Im Angebot: Billige Bräute aus Osteuropa

Artikel veröffentlicht am 15. November 2004
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Artikel veröffentlicht am 15. November 2004

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Die Erweiterung der EU hat den jungen Frauen, die sich in Mittel- und Osteuropa prostituieren müssen, nicht geholfen.

"Sie boten jeder von uns 5€ an, um Sex mit uns zu haben" sagen drei slowakische Studentinnen, die als Kellnerinnen in Italien gearbeitet haben."Niemand hat uns je so erniedrigt. Sind wir Prostituierte oder was?" fragen sie wütend, offensichtlich überwältigt von den Gefühlen, die dieses Ereignis bei ihnen ausgelöst hatte. Doch für solche Begegnungen muss man nicht erst nach Westeuropa fahren. Prag ist beispielsweise ein gut bekanntes Reiseziel für junge britische Männer, die auf der Suche nach viel Spaß für wenig Geld sind. Und billiger Sex gehört genauso zu Prag wie die Karlsbrücke.

Blauhelme sind Teil des Problems

Vielleicht sind die halbe Million russischer, weißrussischer, ukrainischer, polnischer und tschechischer Mädchen und Frauen, die in den Rotlichtbezirken des "Alten Europas" arbeiten, der Grund dafür, dass alle Osteuropäerinnen in dem Ruf stehen, Prostituierte zu sein. Sie alle sind ins Ausland gegangen, um ihr Glück zu suchen, doch während manche sich darüber im Klaren waren, dass sie ihr Geld mit dem ältesten Gewerbe der Welt verdienen würden, wurden andere in dieses hineingelockt durch die Aussicht auf eine erfolgreiche Beschäftigung als Model, Hostess oder Werbefachfrau. "Legale" Prostituierte stehen unter dem Schutz des Europäischen Gerichtshofs, da die Dienstleistung, welche sie anbieten, eine Arbeit wie jede andere ist; die zweite Gruppe jedoch hat keinerlei Rechte. Übers Ohr gehauen und ohne Papiere werden sie Opfer von Zuhältern, welche sie zu Geschlechtsverkehr ohne Kondome oder während der Schwangerschaft zwingen können.Der einzige Ausweg aus diesem Leben voller Erpressung und Vergewaltigungen ist die Flucht. Unglücklicherweise endet diese häufig durch den Betrug durch die angeblichen Retter, welche die Frauen zu den Zuhältern zurückbringen, wo sie bereits mit offenen Armen erwartet werden. Noch schlimmer ist jedoch, dass in Ländern, in denen internationale Truppen stationiert sind, um "den Frieden zu wahren", die Soldaten durch ihre Besuche bei Prostituierten zum Menschenhandel beitragen und so die Frauen, die sie eigentlich beschützen sollen, in den Käfig der Prostitution zurückweisen. In einem Bericht von Amnesty International aus diesem Jahr ist zu lesen, dass "seit der Stationierung einer internationalen Friedensschutztruppe (KFOR), der Kosovo zu einem Hauptziel für Frauen und Mädchen, die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution sind, geworden ist." Es ist eine wohl bekannte Tatsache, dass Menschenhandel gut bezahlt wird und dass das Risiko für die Mittelsmänner im Vergleich zum Drogenhandel gering ist.

Folge deinen Träumen, Aschenputtel

Es ist leicht, in die Netze der Menschenhändler zu geraten, da wir - egal ob wir Tschechinnen, Rumäninnen oder Polinnen sind - mit Verheißungen von hohen Gehältern und sozialem Aufstieg bombardiert werden. Zuhause werden uns häufig nur unattraktive Jobs angeboten, wenn überhaupt. Das Problem ist, dass die Mehrheit der "alten" EU-Mitglieder ihre Arbeitsmärkte nicht geöffnet haben, trotz unseres Beitritt in die Union. So kommt es, dass z.B. Studenten, die im Westen nach einem Ferienjob suchen, am Ende 10 bis 12 Stunden pro Tag schwarz arbeiten und dafür so wenig wie 700 € im Monat verdienen. Wenn sie wieder zurückkommen, haben sie zwar an Erfahrung gewonnen, aber nicht an Geld, und von dem Geld, was sie verdient haben, geht ein großer Teil an Arbeitsvermittlungsagenturen zur Bezahlung der Anmeldegebühren. Überdies sind es gerade diese Agenturen, welche jungen Frauen Jobs als Au-Pairs, Models und Hostessen in Westeuropa vermitteln und sie somit der Gefahr aussetzen, in die Welt der Prostitution abzugleiten. Da gibt es z.B. den jüngsten Skandal um die renommierte Tschechisch-Slowakische Hostessagentur "Eli", welche jungen Arbeitnehmerinnen finanzielle Unabhängigkeit, Reisemöglichkeiten, Zusammenarbeit mit Starfotografen und Topkosmetikern verspricht. Ich bin selbst durch das Auswahlverfahren gegangen und alles schien in Ordnung zu sein... aber direkt nachdem die Mädchen einen Vertrag unterzeichnet und ihre Fotos für das Portfolio gemacht hatten, wurden sie in die Prostitution gezwungen. Diese Agentur kostet viel Geld, und wenn die Mädchen sich weigerten, „VIP-Prostituierte“ zu werden, wurden sie gezwungen, ihre „Schulden“ für die bereitgestellten Dienstleistungen zu begleichen. Zuhälter operieren heute nicht mehr auf der Strasse, sondern in luxuriösen Büros.

Köpfe im Sand

Leider wird in Mittel- und Osteuropa nicht ausreichend informiert über Menschenhandel zum Zwecke illegaler Prostitution. In den letzten Jahren hat es einige Verbesserungen gegeben, doch wir erfahren immer noch durch das Ausland über 'unsere' Prostituierte. Um über dieses Problem berichten und es wirksam bekämpfen zu können, müssen wir zuallererst zugeben, dass es wirklich existiert. Aber Ignoranz macht glücklich...