Hält die Europa-Obama-Liebesbeziehung Enttäuschungen für uns bereit?

Artikel veröffentlicht am 19. Januar 2009
Artikel veröffentlicht am 19. Januar 2009

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Außerdem: Warum die Amerikaner die Europäer in Afghanistan brauchen und was der designierte Präsident mit Roosevelt gemeinsam hat. Ein Gespräch mit Martin Schain, Politikprofessor an der New York University.

Wie werden sich die transatlantischen Beziehungen mit Barack Obama im Amt entwickeln?

Grundlegende Probleme gibt es seit den 1950er Jahren. Die Amerikaner wollen, dass die Europäer öfter handeln, und die Europäer wollen, dass sich die Amerikaner mehr engagieren. Die Regierung unter Obama wird die Europäer dazu auffordern, stärker in Afghanistan vertreten zu sein. Die Europäische Union wird die Vereinigten Staaten beispielsweise dazu anhalten, sich stärker am Kampf gegen die globale Erwärmung zu beteiligen.

Der französische Außenminister Bernard Kouchner spricht von einer „Liebesbeziehung“ zwischen den Franzosen und Barack Obama.

Wenn Ihnen Clintons Außenpolitik gefallen hat, dann wird Ihnen auch Obamas gefallen. Er rekrutiert momentan aus Clintons Gefolgsleuten seinen außenpolitischen Stab. Der Unilateralismus hat natürlich mit dem Ende von Clintons zweiter Amtszeit begonnen, aber die Beziehungen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten werden sich mit Obama verbessern, denn der neue Präsident wird mehr Wert auf den Dialog legen und nicht dieselbe Terminologie verwenden wie die Busch-Regierung (wie z.B. das „alte“ und das „neue“ Europa). Kurz gesagt: die Konstanten werden bleiben, mit Ausnahme des Unilateralismus. Aber es wird auch unvermeidbare Konflikte geben.

Wie etwa in Afghanistan?

Ja. Die Amerikaner brauchen die Unterstützung der Europäer. Die Streitkräfte in Afghanistan sind überwiegend europäisch. Das könnte sich ändern, wenn die Obama-Regierung tatsächlich mehr Truppen dorthin entsendet. Aber sie werden auch die Europäer um mehr Truppen bitten. Außerdem werden Verhaltensregeln aggressiver werden. Aber es wird eine stärkere Konzentration geben.

Werden die Europäer von Obama enttäuscht werden?

82 % der Europäer waren für Obama - wie sollte da niemand enttäuscht werden? Aber er ist ein großartiger Politiker. Ich meine, er hat Hillary Clinton geschlagen! Er hat die beste Wahlkampagne auf die Beine gestellt, die ich je gesehen habe, mit gut aufgestellten Organisationen in allen 50 Bundesstaaten. Er ist der einzige Kandidat, der sein Team nie umstrukturiert hat. Außerdem ist er ein Mensch mit einem feinen Gespür für Öffentlichkeitspolitik. Er ist wie Bill Clinton, außer in zwei Punkten. Er ist sehr gut organisiert, und er hält, was er verspricht.

Wer ist Obamas Vorbild?

Roosevelt. Wir leben in einer ähnlichen Zeit wie die der Präsidentschaft Roosevelts. Er war flexibel, verstand es, mit der Öffentlichkeit umzugehen, und war ein äußerst fähiger Mann.

Kann Obama der erste Weltpräsident werden?

In gewisser Weise ja. Er spricht die ganze Welt an. Erinnern Sie sich nur an seine Rede in Berlin [am 24. Juli 2008]. Er hat in Indonesien gelebt. Er hat mit Sicherheit eine internationale Ausstrahlung. Er ist kein Afroamerikaner. Er ist der Sohn eines Einwanderers. In gewisser Weise ist er Afrikaner und Amerikaner. Seine Familie hat die Sklaverei erlebt, allerdings auf der Seite seiner weißen Mutter, deren Familie Sklaven gehalten hat.