Internationaler Tag des Ehrenamtes: Stell Dir mal eine Welt ohne Freiwillige vor!

Artikel veröffentlicht am 2. Dezember 2008
Artikel veröffentlicht am 2. Dezember 2008
Die Weltbevölkerung würde um mindestens 140 Millionen Menschen, die globale Wirtschaft um 400 Milliarden Dollar schrumpfen, unser BIP würde um 3-7% sinken und Millionen Drittsektor-Angestellte wären ohne Jobs. Anlässlich des Internationalen Tages des Ehrenamtes am 5. Dezember gehen wir einmal im Takt mit John Lennon. Imagine…

Es wäre wahrscheinlich auch eine Welt mit weniger Lachen, wo lokale Gemeinschaften auseinander fallen und wo jeder die Dinge nur noch für Geld erledigt. Obwohl das Ehrenamt ein großes soziales, wirtschaftliches und menschliches Phänomen ist, wird es von der Allgemeinheit und den Entscheidungsträgern gerne übersehen.

Imagine all the people living for today

©Volunteering England Image Bank

Würden die Freiwilligen nun also eine eigene Nation stellen, dann wäre sie mindestens die 9.-bevölkerungs-reichste der Welt!

Eine Eurobarometer-Umfrage, die 2006 durchgeführt und im Februar 2007 unter dem Titel „European Social Reality“ veröffentlicht wurde, zeigt, dass drei von zehn Europäern ehrenamtlich tätig sind - wohlgemerkt: die EU hat nun fast 500 Millionen Einwohner. Eine Studie der John Hopkins Universität, die in 37 Ländern weltweit vorgenommen wurde, zählt über 140 Millionen Menschen, die sich full-time ehrenamtlich betätigen. Würden die Freiwilligen nun also eine eigene Nation stellen, dann wäre sie mindestens die 9.-bevölkerungsreichste der Welt! Allerdings ist die exakte Anzahl der Freiwilligen weltweit nicht bekannt, da die wenigsten Regierungen diese Zahlen in Statistiken aufführen. So existiert nur ein ungenügendes Wissen über den Beitrag, den Freiwillige in der Gesellschaft, Wirtschaft und für die menschliche Entwicklung leisten.

Imagine no possessions, no need for greed or hunger and a brotherhood of man …

©Volunteering England Image Bank

Vielleicht fragst Du Dich: „Wer sind diese Freiwilligen? Was machen sie eigentlich?“ Dann schau Dich um - sie sind oft Familienmitglieder, Deine Lehrer und Klassenkameraden, Deine Kollegen, Freunde oder gar Rivalen. Ganz normale Menschen, die aus persönlicher Überzeugung und ohne vom Profit getrieben zu sein, etwas zum Vorteil des Einzelnen und der Gesellschaft leisten wollen. Sie arbeiten in der Regel ehrenamtlich für NGOs, Vereine, Clubs oder Jugendorganisationen. Ein solcher freiwilliger Dienst wird aber auch oftmals informeller und spontaner geleistet - wenn man beispielsweise den Nachbarn aushilft oder im Falle von Umweltkatastrophen, wie Überflutungen zum Beispiel.

Imagine all the people, sharing all the world …

©Volunteering England Image Bank

Ehrenamtlich arbeiten auch die Eltern in den Schulen, Clowns in den Krankenhäusern und Hospizen, Menschen, die sich im Sport, in Jugend- oder Seniorenclubs betätigen, solche, die sich in politischen Parteien oder für die Menschenrechte engagieren, freiwillige Anwälte, IT-Spezialisten und Übersetzer und alle anderen, die sich aktiv im und für das Gemeinschaftsleben engagieren. Dennoch sollte die Freiwilligenarbeit niemals Services übernehmen, die die Regierungen anbieten. Man sollte diese auch strikt von anderen Arten des unbezahlten Arbeitens unterscheiden, wie beispielsweise Praktika, Traineeships und dergleichen, welche eher der persönlichen Bereicherung dienen. Trotz allem sollte deren Kapazität, das individuelle Leben zu verändern und zu beeinflussen, nicht unterschätzt werden. Durch die Freiwilligenarbeit gewinnt man eine Menge Erfahrung, in der Organisation, der Führung oder ein Stückchen mehr Empathie.

Imagine there's no countries, nothing to kill or die for …

(Image courtesy of vk-red/ Flickr)

Es gibt erhebliche Unterschiede der „Ehrenamts-Tradition“ in den verschiedenen Ländern. So sind in Polen, Kroatien und anderen post-kommunistischen Nationen eher junge Menschen ehrenamtlich tätig, während in Spanien und Italien öfters Rentner über 60 ein Ehrenamt ausführen. Generell entspringen die Freiwilligen in Westeuropa der Mittelschicht, sind gebildet und mittleren Alters. In Südost-, Ost- und Zentraleuropa hat der Freiwilligendienst hingegen noch oftmals eine negative Konnotation wegen der obligatorischen „Gemeinschaftsarbeit“ oder dem „freiwilligen“ Kriegsdienst zu Zeiten des Kommunismus. Viele Leute denken, dass eine Arbeit ohne Verdienst eine Arbeit für Nichts sei.

Imagine all the people, living life in peace …

"You might say I'm a dreamer...but I'm not the only one"

Freiwillige verdienen die Unterstützung der Regierungen, lokalen Behörden, der EU-Institutionen und der Gesellschaft im Allgemeinen. Das erlaubt ihnen, sich einfacher zu engagieren, sie vor Missbrauch zu schützen und ihre Mission auszuführen. Dabei erledigen Freiwilligenorganisationen, wie beispielsweise CEV, ein Netzwerk von Freiwilligencentern, harte Arbeit, um die Entscheidungsträger davon zu überzeugen, die Bedürfnisse der Freiwilligen und des ehrenamtlichen Sektors anzuerkennen. Auch die Kampagne für 2011 als „Europäisches Jahr der Freiwilligen“ geht da einen Schritt in die richtige Richtung. Das würde in jedem Fall die Anerkennung der Leistungen der Freiwilligen fördern, ihre Erfolge feiern und mehr Menschen davon überzeugen, sich aktiv in der Gesellschaft zu betätigen. Genauso wie John Lennon einst sang: „Du kannst sagen, dass ich ein Träumer bin. Aber ich bin nicht der Einzige und ich hoffe, dass Du Dich eines Tages anschließen wirst. So wird die Welt eins werden!“

Die Autorin arbeitet für das Europäische Freiwilligen-Center CEV, ein europäisches Netzwerk von 67 nationalen, lokalen und regionalen Freiwilligencentern in 27 Ländern, welche gemeinsam versuchen, den Freiwilligendienst zu fördern.