Handelsströme: Clever handeln made in EU

Artikel veröffentlicht am 31. Oktober 2008
Artikel veröffentlicht am 31. Oktober 2008
Die Europäische Union ist ein Riese auf wackeligen Füßen. Sie mag zwar im internationalen Vergleich ein politischer Zwerg sein, aber sie ist immerhin die größte Wirtschaftsmacht.

Die EU ist noch vor Asien und den USA für mehr als 40% der internationalen Handelsbeziehungen verantwortlich. Ihre Stärke sind Fertigungsprodukte: hochwertige Autos, Produkte der Nahrungsmittelindustrie wie Wein oder Käse oder weltweit bekannte Finanzdienstleistungen. Das ist der Trumpf, den Europa im Wettbewerb mit Nordamerika und Asien aus dem Ärmel schütteln kann, während Südamerika und Afrika vor allem Zulieferer von Rohstoffen bleiben.

©Cremo/flickrEs herrscht also Bewegung auf europäischen Handelswegen, wobei der größte Teil des wirtschaftlichen Austausches unter Nachbarn stattfindet. Mehr als ein Drittel der Handelsbeziehungen finden innerhalb europäischer Grenzen statt. Deutschland, Frankreich und die Niederlande befinden sich unter den Top 5 der Exportländer. Im Gegensatz zu den USA sind die einzelnen Ökonomien der EU-Mitgliedstaaten aber nicht spezialisiert. In allen Ländern wird vielseitig produziert. Es gibt demnach viele Dopplungen: So gibt es Wein sowohl in Italien als auch in Frankreich und Spanien. Über den Geschmack lässt sich selbstverständlich streiten!

Jedes Land hat allerdings sein Faible: Deutschland produziert viele hochwertige Güter. Der Stempel „Made in Germany“ ©iirraa/flickrgilt als weltweites Gütesiegel und hat Deutschland weit vor China den Titel „Exportweltmeister“ eingebracht. Frankreich bevorzugt Wein und Luxusgüter, aber auch seine Atomindustrie trägt zum Gewinn bei. Das Vereinigte Königreich ist etwas weniger industriell und bevorzugt den Finanzsektor. London ist der wichtigste Finanzplatz in Europa. Spanien zieht Touristen aus aller Welt an und in den Niederlanden befindet sich einer der weltweit wichtigsten Häfen. Die skandinavischen Länder haben sich ihrerseits im Sektor der hochwertigen Technologien spezialisiert. Die Handelsbeziehungen ©jjmazo/flickrzwischen den europäischen Ländern sind also sehr intensiv. Die Abschaffung der Grenzen innerhalb des Schengen-Raums verstärkt diese Tendenz noch.

Was die Stärke der EU ausmacht, ist ihr gemeinsamer Markt. Die Einheit macht die Stärke, sagt man. Mit 495 Millionen Menschen, die ohne Grenzen handeln können, gibt es Spielraum für Bewegung. Die europäischen Unternehmen werden zunehmend transnational. Man plant in Frankreich, feilt in Deutschland aus, baut in Tschechien, exportiert aus den Niederlanden und die Finanzierung kommt aus Großbritannien. Die Tradition der Öffnung, die der europäischen Kultur zu Grunde liegt, fördert diesen Austausch und fördert gleichzeitig den Wettbewerb zwischen den einzelnen Ländern. Die Vielfalt der EU ist ihre stärkste Waffe gegen die Herausforderungen der Globalisierung.

Aber es ist nicht einfach, sich in diesem 'Kuddelmuddel' zu Recht zu finden. Das Label „Made in EU“ ist noch nicht sehr bekannt. Denn welche Nationalität hätte denn ein Auto, welches in Spanien erdacht, in Polen gebaut und in Italien verkauft wird? Etwas mehr Klarheit in dieser Sache zu schaffen ist zweifelsohne die neue große Herausforderung für die EU.

Die Unverzichtbaren

©megapiksel/flickrDas Vereinigte Königreich ist Europameister in Sachen negativer Handelsbilanz: 132 Mrd. Euro.

Deutschland ist Europameister in Sachen positiver Handelsbilanz: 195 Mrd. Euro.