In Krisenzeiten ist Hochsaison für das Weihnachtsgebäck Mantecado

Artikel veröffentlicht am 16. Dezember 2008
Artikel veröffentlicht am 16. Dezember 2008
Sobald der erste Mantecado, der gemeinsam mit dem Turrón seine Hochsaison im Dezember hat, auftaucht, ist dies in Spanien - auch in Krisenzeiten - ein untrügliches Anzeichen dafür, dass sich Weihnachten nähert.

Ein Gebäck, das aus etwas Schweineschmalz, Mehl, Mandeln und Zucker besteht, bietet der Krise ©Marianne Perdomo /Wikimediagelassen die Stirn. José Luis Olmedo, Geschäftsführer der Mantecado-Bäckerei „La Muralla“ mit Sitz in Estepa in der Region Sevilla, erklärt uns den Grund: „Mantecados sind ein Schnäppchen“. Ein Kilo davon, das heißt etwa 30 Stück, kosten zwischen 4 und 5 Euro, „eine Menge, mit der man Familie und Gäste reichlich bewirten kann“. Damit hat die spanische Spezialität einen klaren Vorteil gegenüber anderen typischen Weihnachtsprodukten. Dieses Gebäck scheint sogar soviel Anziehungskraft zu besitzen, dass spanische Immigranten im restlichen Europa, vor allem in Frankreich, Italien und Portugal, den Export von Mantecados fordern.

Aber die Krise betrifft alle und selbst für Mantecados sind die Preise um 15 % gestiegen. Traditionell setzt sich dieses Produkt aus 50 % Weizenmehl, 25 % weißem Schweineschmalz, 25 % Zucker und den Zutaten zusammen, die es von anderen unterscheiden: Zitrone, Zimt, Mandeln etc. Da der Preis von Mehl und Schmalz in diesem Jahr stark gestiegen ist, „steigt natürlich der Endpreis“, erklärt José Luis Olmedo. Eine direkte Folge dieses Anstiegs war der starke Nachfragerückgang an kleinen Schachteln Mantecado, die bisher unentbehrlicher Bestandteil von Firmengeschenken waren.

Tradition - Die beste Werbestrategie

©www.lamuralla.esZweifellos ist „Tradition“ die beste Werbestrategie, erklärt Olmedo. Mantecados stammen aus dem 16. Jahrhundert. Um die Urheberschaft streiten sich Antequera und Estepa, Städte im Zentrum Andalusiens, wo der Überschuss an Schweineschmalz und Mehl die Einwohner zur Erfindung neuer Speisen animierte. Ihre Vermarktung begann jedoch erst 1870. Der Erfolg kam unmittelbar: 1934 gab es bereits etwa 15 Häuser in Estepa, die sich in kleine Fabriken verwandelt hatten, heute ist die Zahl auf 30 gestiegen.

Estepa ist zweifellos die Welthauptstadt des Mantecado. Hier werden jährlich 20 Millionen Kilo hergestellt. Das sind mehr als 40 % der gesamten Produktion in Spanien. Dieser Ort in der Provinz von Sevilla, mit nur knapp über 12.000 Einwohnern, stellt während vier Monaten (August bis Dezember) Mantecados „am laufenden Band“ her. Nach dieser Arbeitsbelastung „benötigt man acht Monate Erholung“, bestätigt Olmedo. Für die Mantecado-Bäckereien arbeiten 2.000 Menschen direkt, die Mehrheit der restlichen Einwohner indirekt. Werbung, Maschinen, Transport und Vertrieb kommen zu 100 % aus Estepa. Deshalb ist der Ort auch so wohlhabend.

Mantecados mit Hochgeschwindigkeit

©tnarik/flickrDa Mantecados aber auch an vielen anderen Orten in Spanien und Andalusien hergestellt werden, überwacht die Aufsichtsbehörde des Mantecado in Estepa, der „Consejo Regulador del Mantecado de Estepa“, ob die geographische Herkunftsbezeichnung jedes Produktes korrekt ist. Eine der wirksamsten Maßnahmen, die man in dieser Hinsicht ergriffen hat, ist die Verteilung von kleinen, etwa 20 Gramm schweren Stücken dieses Gebäcks im Hochgeschwindigkeitszug AVE auf der Strecke Sevilla-Madrid während der Weihnachtszeit. Seitdem 2006 damit begonnen wurde, ist die Marktführerschaft von Estepa noch stärker geworden. Trotz all dieser Fortschritte ist für Olmedo der „ursprüngliche, in weißes Zelophanpapier gehüllte Mantecado“, der beste.

Zutaten für Zimt-Mantecados (für 900 Gramm):

• 175 Gramm weißes Schweineschmalz

• 250 Gramm Zucker

• 125 Gramm geröstete und gemahlene Mandeln

• 350 Gramm Mehl

• 5 Gramm Zimt

Zubereitung:

Mehl in eine Pfanne geben und bei geringer Wärmezufuhr erhitzen. Dabei ständig mit einem Holzlöffel umrühren. Anschließend mit den Mandeln vermischen und abkühlen lassen.

Danach das Schmalz verrühren, bis es schaumig ist, und Zucker und Zimt zugeben. Nocheinmal verrühren und nach und nach Mehl und Mandeln zufügen.

Den Teig ausrollen (etwa zwei Zentimeter dick) und ihn in vier Zentimeter große Stücke schneiden.

In den Ofen geben und bei etwa 150 Grad erhitzen. Sobald die Mantecados gebräunt sind, herausnehmen, abkühlen lassen und in Papier einwickeln.