Ingrid Betancourt ist frei: Freudentaumel in ganz Europa

Artikel veröffentlicht am 3. Juli 2008
Artikel veröffentlicht am 3. Juli 2008

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Am Mittwoch konnten 15 Geiseln der paramilitärischen Guerilla FARC von der kolumbianischen Armee befreit werden: ein eklatanter Sieg für den kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe, der die Militäraktion in die Wege geleitet hatte, und eine immense Freude weltweit, die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt in Freiheit zu sehen. Europäische Reaktionen.

2321 Tage in Gefangenschaft und nun das Ende eines Alptraums: Am Mittwoch, 3. Juli 2008, wurde Ingrid Betancourt von kolumbianischen Undercover-Soldaten befreit, am gleichen Ort, an dem sie 6 Jahre zuvor von den FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) entführt worden war. Auf den weltweit ausgestrahlten Bildern nach der Befreiungsaktion war eine erschöpfte, aber tapfer lächelnde Frau zu sehen, die das Treppchen aus dem Militärflugzeug in Bogota herabstieg.

Mit klarer Stimme dankte Betancourt allen, die sich für ihre Befreiung eingesetzt haben - vom kolumbianischen Präsidenten Uribe bis zu den zahlreichen, weltweit entstandenen Hilfskomitees. Dank des französischen Radiosenders RFI, der gezielte Nachrichten auch im kolumbianischen Dschungel ausstrahlte, konnte Betancourt die in ihrem Namen auf den Weg gebrachten Aktionen mitverfolgen.

Aufsehen erregende Aktion der kolumbianischen Armee

©h de c/flickrDer Erfolg der militärischen Aktion ist vor allem Alvaro Uribe zuzuschreiben. Als Sohn eines der vielen Opfer der FARC, hatte der kolumbianische Präsident während der Wahlen 2002 geschworen, die marxistische Guerilla, die den kolumbianischen Dschungel seit den 1960er Jahren unter Beschuss hält, zu bekämpfen. Die unter anderem mit 3 Milliarden Dollar von der CIA unterstützte Politik gegen die FARC trägt heute ihre Früchte.

Nachdem 2008 Raul Reyes, Nummer zwei der weltweit als terroristisch eingestuften paramilitärischen Gruppe, von der kolumbianischen Armee getötet wurde, verbuchen die Soldaten heute einen erneuten Sieg gegen die FARC, die von 17.000 Mitgliedern vor 10 Jahren auf heute 10.000 zusammengeschrumpft ist. Die gestrige Befreiungsaktion sei angeblich längerfristig vorbereitet und dank der Infiltration mehrerer Kommandoträger der Armee erfolgreich abgeschlossen worden: In einer Fünf-Minuten-Aktion und unter Einsatz eines Helikopters konnten die 15 Geiseln alle sicher geborgen werden.

Freudentaumel in ganz Europa

In Europa, aber auch auf den anderen Kontinenten, war die Freude über die Befreiung enorm. Frankreich, Spanien und die Schweiz, die alle drei eine wichtige Vermittlerrolle gespielt hatten, sind unter den ersten Ländern, die sich zur Befreiung von Ingrid Betancourt geäußert haben.

Jose Luis Zapatero hat stellvertretend für Spanien seine "große Zufriedenheit" ausgesprochen und zur Befreiung aller noch in Geiselhaft verharrenden Gefangenen der FARC aufgerufen. Der französische Präsident hat seinerseits in einer direkten Stellungnahme erklärt, Frankreich sei bereit, "diejenigen Mitglieder der FARC aufzunehmen, die sich dem bewaffneten Kampf entsagen".

Medienpräsident Sarkozy

Nicolas Sarkozy kam auch nicht umhin, sich selbst für diese gelungene Befreiungsaktion zu beweihräuchern. Zur live im Fernsehen übertragenen Stellungnahme hatte er unter anderem die Kinder und Schwester von Ingrid Betancourt in den Elysée-Palast eingeladen. Letztere haben neben offiziellen Danksagungen mehrmals betont, dass Sarkozy den Kampf für die Befreiung von Betancourt zu einem wichtigen Punkt seines Präsidentschaftswahlkampfes 2007 gemacht hatte. Ein gelungener medialer „Coup“ für den französischen Präsidenten.

Doch die bewegten Bilder einer Frau, die selbst in den schlimmsten Momenten nicht aufgegeben hat, bleiben die einprägsameren Momente nach der Befreiungsaktion. Auf dem letzten erschienenen Video vom 3. Dezember 2007, das Betancourt in Gefangenschaft zeigte, schrieb sie - sichtbar am Ende ihrer Kräfte - einen Brief an ihre Mutter.

In Kolumbien hat dieser Brief für eine Kehrtwende der öffentlichen Meinung gesorgt. Ingrid Betancourt wurde von einer Gefangenen zur Märtyrerin, ihr Fall gewann zunehmend an Aufmerksamkeit. Wird Betancourt erneut als Präsidentschaftskandidatin antreten? "Ihre Rückkehr ist eine gute Sache für die Welt", hat zumindest ihre Schwester Astrid gestern vor laufender Kamera im Elysée-Palast gesagt.