Hennings Europaturm

Artikel veröffentlicht am 14. August 2007
Artikel veröffentlicht am 14. August 2007

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Ohne den wöchentlichen Cartoon unseres Karikaturisten Henning Studte wäre der 'Turm zu Babel' nur halb so bunt.

Seit der Geburtsstunde des 'Turm zu Babel' schwingt Henning Studte, 48, die europäische Zeichenfeder für cafebabel.com. Woche für Woche trägt der gelernte Karikaturist und Pressezeichner, der für Blätter wie die FAZ, die Süddeutsche oder die Frankfurter Rundschau zeichnet, somit zur Völkerverständigung bei. In seiner ganz eigenen Sprache, versteht sich! Dort, wo die Sprachbarrieren von Zeit zu Zeit unüberwindbar scheinen, schafft Henning Studte mit einem Pinselstrich eine universelle Übersetzung, die von Portugal bis nach Estland verständlich ist. Porträt.

Henning, was hat Dich zum Zeichnen getrieben?

Während meiner Schulzeit hatte ich immer sehr viel Spaß daran, Lehrer nachzuahmen - ihre Aussprüche, ihre Sprechweise und Versprecher, ihre Gestik und Mimik. Nach der Schulzeit hatte ich den dringenden Wunsch, das Ulkige, Komische und Skurrile, das uns alle umgibt, mit dem Zeichenstift festzuhalten und durch Übertreibung etwas nachzuhelfen.

Wie inspirierst Du Dich für einen Turm?

Die Texte des Turms zu Babel erreichen mich immer am Freitag. Dann lese ich erst einmal nur den Text und lasse ihn in mir arbeiten.Dienstagabend ist der Text "reif", dann sind es nur noch wenige Stunden zum Redaktionsschluss. Meine Zeichenfeder und ich stehen beim Zeichnen auf Schwarz, ich mache mir einen Kaffee und sie bestellt schwarze Tusche. Dann die Farben gut gewässert, gemischt und umgerührt und auf das Papier gebracht - und ab geht die elektronische Post zur Redaktion in Paris.

Was bedeutet Dir der Turm zu Babel?

Die Texte vom Turm zu Babel sind mir über die vielen Wochen, in denen ich sie bebildern durfte, sehr ans Herz gewachsen. Ich lerne sehr viel über die Lebendigkeit und Treffsicherheit sowie die humorvolle Weisheit der einzelnen Sprachen. Sie bringen das Kunststück fertig, aus unzähligen, raumgreifenden Bildern einen komprimierten Text zu schaffen. Ich hoffe, dass es mir gelingt, zu diesen Texten Bilder zu zeichnen, die dem ein oder anderen Turmleser ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Wie hast Du den Weg zu cafebabel gefunden?

Ich hatte schon immer ein starkes Interesse am politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen. Für die Bürgerbewegung "Mehr Demokratie", die sich für Volksabstimmungen in Deutschland und auf europäischer Ebene einsetzt, habe ich eine Zeit lang Cartoons gezeichnet. Dort wurde ich auf cafebabel aufmerksam und habe mich gleich als Zeichner beworben.

Ist Europa eine Karikatur?

Europa ist auf keinen Fall eine Karikatur! Europa ist für mich eine große Hoffnung der Völkerverständigung und des Völkerverstehens, wie sie sich bei cafebabel und der international besetzten Redaktion im Kleinen schon erfüllt. Aber dieses Verstehen gelingt nur, wenn sich die europäischen Völker wie ein großes Orchester sehen, mit der Besonderheit, dass die Bürger Dirigent, Musiker und Zuhörer in einem sind. Nur sie sollten bestimmen, was gespielt und wie es gespielt wird. Sie sollten darauf achten, dass sich keiner in den Vordergrund spielt. Wenn alle Instrumente gut gestimmt und aufeinander abgestimmt sind, wird am Ende alles stimmig sein. Am besten geschieht das - die Sprache unterstreicht es wieder einmal - durch die Volksabstimmung. Ohne sie besteht die Gefahr, dass Europa alles "vergeigt" und ganz vom Spielplan genommen wird.