In der Nacht sind alle Flughäfen wach

Artikel veröffentlicht am 21. April 2009
Artikel veröffentlicht am 21. April 2009
Während sie auf ihren Anschlussflug warten, versuchen Weltenbummler und Familien auf der Durchreise auf den unbequemen Flughafenbänken Schlaf zu finden. Seit dem Aufstieg von Billigfluglinien mit ihren unmöglichen Zeitplänen hat sich eine Internetseite auf Tipps für Flughafenschläfer spezialisiert.

„Grüße aus London! Nach Paris werde ich nun den Norden Europas erkunden. Morgen Amsterdam. Danach Berlin.“ Chinesische Schriftzeichen auf einer Postkarte, die die Sagrada familia [Wahrzeichen von Barcelona; A.d.R.] zeigt. Die Postkartenschreiberin, die sich als Kelly vorstellt, macht gerade eine Weltreise. Auf dem Weg hat die Asiatin Kate kennengelernt, eine Amerikanerin, mit der sie seit zwei Wochen zusammen reist. Für die beiden Mädels gehört das Schlafen in Flughäfen bereits zum Alltag.

48 Kilometer von London entfernt, weit weg von den angesagten Underground-Partys, verbringen Passagiere aus aller Welt die Nacht am Flughafen und warten auf ihre Flüge bei Sonnenaufgang. London Stansted ist die Hochburg der Billigfluglinien. Überall sieht man das Orange von EasyJet, Blau von RyanAir und Rot von Air Berlin. Zweifellos billig. Aber was macht man, wenn der Flug um 6:05 geht?

Essen, schlafen und ... spielen!

©Dave Makes/flickr

Jeden Abend warten Hunderte auf das Morgengrauen. „Ein echtes Feldlager von Reisenden“, beschreibt Toby die Situation. Kopf nach hinten auf die Tasche gelegt, Mund weit offen und die Arme um die Wertgegenstände verschränkt. Das einzige Geräusch ist das Kommen und Gehen der Reinigungscrew. Andere jedoch haben sich aufs Durchmachen eingestellt. Ein wenig abseits spielen Gruppen von Freunden Karten, picknicken oder reden. „Was für ein Gemeinschaftsgefühl! Jeder passt auf die Tasche seines Nachbarn auf und gibt acht, dass man die Ruhe der anderen nicht stört,“ berichtet Tanya etwas erstaunt.

Man kann sofort die Vielflieger erkennen. Sie sind nämlich voll ausgerüstet: Ohropax, ein Stoffband über den Augen, Decke und - ganz großer Luxus! - eine Isomatte. Ab und zu gibt es auch Fanatiker, die ein Zelt vor den Augen der verblüfften und neidischen Neulinge aufbauen, die versuchen, sich zwischen zwei Armlehnen auszustrecken. Jene, die als letzte kommen, haben am wenigsten Glück. Um Mitternacht hat es sich jeder bereits bequem gemacht, zum Beispiel indem zwei Bänke zusammengeschoben wurden. Familien, Erwachsene ...Nicht nur junge Leute halten hier improvisierte Nachtruhe.

Tipps und Tricks im Internet

Improvisiert? Nicht unbedingt! Die Webseite Sleepinginairports.net sagt euch alles, was ihr über eine Nacht am Flughafen wissen müsst. Hotels bekommen Sterne, Flughäfen werden mit „golden pillows“ ausgezeichnet. Die Liste wird von den Niederlanden angeführt. Amsterdam erhält das Goldene Kissen 2008 für seine Transithalle. Die holländischen Komfortprofis haben dort einen Ort mit Betten und Duschen geschaffen. Dieser Komfort ist jedoch Reisenden mit Anschlussflügen vorbehalten. Passagiere, die weder Taxi noch Hotelzimmer zahlen wollen, müssen sich mit einer öffentlich zugänglichen Halle zufrieden geben, bei der ein Teil von Mitternacht bis 5 Uhr gesperrt ist.

Auf der Bestenliste kommen nach Holland gleich Istanbul und München, während Paris Beauvais zu den Schlusslichtern gehört. Der Flughafen ist verhasst, da er in der Nacht geschlossen, klein und abseits von der Hauptstadt gelegen ist und die Toiletten draußen sind. Danach kommt Moskau Sheremetyevo, der als eine schmutzige und verrauchte „Hölle“ beschrieben wird. An einigen Flughäfen, wie zum Beispiel in Paris Orly, kann es sein, dass man vom Personal nach seinem Flugticket gefragt wird, um seine Anwesenheit zu rechtfertigen. Ein kleiner Tipp am Rande: Wenn ihr nicht schlafen könnt, geht so schnell wie möglich in die Abflughalle, die üblicherweise bequemer ist als die Eingangshalle. Dort könnt ihr noch ein kleines Nickerchen machen, bevor ihr wieder über den Wolken schwebt!