HALMA: Literatur netzwerkelt in Europa

Artikel veröffentlicht am 28. Juli 2008
Artikel veröffentlicht am 28. Juli 2008
Im Jahr 2006 entstand ein Netzwerk verschiedener Kulturstiftungen des Kontinents, mit dem Ziel, den Grundstein für eine europäische Literatur zu legen. Nun ging die entsprechende Webseite online.

Der Name dieses gesamteuropäischen Literaturnetzwerks - HALMA - inspiriert sich an dem gleichnamigen Brettspiel, dessen moderne Version von dem amerikanischen Schönheitschirurg George Howard Monks entwickelt wurde. Denn bei diesem Spiel werden die gegnerischen Steine nicht "rausgeworfen", um die eigenen voranzubringen, sondern bilden gewissermaßen eine Brücke, um vom Start zum Ziel zu gelangen. Im Sinne dieser Metapher gibt HALMA Persönlichkeiten aus den verschiedenen Literaturszenen der einzelnen Länder die Möglichkeit, in und für Europa zusammenzuarbeiten. HALMA ist ein Netzwerk für Autoren, Übersetzer und Verleger und soll zur Ausprägung einer europäischen Literatur beitragen. 

Gegründet wurde das Netzwerk im November 2006 vom Literarischen Colloquium Berlin e.V. in Kooperation mit der deutschen Robert Bosch Stiftung und der polnischen Borderland Foundation aus Sejny. Mit Vertretungen in Bulgarien, der Tschechischen Republik, Estland, Deutschland, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Serbien und Slowenien konzentriert sich die Aktivität bislang vorwiegend auf Mittel- und Osteuropa. 

Reisestipendien für Autoren

HALMA ist nicht nur ein Netzwerk, sondern fördert auch ganz konkrete Initiativen. Für Autoren, Übersetzer oder Journalisten werden Stipendien für jeweils zwei Monate angeboten. Diese Stipendien in Höhe von monatlich 1.000 Euro ermöglichen es den Gewinnern, in Länder zu reisen, in denen es HALMA-Niederlassungen gibt, und dort eigene Werke zu präsentieren. Nach der Reise schreiben die Stipendienempfänger über ihre gesammelten Erfahrungen ein Essay, das in der Online-Bibliothek von HALMA veröffentlicht wird. Bisher wurden sechs Stipendien vergeben. Die Gewinner (Urs Faes, Fatos Kongoli, Filipa Melo, Annette Mingels und Richard Obermayr) kommen aus Deutschland, der Schweiz, Portugal und Österreich und sind zwischen 30 und 50 Jahre alt.

©halma-network.eu/stipendien

Anlässlich der Präsentation von HALMA in Berlin zitierte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier Timothy Garton Ash: "Europa läuft Gefahr, die Kontrolle zu verlieren. Die Leute wissen nicht, warum Europa existiert und wozu es gut ist. Was wir nach Ansicht von Ash brauchen, ist eine neue Belletristik. Und HALMA setzt auf Literatur 'made in Europe'". Nun will sich HALMA auch in Richtung Westeuropa stärker öffnen. Im Juni 2008 haben sich das Writers’ House aus Jyväskylä in Finnland, das Logvinov Publishing House aus Minsk und das M.E.E.T. (Maison des Écrivains Étrangers et des Traducteurs) aus Saint-Nazaire in Frankreich dem Netzwerk angeschlossen. Letzteres ist gemeinsam mit dem Passa Porta International House of Literature aus Brüssel der zweite große Schritt in Richtung Westen.

Hier geht es zu HALMA: www.halma-network.eu