Human Zoo

Artikel veröffentlicht am 12. Februar 2009
Artikel veröffentlicht am 12. Februar 2009
Human Zoo Frankreich, 2008, 110 min Regie: Rie Rasmussen Darsteller: Rie Rasmussen, Nikola Djuricko, Nick Corey, Vojin Cetkovic, Hiam Abbass, Said Amadis Sektion: Panorama   Von Ole Skambraks Bonny & Clyde im Kosovo - so kommt das Spielfilmdebut der Dänin Rie Rasmussen daher, das das diesjährige Panorama der Berlinale 2009 eröffnete und schon bei der ersten Vorführung im Kinosaal das
Publikum spaltete: Lachen und Entsetzen wechselten sich ab und einige Zuschauer verließen während der Vorstellung den Saal. Der Film, der von der Regisseurin und Hauptdarstellerin Rasmussen am Donnerstag abend lapidar als "Liebesgeschichte" angekündigt wurde, entpuppte sich als beinharter Streifen: Auf der Folie des Kosovo-Krieges inszeniert er die Geschichte des lebenshungrigen Kriegsopfers Adria (Rie Rasmussen), die zur Hälfte Serbin, zur anderen Hälfte Albanerin ist, und des Deserteurs Srdjan (Nicola Djuricko). Beide fliehen aus der Region des damals umstrittenen serbischen Kosovo und schlagen sich als Waffenschieber und Gauner durch. Der andere Teil der Handlung spielt in Marseille, wo Adria später und unabhängig von Srdjan als illegale Einwanderin lebt. Beide Ebenen - die traumatische Kriegsvergangenheit und Adrias Suche nach Alltäglichkeit und Liebe in Frankreich - werden im Film mit Flash-Back-Sequenzen verknüpft. Die harte Konfrontation von Trauma und Liebe, Leiden und Leidenschaft geht jedoch im Unterschied zu den zahlreichen im Film zum Einsatz kommenden Messern nicht wirklich unter die Haut: Der Film ist keine authentische Aufarbeitung der serbischen Kriegvergangenheit noch ist er eine psychologische Studie. Adria ist ein "Freak", die das Spiel der Gewalt und des Überlebens zwar perfekt gelernt hat, es aber in keinem Moment zu ihrem eigenen macht oder daran verzweifelt. Und wenn die ästhetisierte Heldin dann irgendwann in Highheels über Leichen steigt, fragt man sich: Ist das "Human Zoo" oder "Human Hell"?

photo: Berlinale