Grexit: Politik tief in der Flasche

Artikel veröffentlicht am 16. Juli 2015
Artikel veröffentlicht am 16. Juli 2015

50 Cent. So viel kostet eine 20 ml-Flasche des „Grexit“-Wodka mit Zitrone. Der westfälische Unternehmer Uwe Dahlhoff hatte sich schon Ende Januar beim deutschen Patentamt die Marke „Grexit“ schützen lassen. In der europäischen Presse hat sich der Begriff mittlerweile als Synonym für den möglichen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone etabliert.

Die Zeiten, als Griechen und Deutsche ein herzliches Verhältnis pflegten und gemeinsam gefeiert wurde, etwa nach dem legendären Sieg der Griechen in der Fußball Europameisterschaft 2004, scheinen leider vorerst vorbei. Geschäftsmann Dahlhoff ist sich allerdings sicher, dass trotz des gespannten politischen Verhältnisses sein Produkt in beiden Ländern positiv gesehen und mit Humor genommen werde. Zumindest der griechische Journalist Aggelos Andreou stimmt ihm zu: Er findet die Idee „lustig und kreativ“. Seiner Aussage nach gibt es auch Griechen, die das Produkt beleidigend finden würden, aber „das sind Leute, denen es an Humor fehlt“. Der deutsche Unternehmer sieht sein Produkt auch als „Denkanstoß für die deutsche Bevölkerung“, damit ein wenig mehr über die verzwickte Situation für Griechenland nachgedacht wird.

Der Wodka-Lemon mit 16 Volumenprozent ist nicht die erste potenziell anstößige Spirituose, die Dahlhoff auf den Markt bringt: Zuvor hatten es bereits unter anderem „Helmuts Birne“, ein Birnenschnaps in Anspielung auf Altkanzler Helmut Kohl, und der Kräuterlikör „Erichs Rache“, der Erich Honecker und Ostalgie aufs Korn nimmt, ins Supermarktregal geschafft.

Da das griechische Nationalgetränk Ouzo bisher nur in seinem Heimatland hergestellt werden darf, entschied sich Dahlhoff also für die russische Variante: Wodka. Die Frage, ob es ihn störe, dass es nun nicht der Anisschnaps geworden sei, kommentiert Dahlhoff mit: „Es wäre natürlich schon das Optimum gewesen, Ouzo abzufüllen, aber im Grunde ist er ja ein nationales griechisches Getränk und das soll er auch bleiben.“

Nachdem er nun die russische Version wählte, drängte sich allerdings die Frage auf, ob er jetzt die Karte verspielt habe, ein Produkt herauszubringen, das sich mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin beschäftigt. Dahlhoff gibt zu bedenken, dass Putin nicht so einfach zu vermarkten sei. „Da müsste schon was ganz Außerordentliches passieren.“ 

Für die Weitervermarktung der Marke „Grexit“ mag ausschlaggebend sein, dass diesen Montag die Entscheidung der Euroländer fiel, Griechenland mit einem neuen Programm zu unterstützen. Auch wenn es im Moment also so aussieht, als wäre der „Grexit“ erstmal vom Tisch, hat der Spirituosenerfinder schon einen Schritt weitergedacht: Im Falle eines tatsächlichen Austritts des südeuropäischen Landes aus der Eurozone will er einen Energydrink mit demselben Namen auf den Markt bringen. Dies soll als Metapher dafür gelten, dass  „es durchaus möglich ist, nach einem möglichen Grexit die Power zu haben, sich zu rehabilitieren. Denn meiner persönlichen Überzeugung nach werden die Griechen ganz schön hart rangenommen. Die Menschen, die dort leben, können ja nun wirklich gar nichts für die Umstände.“ 

Der Geschäftsmann gibt auch an, gar nicht vorgehabt zu haben, ernsthaft etwas mit seiner Idee anzufangen, bis die Wirtschaftswoche ohne sein Zutun über das Patent recherchierte, nachdem er es hatte schützen lassen: „Dann kam ich natürlich aus der Nummer nicht mehr raus. Die hätten so oder so berichtet. Von daher wurde ich auch dazu ‚gezwungen‘, Produkte herzustellen.“

Eins scheint sicher: Dahlhoffs unternehmerischer Geist und seine Kreativität sind noch lange nicht erschöpft. Im Moment hat er nach eigener Aussage kein Projekt im Auge, denn „es ist natürlich immer davon abhängig, was gerade in der – politischen – Welt passiert.“ 

Der Online-Verkauf in Deutschland läuft bereits auf Hochtouren. Wie viele Griechen die satirische Spirituose am Ende erwerben werden, bleibt allerdings offen. Na dann, Prost und jamas!