. Je nach Angebot kann der Preis für ein InterRail-Ticket stark variieren. Ein Global Pass für Passagiere unter 26 Jahren kostet 159 Euro (2. Klasse), während die Preise für den One Country Pass von Land zu Land unterschiedlich sind.

Nicht nur Europa

©Kheng Guan TohInterRail Pässe können nur von Personen mit Wohnsitz in Europa und der Türkei verwendet werden. Daneben gibt es jedoch auch noch den Eurail Pass, einer Initiative aus dem Jahr 1959, die es allen Reisenden mit einem Wohnsitz außerhalb der EU erlaubt, zwanzig Länder in Europa zu bereisen. Eurail bitet zudem das ein oder andere Plus: So führen die Schienen beispielsweise zur Weltausstellung ins spanische Saragossa, zum Sziget-Festival nach Budapest, zum Bierfestival nach Belgrad oder zu den Salzburger Festspielen. Obendrein bekommt jeder, der mit dem Zug zu einem der zahlreichen Events in Europa reist und seinen Eurail-Pass vorweist, eine Ermäßigung auf den Eintrittspreis.

Dank dieser neuen Marketingkniffe gelang es dem Unternehmen, seinen Umsatz kontinuierlich zu steigern und das Netz weiter auszubauen. Die Eurail Group hat am Ende des Jahres 2007 bekanntgegeben, dass ihr Umsatz um 34 Prozent gestiegen ist, was einem Plus von 41,5 Millionen Euro entspricht. René de Groot, der Geschäftsführer der Gruppe, freut sich, solche Zahlen verkünden zu können und wünscht sich für die Zukunft eine Umsatzsteigerung von 10 Prozent jährlich.

Auf der Friedensschiene

Zum bereits dritten Mal nimmt die Euro Rail Group G.I.E. zudem an der Initiative 'European Rails for Peace' teil. Dieses Projekt, das unter anderem Unterstützung von der Europäischen Union erhält, ermöglicht es Jugendlichen aus dem Kosovo, aus Bosnien und Herzegowina und Serbien gemeinsam mit anderen jungen Europäern den Kontinent für sich zu entdecken.

Über diese und andere Erlebnisse berichten zahlreiche Inter-Roadies in ihren Blogs. Interrail.experience.free.fr bietet beispielsweise einen umfassenden Überblick zu Fallen, in die man besser nicht tappen sollte. Ein InterRailer sollte so zum Beispiel auf keinen Fall vergessen, Ohrstöpsel mitzunehmen. “Gebt jungen Damen in Bratislava, die sich fix ein Zugticket kaufen wollen, um ihre Mutter in Wien zu besuchen, keine 10 Euro“, schreiben Vincent und Anto weiter. Also dann, Rucksäcke packen und auf nach Europa. Der Zug ist noch nicht abgefahren.