Griechen-Krise: Papandreous Kampf gegen Minotaurus

Artikel veröffentlicht am 16. Juni 2011
Artikel veröffentlicht am 16. Juni 2011
Der griechische Premier Giorgos Papandreou wird am heutigen Donnerstag sein Kabinett umbilden und am Sonntag die Vertrauensfrage stellen. So will der Sozialist regierungsfähig bleiben angesichts anhaltender Proteste im Land und den am Mittwoch gescheiterten Gesprächen mit der Opposition. Die Presse hält ihn für den richtigen Mann und fordert mehr Geld für Athen, auch von Banken.

Financial Times Deutschland: Niemand mit besseren Voraussetzungen, Griechenland aus dem Sumpf zu ziehen; Deutschland

Dass Griechenlands Premier Papandreou die Vertrauensfrage stellt und nicht zurücktritt, findet die wirtschaftsliberale Financial Times Deutschland gut und richtig: "Für die Fehlentwicklungen der Vergangenheit kann man Papandreou nicht direkt verantwortlich machen, weil seine Partei erst im Oktober 2009 an die Macht gekommen ist. Seit Ausbruch der Schuldenkrise hat der Sozialdemokrat so ziemlich alles getan, was die Europäer und der Internationale Währungsfonds (IWF) von ihm verlangt haben - für sein eigenes Volk offensichtlich zu viel. [...] Fachlich hat wahrscheinlich ohnehin keiner bessere Voraussetzungen, Griechenland aus dem Sumpf zu ziehen. Aber politisch umsetzen können sein Programm augenscheinlich nur alle zusammen. Auch die Opposition muss die Einschnitte mittragen. Gerecht wäre das." (Artikel vom 16.06.2011)

Tiroler Tageszeitung: Spirale nach unten, die aus eigener Kraft nicht zu stoppen ist; Österreich

Zur Rettung Griechenlands müssen die EU-Länder sowie private Gläubiger einen Schuldenerlass gewähren und selbst in die Tasche greifen, meint die liberal-konservative Tiroler Tageszeitung: "Dass nach dem finanziellen jetzt auch noch ein politisches Chaos auszubrechen droht, ist bitter genug. Aber welche Regierung in den nächsten Monaten auch immer am Ruder sein wird: Sie muss unter dem massiven Druck aus dem Ausland und trotz Massenprotesten im Land zu retten versuchen, was kaum noch zu retten ist: Mit neuen, beinharten Sparprogrammen, welche dann leider auch die lahmende Konjunktur und damit die Steuereinnahmen noch weiter nach unten reißen, und mit dem Abverkauf von Familiensilber. Eine Spirale nach unten, die aus eigener Kraft nicht zu stoppen ist. Den EU-Ländern bleibt gar nichts anderes übrig, als weitere Milliarden für Athen lockerzumachen, um Schockwellen an den internationalen Finanzmärkten zu verhindern. [...] Und zahlen kann nicht immer nur die öffentliche Hand, sondern auch private Gläubiger, sprich vor allem Banken und Versicherungen." (Artikel vom 16.06.2011)

Avgi: Wir stehen am Anfang großer Umbrüche; Griechenland

Während der griechische Premier Giorgos Papandreou im Parlament um seine Regierungsfähigkeit ringt, protestierten am Mittwoch auf den Straßen erneut Zehntausende gegen die Sparpläne. Der Protest tut Griechenland gut, meint die linke Tageszeitung Avgi: "Es ist ein Schritt in Richtung einer neuen Einheit des Volks. Diese ist für den kritischen Kampf notwendig, damit unser Wohlfahrtsstaat nicht beschädigt wird, damit unsere Demokratie nicht geschwächt wird, damit das Land nicht verkauft wird, und damit wir uns nicht den Befehlen unserer Gläubiger unterwerfen. [...] Es ist nicht nur die Wirtschaftskrise und der Alptraum der Arbeitslosigkeit, welche die Wut der Bürger vergrößern, sondern auch das üble Zwei-Parteien-System, wie wir es seit dem Machtwechsel [1974 nach dem Ende der Militärdiktatur] kennen. Das zerfällt nun. [...] Wir stehen am Anfang großer Umbrüche." (Artikel vom 15.06.2011)

Magyar Nemzet: Jede Option führt in die sichere Pleite; Ungarn

Die EU zögert den Bankrott Griechenlands nur unnötig heraus, meint die konservative Tageszeitung Magyar Nemzet: "Das Schicksal der Griechen werden wir uns noch lange Zeit in Erinnerung rufen können als Beispiel dafür, was Hilfe wert ist, die Geld auf eine Weise gibt, dass das Opfer daran erstickt und zugleich ausgenommen wird. [...] Es sieht ganz danach aus, dass jede Option, auch jene der Finanzhilfe, in die sichere Pleite führt. [...] Offenbar wird heute im Westen nur noch auf Zeit gespielt mit dem Ziel, den Todeskampf Griechenlands zu verlängern. Solange eben, bis Athen am Ende aus dem 'Paradies' vertrieben wird, sprich den Griechen die Gemeinschaftswährung weggenommen wird. Vielleicht würden die Griechen damit sogar besser fahren." (Artikel vom 16.06.2011) 

Foto: (cc)Mau Alcântara/flickr