Hail, Caesar! Triumph der Coen-Brüder eröffnet Berlinale

Artikel veröffentlicht am 12. Februar 2016
Artikel veröffentlicht am 12. Februar 2016

Gestern hat die 66. Berlinale mit Hail, Caesar! der Coen-Brüder eröffnet. Eine rhythmische Komödie voller Humor und Spitzfindigkeiten, präzisem Storytelling, perfekt geölter Umsetzung und Starbesetzung. 

Die Lichter werden gedimmt, bevor es im Saal völlig dunkel wird. Vor uns erscheint das Logo der verschiedenen Goldenen Bären und bald auch die kleine Melodie, die unmittelbare Erinnerungen weckt. Wieder sitzen wir in den bequemen Sesseln der Kinosäle am Potsdamer Platz. Eine Horde von Journalisten wartet gespannt im Dunkeln auf den Eröffnungsfilm des 66. Berliner Filmfestivals: Hail, Caesar! der Coen-Brüder – in internationaler Vorpremiere, Ladies & Gentlemen.

Einstieg mit Paukenschlag

Hail, Caesar! ist ein virtuoser, farbenfreudiger und ausschweifend fröhlicher Film, der uns hinter die Kulissen von Hollywood während der 1950er Jahre mitnimmt. Der Zuschauer folgt den Schritten von Eddie Mannix (Josh Brolin), einem Fixer, dessen Aufgabe es war, allerlei spontane Probleme auf den Filmsets der berühmt-berüchtigten Studios in Los Angles aus dem Weg zu räumen.

Weiterhin präsentiert die Coen-Komödie ein uneheliches Kind der Wasserballet-Startänzerin Anna DeeMoran (Scarlett Johansson, in einer Mischung aus Jessica Rabbit und Arielle), die Professionalität von Laurence Laurentz (Ralph Fiennes, ganz in britischer Zurückhaltung) und die plumpen Manieren eines Anfängers, meisterhaft verkörpert von Hobie Doyle (Alden Ehenreich). Doyle scheint gerade einem Western entsprungen zu sein, mimt aber in Hail, Caesar! nun den spitzfindigen Intellektuellen. Burt Gurney (der unglaubliche Channing Tatum als tanzender Seemann und Stepptänzer), träumt seinerseits heimlich vom Kommunismus.

Doch der größte Coup ist wohl das plötzliche Verschwinden des Megastars Baird Whitlock (Clooney, in Kombi mit den Coen-Brüdern immer ein Knaller), während er den Blockbuster des Jahres drehen soll. Auf ihm ruhen alle Hoffnungen. Die Studios haben mörderisch hohe Summen für den neuen Film hingeblättert.

Beim Versuch Whitlock ausfindig zu machen, begibt sich Mannix (inspiriert vom wahrhaftigen Produktionschef der MGM Studios) auf den Weg durch verschiedene Kulissen von Broadway-Produktion bis Musical. Dabei lässt er die Magie Revue passieren, mit der die Hollywood-Maschine in ihrem goldenen Zeitalter Träume auf der Leinwand zum Leben erweckte.

Als Mann für alles kontrolliert Mannix ebenfalls die alltäglichen Abläufe im Kinosaal und kreiert zusammen mit seiner treuen Sekretärin amüsante Referenzen. Im stockfinsteren Schnittraum versucht Schauspielerin Frances McDormand mit Kippe im Mundwinkel und Fuß auf dem Pedal Filmrolle und Schere zu zähmen.

Der sichtliche Spaß, den Schauspieler und Regisseure beim Filmdreh hatten, ist durchaus ansteckend. Man verbringt anderthalb Stunden mit zahlreichen Lachern und einem begeisterten Publikum, das sich spielerisch leicht auf diesen Spaziergang durch die verschiedenen Kulissen und die Intrige, gespickt mit Augenzwinkern und Anspielungen, einlässt.

Von Komparsen mit zweifelhaften Intentionen bis hin zur Journalistin (Tilda Swint) auf der Jagd nach dem nächsten Scoop, vorbei an der Diva und dem Drehbuchautor, die nach Anerkennung dürsten: Gern lassen wir uns von den Coen-Brüdern in diesen liebevollen Spott über Hollywood hineinziehen. Es ist ein Milieu, das überzeichnet und gleichzeitig so köstlich anziehend wirkt. Im Hintergrund scheint dabei immer die rhythmisch meisterhaft umgesetzte Intrige durch, die nie den beißenden Humor und die Liebe der Coen-Brüder für die Siebte Kunst aus dem Blick lässt.

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Hail, Caesar! von Joel & Ethan Coen: Kinostart am 18. Februar 2016

Ich bin ein Berliner - dieser Artikel stammt von unserem cafébabel Berlin-Team.