Held mit Haartolle

Artikel veröffentlicht am 25. Januar 2007
Artikel veröffentlicht am 25. Januar 2007

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Das Comicfestival in Angoulême vom 25. bis 28. Januar würdigt den belgischen Comiczeichner Hergé. Der Vater von „Tim und Struppi“ hätte im Mai 2007 seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Für Kunst interessierte sich der 1907 in Brüssel geborene Georges Remi zunächst nicht besonders. Dennoch wurde er später als Schöpfer von „Tim und Struppi“ berühmt und gewissermaßen von seinen eigenen Zeichnungen in den Schatten gestellt. Einen großen Einfluss übte sein Arbeitgeber Norbert Wallez auf ihn aus, ein recht eigensinniger Priester und Direktor der katholischen Tageszeitung „Le Vingtième Siècle“. Er beauftrage Hergé, die Kinderausgabe „Le Petit Vingtième“ zu erstellen. Daraufhin erblickte 1929 das Comic-Duo Tim und Struppi das Licht der Welt. „Tim im Lande der Sowjets“ war Hergés erstes Comic-Abenteuer, das in Serie ging. Es wurde auch als einzelner Band herausgegeben, damals noch in schwarz-weiß. Der Künstlername, unter dem der Zeichner weltberühmt werden sollte, sind seine umgedrehten Initialen (R.G.) – auf Französisch ausgesprochen.

„Mehr als zwei Millionen Bände von 'Tim und Struppi' werden jedes Jahr verkauft“, sagt Etienne Pollet vom Verlag Casterman. „Im Mai 2007 wird es die Bände in 77 nationalen und regionalen Sprachen geben. Erstaunlich ist dabei, dass nach dem Tode Hergés mehr Bücher verkauft wurden, als zu seinen Lebzeiten.“ Bis heute wurden über 200 Millionen Bände weltweit verkauft. Ein Trend, der ungebrochen anhält.

Weltreise auf dem Papier

Tim war für die Comic-Welt eine Revolution. Hergé erfand mit ihm den Stil der Ligne claire, der klaren Linie, verkörpert durch breite, schwarze Linien ohne Schatten oder Schattierungen. Wenn Farben verwendet wurde, dann waren sie kräftig und flächig. Dieser Stil inspirierte eine Reihe von Nachahmern und Anhängern in Belgien und anderswo. Durch die Reisen seines jungen Reportes mit der auffälligen Haartolle entdeckte auch Hergé die Welt – zumindest in seiner Fantasie.

Einige seiner Arbeiten sind berühmt für ihre Polemik. Sie spielen unter anderem im Kongo, Amerika, China und Ägypten. Allerdings sind seine frühen Werke nicht immer ganz wirklichkeitsgetreu. Für „Tim im Kongo“ kopierte Hergé zum Beispiel Bilder von Afrika aus dem Afrikanischen Museum in Brüssel. Diese Arbeitsweise änderte sich jedoch als er dem chinesischen Kunststudenten Zhang Chongren begegnete, seinem späteren Freund und Mentor. Er drängte Hergé zu mehr Hintergrundrecherche und zur Abkehr von Stereotypen. Im Heft „Der Blaue Lotos“ erschien der chinesische Freund Hergés als „Chang Chong-Chen“.

Neben Tim und seinem Hund Struppi schuf Hergé weitere Comic-Helden wie „Stups und Steppke“ (Quick et Flupke), zwei Lausbuben in Brüssel. Die Geschichten von „Jo, Jette und Jocko“ (Jo, Zette et Jocko), einem Geschwisterpaar mit ihrem Affen, erschienen in der französischen Comic-Zeitschrift „Coeurs Vaillants“.

Kontroversen in der Kriegszeit

Im Zweiten Weltkrieg musste „Le Vingtième Siècle“ schließen, Hergé zeichnete „Tim und Struppi“ von nun an für die belgische Zeitung „Le Soir“. Durch die knappen Papiervorräte während des Krieges lernte Hergé das Erzählen von kurzen, prägnanten Geschichten, was auch seine spätere Arbeit beeinflusste. Durch seine Mitarbeit bei „Le Soir“ löste er eine Kontroverse aus: die Zeitung wurde durch die deutschen Besatzer kontrolliert. Von Kriegsende bis 1946 veröffentlichte Hergé nicht mehr, da er der Kollaboration mit dem Feind beschuldigt wurde. Erst mit dem Tintin-Magazin, das er zusammen mit Raymond Leblanc herausgab, nahm Hergé die Arbeit wieder auf. Es wurde ein ebenso großer Erfolg wie die „Tim und Struppi“-Bücher, die der bekannte belgische Verlag Casterman herausbrachte.

