Gianni Minà (Die Macht des überprüfbaren Journalismus)

Artikel veröffentlicht am 7. November 2007
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Artikel veröffentlicht am 7. November 2007
Die Verantwortlichen des diesjährigen Europäischen Filmfestivals in Sevilla haben sich entschieden, Gianni Minà für seine sechsteilige Dokumentarserie über Fidel Castro zu ehren. Gianni Minà ist ein italienischer Journalist und bezeichnet sich selbst als „Wahrheitsfanatiker“.
Aus diesem Grund verwendet er in seinen Projekten viel Zeit darauf, alle Daten genau zu prüfen und sie sogar zu dementieren, wenn sich im Nachhinein eine Unwahrheit herausstellt. Genau diese Bemühungen gaben den Anlass, für die Ehrung, die ihm dieses Jahr zuteil wurde. Obwohl er als Sportjournalist begann entwickelte sich seine Arbeit durch sein Interesse an den „Problemen des Volkes“ hin zum Politikjournalismus. Dies war genau der Grund, warum er sich entschied 1987 ein Interview mit Fidel Castro zu führen, das wir in diesen Tagen in aufgegliederter Form sehen können und das die Reihe „Fidel erzählt Che“ (Fidel cuenta al Che) eröffnet. Miná erzählt, dass die Ausarbeitung des Interviews etwas Besonderes war. Nach 16 Stunden mit Fidel entdeckte er, dass Castro nicht dem typischen Staatsoberhaupt entspricht, sondern sich durch seine Art zu Handeln von anderen Staatschefs unterschied. Als man Minà fragte, welche Rhetorik Castro benutzte, antwortete Minà, dass er sie sehr wenig einsetzte, deutlich weniger als andere Staatsoberhäupter, die er interviewt hatte. Er vertritt die Ansicht, dass man in Europa einer großen Fehlinformation über Castro Glauben schenkt und vor allem, dass man auf dem alten Kontinent immer noch das Bild des alten Castros vor Augen hat und nicht in der Lage ist sich mit ihm zu entwickeln. Wenn es etwas gibt, was Minà genauso am Herzen liegt wie das Ziel in Europa ein realistisches Bild von Südamerika zu vermitteln, dann ist es der Kampf für einen freien und demokratischen Journalismus. Genau aus diesem Grund ist er auch Mitglied in einer Organisation demokratischer, italienischer Journalisten. Er beobachtet, wie viele andere Italiener, mit Beunruhigung die Einschränkung der Pressefreiheit und die Benutzung der Medien, die von der italienischen Regierung vorgenommen wird. Minà ist bereits dabei seinen nächsten Dokumentarfilm vorzubereiten, der, so wie er sagt, so gut wie sicher, das letzte seiner großen Projekte sein wird.

Gianni_Min___1_.JPGSara Domínguez Martín

Übersetzt von

Björn Gillmann