Hoffnung vor Angst: Sadiq Khan ist Bürgermeister von London

Artikel veröffentlicht am 9. Mai 2016
Artikel veröffentlicht am 9. Mai 2016

London wird erstmals von einem muslimischen Bürgermeister geführt. Der Labour-Kandidat Sadiq Khan siegte am Freitag klar gegen den Konservativen Milliardärssohn Zac Goldsmith. Europas Presse feiert die Wahl der Londoner Bürger.

The Independent: Londoner wählen Hoffnung statt Angst; Großbritannien

Die Wahl Khans ist ein Beweis für die Weltoffenheit Londons, freut sich der Independent: „Der Sohn eines Busfahrers und einer Schneiderin, aufgewachsen in einem Sozialbau, ist offiziell der Bürgermeister Londons. Sadiq Khans unglaublicher Aufstieg ins höchste Amt der Hauptstadt macht ihn nicht nur zum ersten muslimischen Bürgermeister von London, sondern gleichzeitig zu einer Bastion für Multikulturalismus, Integration und soziale Mobilität. Khan bat die Londoner, Hoffnung vor Angst zu wählen; ihn dabei zu unterstützen Geschichte zu schreiben und gegen Islamophobie und Negativpolitik aufzustehen. Und ratet mal was? Die Londoner haben genau das getan. ... Wir sollten den Fakt feiern, dass London dem Rest der Welt gezeigt hat, dass Hoffnung stärker ist als Negativität und dass jeder, egal mit welchem Hintergrund, in dieser unglaublichen Stadt alles erreichen kann.“ (07/05/2016)

Der Standard: Glaube sollte egal sein, ist es aber nicht; Österreich

Auch für den Standard ist es ein hoffnungsvolles Zeichen, dass Sadiq Khans Kontrahent sich nicht durchsetzen konnte: „Sein Gegenspieler, der konservative Politiker Zac Goldsmith, setzte auf das in Europa derzeit um sich greifende Szenario, er setzte auf auseinanderdividierende Ängste und persönliche Untergriffe. Er verlor. Es ist tröstlich, dass konstruktive Politik jenseits von Panikmache in England durchaus eine Chance hat. Seit der Wahl mehren sich übrigens sowohl Stimmen, die Khan als Muslim feiern, der Bürgermeister wurde, als auch solche, die genau das verurteilen. Diese Hervorkehrung sei nicht passend. Einerseits haben diese Stimmen recht, es sollte 2016 egal sein, welches Glaubensbekenntnis oder welche Herkunft ein Bürgermeister hat. In einer Zeit, in der Schweineköpfe vor Moscheen landen, ist es aber gleichzeitig ein Geraderücken mancher Realitäten.“ (09/05/2016)

La Vanguardia: Integration ist möglich; Spanien

Ein Zeichen des Wandels der Gesellschaft sieht La Vanguardia in der Wahl des im Arbeiterviertel Tooting aufgewachsenen Muslims Sadiq Khan zum Bürgermeister Londons: „Dass Khan den aus einer jüdischen Bankerfamilie stammenden und am Elite-College Eton erzogenen Konservativen Goldsmith besiegt hat, zeigt, dass die Herkunft immer unwichtiger wird. [...] 'Ich möchte, dass alle Londoner dieselben Chancen haben, wie sie mir und meiner Familie zuteil wurden', sagte der neue Bürgermeister. Eine der größten Sorgen der europäischen Nationen sind die jungen Muslime, die sich aus gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Gründen ausgegrenzt fühlen und um die Fundamentalisten und Terroristen werben. Sadiq Khan könnte zum Vorbild dafür werden, dass Integration möglich ist. Eine exzellente Nachricht.“ (09/05/2016)

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