Integration von Muslimen fördern

Artikel veröffentlicht am 31. Oktober 2005
Artikel veröffentlicht am 31. Oktober 2005

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Um Marginalisierung und Extremismus zu vermeiden, ist die Integration von jungen Muslimen eine Herausforderung, der sich die Regierungen in allen EU-Staaten stellen müssen. Islamische Organisationen in ganz Europa helfen ihnen dabei.

Viele nordamerikanische und europäische Medienberichte, die im Zusammenhang mit Terroranschlägen nach dem 11.September stehen, werfen „terroristische“ und „extremistische“ Bewegungen in einen Topf mit „moslemischen“ oder „islamischen“ Aktivisten und Organisationen. In Wahrheit ist es so, dass der „islamische Terrorismus“, vor dem alle Welt so große Angst hat, nur einen sehr kleinen Teil des globalen Terrorismus ausmacht. Unzählige aktive islamische Einzelpersonen und Organisationen bemühen sich, diese Angst zu überwinden und die friedliche Koexistenz von allen Religionen zu erhalten. Diese Anstrengungen bleiben allerdings oft unbeachtet.

Die Vielfalt des Euroislam

Seit der Immigration von Muslimen nach Europa zwischen 1950 und 1960 hat sich eine große Zahl von moslemischen Organisationen gebildet, die so die Vielfalt der 13 bis 15 Millionen in Europa lebenden Muslime und ihre verschiedenen nationalen, rechtlichen, politischen und historischen Umfelder widerspiegeln. Der Islam ist - in der sunnitischen Tradition - nicht so hierarchisch strukturiert wie das Christentum, und die meisten Organisationen operieren auf lokaler Ebene, wo sie nur sehr kleine Gemeinschaften von nordafrikanischen, türkischen oder pakistanischen Muslimen repräsentieren. Allein in Deutschland gibt es ungefähr 2000 Organisationen, die überwiegend sunnitische Türken vereinen, Großbritannien weist zwischen 600 und 1200 sehr unterschiedliche, meist pakistanische Moslemvereinigungen auf.

Und doch sind nur geschätzte zehn Prozent aller in Europa lebenden Muslime Mitglieder dieser Organisationen. Die islamischen Vereine sind meist auf die Innenstädte und ehemaligen Industrievororte der großen Städte konzentriert. Außerdem unterscheiden sie sich in ihrer Denkweise, Lehre, Größe, Finanzierung und Tätigkeit. Das macht es auch so schwierig, den Einfluss dieser Organisationen auf die europäische Politik und Gesellschaft einzuschätzen. Tatsächlich reicht die Einschätzung der Experten von „muslimischen Ghettos“ bis hin zu „vermittelnden Einheiten“ zwischen der moslemischen Gesellschaft und dem Staat.

Integration junger Moslems

Trotz dieser Vielfalt haben viele moslemische Organisationen ihren Fokus inzwischen auf Europa gerichtet und die Integration von moslemischen Jugendlichen zu ihrer Hauptpriorität gemacht. Dadurch haben islamische Organisation zweifellos an Bedeutung gewonnen, und zwar nicht nur in ihrer Rolle als „Vertreter“ der europäischen Muslimen auf politischer Ebene, sondern auch als soziale Anlaufstelle für die moslemische Jugend.

Im Kontext der Terroranschläge, die von radikal-extremistischen Moslems verübt wurden und den weit verbreiteten Vorurteilen und Ängsten bei Moslems wie bei Nicht-Muslimen, sind die islamischen Organisationen die Hauptvermittler zwischen dem Staat, der Gesellschaft und den moslemischen Gemeinschaften. Aktionen wie der „Tag der offenen Moscheen“ in Österreich, Deutschland und anderen europäischen Staaten fördern den offenen Dialog, der in Europa so sehr gebraucht wird, um die verschiedenen Interessen und Identitäten in unserer Gesellschaft unter einen Hut zu bringen. In Deutschland findet der "Tag der offenen Moschee" seit 1997 jedes Jahr am 3.Oktober statt. Moscheen und Gebetszentren öffnen ihre Türen und laden nicht-moslemische Deutsche ein, sich mit der zweitgrößten Religion im christlich geprägten Deutschland vertraut zu machen.

Partner der Kommunen

Aktionen gibt es auch auf lokaler Ebene, wo Moscheen und Gebetszentren Familienberatungen, Training und Hilfe bei der Arbeitssuche anbieten. Und so sind diese lokalen Selbsthilfegruppen, die oft von den Mitgliedern selbst finanziert werden, eine wichtige Anlaufstelle für moslemische Jugendliche, die bei der Arbeitsplatz- und Praktikumssuche oft Diskriminierungen ausgesetzt sind. In einigen Städten wie Paris, London, Frankfurt oder München haben die moslemischen Organisationen begonnen, mit den städtischen Verwaltungen zusammen zu arbeiten, um so die Unterstützung der moslemischen Jugendlichen in der Schule und bei der Integration ins Arbeitsleben zu erleichtern.

Moslemische Organisationen werden bei ihren Integrationsbemühungen für Jugendliche auch von nicht-moslemischen Vereinen unterstützt, so zum Beispiel vom Münchner Verein Lichterkette e.V. Dieser Verein konzentriert sich auf die Bedürfnisse der Muslime, indem er Sprachkurse, Bildungsprogramme, Seelsorge und professionelle Trainingsprogramme koordiniert. Alternative Medien wie die „Islamische Zeitung“ in Deutschland oder „Sezame“ in Frankreich bieten ihren moslemischen und nicht-moslemischen Lesern einen umfassenden Überblick über Muslime als integrierte Mitglieder in der europäischen Gesellschaft.

Wenn die moslemische Jugend als aktiver Teil der europäischen Zukunft anerkannt wird, kann die Rolle der moslemischen Organisationen in der öffentlichen Sphäre zurückgehen. Bis es soweit ist, werden sie aber noch eine überaus wichtige Rolle spielen bei der Integration von moslemischen Jugendlichen in die europäische Gesellschaft.