Im Abseits

Artikel veröffentlicht am 26. Juni 2006
Artikel veröffentlicht am 26. Juni 2006

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Sie sind reich und berühmt – und haben dennoch kein einfaches Leben. Immer mehr Fußballspieler haben psychische Probleme und finden nach der Karriere nur schwer ins normale Leben zurück.

Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper? Fußballstars füllen die Titelseiten und verdienen Millionen. Doch „das Streben nach Höchstleistung ist nicht immer mit Wohlbefinden vereinbar“, bringt es der Sportpsychologe Makis Chamalidis auf den Punkt.

Aussetzer an der Tagesordnung

Die berühmte Mannschaft Arsenal London bietet einen guten Einblick in die Schwierigkeiten einiger Spieler, ihr psychischen Gleichgewicht zu finden. Der 1974 geborene Sol Campbell machte rasant Karriere: 1992 erstes Profispiel, 1996 Teilnahme an der Europameisterschaft, 1998 Weltpokal, 2004 Englischer Meister...

Obwohl er für die Weltmeisterschaft 2006 erneut nominiert ist, hat der britische Innenverteidiger viele Krisen durchgemacht: Aufgrund des höllischen Rhythmus, dem die besten Spieler ausgesetzt sind, war er oft verletzt; nach seinem Wechsel von den Tottenham Hotspurs zu Arsenal London wurde er von Presse und Publikum angefeindet. Auch erschütterten Gerüchte um seine Sexualität die Stabilität des Spielers. „Sind seine Schultern breit genug, um ein Champion zu sein?“ ist die Lieblingsfrage der britischen Boulevardzeitungen, wenn es um Campbell geht. Im Februar 2006 kam es dann zum Eklat: Sol Campbell verschwand nach einem Spiel für mehrere Tage spurlos.

In England, wo der Fußball König ist, haben Ausraster von Fußballspielern Tradition. „Gazza“ alias Paul Gascoigne bereitete als Spieler den britischen Fans viel Freude. Doch sein Hang zur Flasche und zur Gewalt, der häufig für Schlagzeilen sorgte, hat ihm das ehrwürdige Karriereende gekostet. Um all dies hinter sich zu lassen, wechselte Gascoigne nach China zum Fußballclub Gansu Tianma.

Noch schlimmer ist die Affäre Robin van Persie. Im Juni 2005 wurde der junge niederländische Nationalspieler aufgrund einer Klage wegen Vergewaltigung festgenommen und zwei Wochen lang eingesperrt. Im März wurde van Persie von der niederländischen Justiz freigesprochen und von Bondscoach Marco van Basten für den WM-Kader nominiert. Auch Sebastian Deisler, junge Hoffnung des deutschen Fußballs, kam in die Schlagzeilen, weil er in der Saison 2003/ 04 wegen Depressionen behandelt wurde.

Der Preis ist hoch

Was versteckt sich hinter all diesen Ausfällen und Ausrastern? „Ständig bis an seine Grenzen zu gehen,führt zum Verlangen nach Ruhe und Ausgleich“, erklärt Makis Chamaladis. „Manche finden dies im Familienglück. Andere fliehen in eine Phantasiewelt voller Drogen und Phantasmen...“ Die Höchstleistung zwinge zu einem Leben, das „auf Exzesse ausgerichtet ist, in der Leistung, der Verausgabung und der Sucht“.

Verletzungen, Niederlagen, Finanzieller Druck… das sind nur einige der Gründe, warum einige Profis ihren klaren Kopf verlieren. Seit einigen Jahren ist deshalb mentales Coaching angesagt. Die Rolle des Coaches ist „die eines Erziehers, eines Managers, eines Vorbereiters“, sagt Chamaladis. Sie sollen den Sportlern zeigen, dass sie trotz allem Menschen sind, die ihre Stärken und ihre Schwächen haben. Ob sie gewinnen, verlieren, sich verletzen oder nicht…

Zahlreiche Fans würden gerne den Psychostreß der Fußballer herunterspielen, indem sie die Ausraster ihrer Idole als Laune verwöhnter Kinder interpretieren. Sie wissen nicht, welche Opfer man bringen muss, um an die Spitze zu gelangen. Die Trainingszeit in der Jugend geht für Familie und Schule verloren. Und wenn die Stunde des Karriereendes geschlagen hat und man nichts als Fußball gelernt hat, wird die Sache noch komplizierter. Die Neuorientierung ist die letzte Herausforderung und der kritischste Moment in der Karriere eines jeden Champions.

Vor allem für all die, die nicht so erfolgreich wie ein Zinedine Zidanes oder ein Ronaldhinho waren. Es gibt zwar ein Genie wie Maradona, der nach seinen Drogenexzessen seinen Fans als Sportkommentatoren im spanischen Fernsehen schöne Stunden beschert; oder Fußballer vom Schlage eines Eric Cantona, der sich trotz eines Gerichtsverfahrens wegen Körperverletzung wieder fasste und nun schauspielert und den Strandfußball in Frankreich fördert…

Aber wie viele Spieler bleiben auf der Strecke, wenn ihre Beine einmal verbraucht sind? Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, wurde im Mai 2006 der Verein der Europäischen Ex-Fußballspieler, EFPA gegründet. Sein Ziel? Allen Ex-Profis der UEFA bei ihrer zweiten Karriere zu helfen und ihnen ein Minimum an Lebensqualität zu garantieren: Damit ein wahr gewordener Kindheitstraum sich nicht in ein Alptraum verwandelt.