Gleichberechtigung: In kleinen Schritten zur Chefetage

Artikel veröffentlicht am 14. März 2012
Artikel veröffentlicht am 14. März 2012
Glückwünsche an die Polinnen, und mein Beileid den Estinnen. Frauen Europas – wir sind nicht gleich. Nicht einmal die Ungerechtigkeit der Gehaltsschere eint uns. Während Männer in Polen 2% mehr verdienen als Frauen, bekommen sie in Estland 27% mehr Lohn. Selbst das europäischen Mittel liegt bei 17%.

 „Gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ - unter diesem Motto stand ein Treffen, das am 5. März in Madrid stattfand. Erfolgreiche Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Unternehmen, Kunst und Kommunikation diskutierten, warum diese Ungleichheit bis ins 21. Jahrhundert hinein besteht. Das Thema scheint ein rein weibliches Anliegen zu sein. Zumindest der Beteiligung nach zu urteilen: Die überwältigende Mehrheit waren Frauen. Einer der wenigen anwesenden Männer glaube dennoch zu wissen, wer an der Gehaltsmisere Schuld ist: „Ich glaube nicht, dass irgendein Unternehmer einer Frau weniger bezahlt, nur weil sie eine Frau ist." Vielmehr suche der Vorstand einfach nach der billigsten Lösung. "Und leider fordern viele Frauen weniger Lohn als ein Mann dies an ihrer Stelle tun würde. Sie verkaufen sich unter Wert.“ Nuria Chinchilla, Vorsitzende von NCH&Partners und Mitglied von Top Ten Management Spain, bestätigt dies: „Frauen haben große Hemmungen, über ihr Gehalt zu verhandeln, aus Angst davor, was die anderen sagen könnten.“

Die europäische Quotenpolitik

Für Frauen regnet es derzeit noch kein Geld

Viviane Reding, EU-Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft, will bald einen Gesetzesentwurf vorlegen, der die Unternehmen verpflichtet, einen bestimmten Anteil ihrer Führungsposten an Frauen zu vergeben. Die berühmte Quote, die immer noch (und wohl noch länger) auf dem Prüfstand steht. Und sie ist eine alte Bekannte des EU-Parlaments. Über die neue Resolution wurde am 28. Februar in der Frauenrechtskommission abgestimmt. Auch in der Plenarsitzung vom 12. bis 15. März wird sie ein Thema sein. Die Europaabgeordneten wollen, dass Frauen in Politik und Wirtschaft präsenter sind. Ihr Anteil an den Verwaltungsräten in Europa soll 2015 auf 30%, und bis 2020 auf 40% steigen.

Doch nicht alle in Europa halten die Quote für eine gute Idee. Auf der einen Seite stehen Frankreich, Italien und Belgien, die eine Einführung befürworten. Auf der anderen Seite Schweden, Irland und das Vereinigte Königreich, die dagegen sind. Spanien ist unentschlossen. Bei der letzten öffentlichen Debatte der Arbeitsminister am 17. Februar, äußerte sich das Land nicht. Die Lage in Spanien scheint auch ohne Auote voranzukommen: Seit 2006 gelang es den Frauenanteil in Führungspositionen von 4% auf 11,5% zu erhöhen. Kein Grund für Glückwünschen und Schulterklopfen: Carmen García Cruz in der Gewerkschaft UGT zuständig für Frauen, weist darauf hin, dass diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind. Nicht vergessen sollte man den starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. Viele Männer verloren ihre Stellen - und plötzlich standen die Frauen gar nicht mehr so schlecht da. Nun gibt es prozentual zwar mehr Frauen in Führungspositionen. Aber auch mehr Männer in der Arbeitslosigkeit.

Frauen sind realistisch: Sie erwarten nicht zuviel

"Frauen finden sich mit der Situation ab"

Und schließlich das ewige Problem: Die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie. Zwar kamen an den Universitäten mittlerweile 135 Frauen auf 100 Männer. "Doch Frauen denken immer noch, dass sie sich entscheiden müssen", sagt Eva Levy, Direktorin der Abteilung "Frauen in Aufsichtsräten" bei Excellent Search.  "Ralistisch wie sie sind, erwarten Frauen nicht allzuviel von ihrer Arbeit. Sie finden sich mit der Situation ab."

Doch wir sind bereits einen Schritt vorangekommen. Teresa Jiménez Becerril, Europaabgeordnete der Europäischen Volkspartei, erinnert sich: „Es nicht lange her ist, dass wir Frauen einen Mann um Erlaubnis bitten mussten, um arbeiten zu können“. Aber es liegt noch eine weite Strecke vor uns. Nehmen wir zuletzt das Europaparlament als Spiegel, dass die Stuation in Europa reflektiert.  Dort liegt der Frauenanteil bei 35%, gegenüber 26% in den nationalen Parlamenten. Von 22 parlamentarischen Kommissionen haben acht einen weiblichen Vorsitz. Es ist noch ein weiter Weg zu gehen.

Fotos: Homepage (cc)stinkie/pinkie/flickr; Im Text (cc)TheeErin/flickr