1950 wurden die „Hergé Studios“ gegründet. Von da an entstanden die Comics durch die Zusammenarbeit von Künstlern, Schreibern, Koloristen und Publizisten. Hergé sorgte aber dafür, dass nur er allein den Charakteren Leben einhauchen konnte. 1977 heiratete Hergé seine langjährige Geliebte und Studio-Koloristin, Fanny Vlamynck. Sie hält bis heute Hergés Vermächtnis am Leben, auch lange nach seinem Tod im Jahr 1983. Drei Jahre später gründete sie zusammen mit ihrem zweiten Ehemann die Hergé-Stiftung.

Geburtstagsfeier in aller Welt

Zu Hergés 100. Geburtstag am 22. Mai 2007 werden eine Reihe von Veranstaltungen organisiert. Das Hauptereignis ist eine Ausstellung im Pariser Centre Pompidou, die bis zum 19. Februar läuft und von der Hergé-Stiftung organisiert wurde. In Belgien ist die Ausstellung allerdings umstritten. Die Belgier fühlen sich übergangen, da als Standort für die Ausstellung die französische Hauptstadt ausgewählt wurde.

Doch auch Belgien zollt Hergé Tribut. Obwohl die geplante Ausstellung im Brüsseler Musée des Beaux-Arts aus finanziellen Gründen abgesagt werden musste, wurde ein riesiges Fresko im Gare du Midi enthüllt, dem internationalen Hauptbahnhof Brüssels. Demnächst wird die „Place Hergé“ in Tournai eingeweiht. Hier im südlichen Belgien ist der Sitz des Verlages Casterman, der die Bände von „Tim und Struppi“ inzwischen auch im praktischen Kleinformat veröffentlicht. Im Juli wird auf dem Brüsseler „Place du Jeu de Balle“ ein Flohmarkt zum Thema „Tim und Struppi“ veranstaltet. Dieser Marktplatz erlangte durch den Comic Berühmtheit. Die Fluggesellschaft SN Brussels gestaltet ein „Tim und Struppi“-Flugzeug, Hergé und seine beiden Helden werden auf Briefmarken zu sehen sein. Einen kleinen Beitrag zu Hergé kann man im Belgischen Comic-Museum bewundern. Nach zehn Jahren der Planung wird 2007 außerdem der Grundstein für Hergés eigenes Museum in Louvain-La-Neuve gelegt.

Ereignisse im Hergé-Jahr

Frankreich

Interessierten empfiehlt sich das internationale Comic-Festival in Angoulême vom 25. bis 28. Februar und die Ausstellung im Centre Pompidou in Paris (bis zum 19. Februar). Hier werden sowohl Details aus Hergés Leben als auch die Entstehung seiner Comics gezeigt. Als Besonderheiten sind neben den originalen Druckplatten von „Der Blaue Lotos“ auch einige der damaligen Titelblätter von „Le Petit Vingtième“ zu bewundern. Im Museumsladen finden sich Bände mit Hergés anderen Arbeiten sowie Ausgaben von „Tim und Struppi“ in ihrem ursprünglich größeren Schwarz-Weiß-Format.

Schweden

Das Stockholmer Maritime Museum zeigt die Ausstellung „Tintin's Adventures at Sea“ (Tims Abenteuer auf See) von Juni 2007 bis Februar 2008.

Spanien

Die Barcelona Motor Show beherbergt eine Ausstellung im Mai 2007.

Kanada

In Quebec zeigt das Musée de la Civilisation bis Januar 2008 die Ausstellung „In Peru with Tintin“ (Mit Tim in Peru).

Informationen zu allen Veranstaltungen im Hergé-Jahr gibt es unter www.tintin.com.