Indignation: James Schamus' verdammt guter Anfang

Artikel veröffentlicht am 7. März 2016
Artikel veröffentlicht am 7. März 2016

James Schamus, der mit Großproduktionen wie Milk oder Lost in Translation bekannt wurde, gibt mit seiner Philip Roth-Adaptation Indignation 2016 sein Regiedebüt.

James Schamus, langjähriger Produzent von Ang Lee, feiert sein Regie-Debüt mit der Indignation, einer Adaption von Philip Roths gleichnamigem Roman aus dem Jahr 2008 (im Deutschen: Empörung). Mit Werken wie Brokeback Mountain bewies Schamus, dass er komplexe Emotionen in Angriff nehmen kann, ohne dabei seinen Fokus auf klare und ergreifende Geschichten zu verlieren. Ganz offensichtlich hat er diese Fähigkeit auch auf seine Arbeit als Regisseur übertragen.

Indignation spielt vor dem Hintergrund einer Einberufung zum Korea-Krieg. Der Protagonist Marcus Messner - gespielt von Logan Lerman - ist ein jüdischer Junge aus New Jersey, der dank eines Stipendiums vom Militärdienst befreit ist. Er ist das einzige Kind eines herrischen Vaters und einer leidgeprüften Mutter und begibt sich nach Ohio, um sich ganz und gar auf sein Studium am dortigen College zu konzentrieren. Alles verändert sich, als Olivia Hutton (Sarah Godon), ein blondes, engelhaftes Mädchen, in sein Leben tritt. Sie ist weitaus liberaler als alles, was ihm bislang in seiner koscheren heimischen Welt begegnet ist. Anfangs führt dies dazu, dass er sich zurückzieht. Dann jedoch, getrieben von Begierde oder Abenteuerlust, macht er gleich zwei Riesenschritte nach vorne, sehr zum Verdruss seiner Mutter.

In dem Film geht es um eine Enträtselung. Da Marcus schon sein ganzes Leben lang unter Hochspannung gestanden hat, kommt keiner in seinem engeren Umfeld ungeschoren davon, als er seine Selbstkontrolle verliert. Wundervoll spielt Lerman die Rolle des lernbegierigen Metzgersohns, der sich auf einen verhängnisvollen Pfad begibt. Es ist nicht nur große Schauspielkunst, wie er am Anfang zum Kern seiner Figur vordringt. Ebenso fesselnd meistert er die Verwandlung des Protagonisten innerhalb der Negativspirale seiner Empörung.

Sarah Gadons Leistung ist ebenso beachtenswert. Der Schauspielerin gelingt es, den Konservatismus der 1950er mit der Rebellion ihrer Figur harmonisch so miteinander zu kombinieren, dass weder das eine noch das andere als Ergänzung erscheint, sondern als integrale Bestandteile ihrer Persönlichkeit. Es ist notwendig, diese zu verstehen, da sonst ihre niedrigen Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind.

Um kurz auf das Tempo des Films einzugehen, so beginnt dieser mit einem sanften Trab und es dauert eine Weile, bis alles so richtig in Gang kommt. Erst bei einem kafkaesken Treffen zwischen Marcus und seinem Dekan stellt Schamus seine Beherrschung des Drehbuchschreibens so richtig zur Schau. Während sich die beiden Figuren im Büro einen verbalen Zweikampf liefern, durchlebt der Zuschauer emotionale Höhen und Tiefen und fühlt sich dabei, als sei er Zeuge einer sorgfältig choreographierten Kampfszene. An Indignation wird man sich nicht als Schamus' besten Film erinnern, sondern eher als einen verdammt guten Anfang. 

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Ich bin ein Berliner - dieser Artikel stammt von unserem cafébabel Berlin-Team.