Gesucht und gefunden - der Sinn des Lebens

Artikel veröffentlicht am 12. April 2012
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Artikel veröffentlicht am 12. April 2012
Cafebabel-Autorinnen Sandra Wickert und Juliette Vazard sind in Berlin und Lodz auf die Suche nach dem Sinn des Lebens gegangen - in Form einer Stadtralley. Lest selbst, was sie dabei erlebt haben!

"Theo, wir fahr'n nach Lódz" von Sandra Wickert

"Looking for the Meaning of Life… in Lodz" von Juliette Vazard

von Sandra Wickert

„Theo, wir fahr'n nach Lódz“ - dieses Lied kommt wohl den meisten Deutschen in den Sinn, wenn sie den Namen der Stadt Lódz hören. Vielleicht wissen sie noch, dass es neben dem Schlager von Vicky Leandros auch noch eine spaßige Version des Komikers Otto gibt. Aber sonst? Wenn man, wie in meinem Fall, keinerlei verwandtschaftliche oder freundschaftliche Verbindungen zu Polen hat und es bisher noch nichtmal auf eine Stippvisite ins eigentlich sehr nah gelegene Nachbarland geschafft hat, dann kommt so eine City Rallye gerade recht. Veranstaltet von Alumni der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und von Aódzkie Stowarzyszenie Inicjatyw Miejskich ("Topografie") soll die Schnitzeljagd, die zeitgleich in Lódz und Berlin stattfindet, die Neugier auf beide Städte und ihre Bewohner wecken. Und ganz nebenbei soll auch noch „der Sinn des Lebens“ gefunden werden.

susilodz_2_.JPG Voller Einsatz von Susi: bunte Hände bringen die Höchstpunktzahl! (Foto: S. Wickert)

Klingt ja eigentlich ganz spannend. Da ich einen Teampartner brauche, plane ich kurzerhand meine Freundin Susi ein, die mich nach der Babypause für ein paar Tage in Berlin besuchte. Vielleicht kann sie uns mit ihren slawischen Wurzeln - ihre Eltern sind Tschechen - einen entscheidenden Vorteil verschaffen? Der Tag der City Rallye ist gekommen und beginnt gleich mit einer Ernüchterung: Während wir als „Team Maerchenbrunnen“ frierend bei Sturm und Nieselregen auf dem Gendarmenmarkt bereit stehen, hat unser polnisches Partnerteam kurzerhand das Handtuch geschmissen - in Lódz scheint es wettertechnisch auch nicht besser auszusehen. Zum Glück sind die restlichen Lódzer hochmotiviert angetreten und heiß auf's Gewinnen. Neben uns haben sich in Berlin noch acht andere Teams eingefunden, die meisten scheinen einen polnischen Hintergrund oder zumindest irgendwelche Connections nach Lódz zu haben. Mist, ob das mal nicht zu unserem Nachteil ist? Egal, los' geht’s, nachdem uns Vojislav in Gestalt eines Geistes (des Berlin-Lódzer Textilpioniers Ludwik Geyer) ein paar wertvolle Hinweise gegeben hat.

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Edyta freut sich über ein gelungenes T-Shirt-Design (Foto: S. Wickert)

Unsere erste Station ist die das Grimm-Zentrum, eine Uni-Bibliothek, wo wir per Skype mit einem Lódzer Team das Ratespiel „Wer bin ich“ spielen. Mein polnischer Ratefuchs hat schnell erraten, dass er „Biene Maja“ ist und ich erfahre, dass die Heldin meiner Kindheit auch in Polen ganz schön bekannt ist. Mit dem Fußballer „Robert Lewandowski“ hatten wir eine härtere Nuss zu knacken. Zum Glück durften wir meinen fußballaffinen Freund als Telefonjoker nutzen. Zudem gelernt: „Lukas Podolski ist doch kein echter Pole!“

Eine weitere Station ist das Kunsthaus Tacheles, wo wir mit Acrylfarben T-Shirts im postindustriellen Design kreieren dürfen. Warum? In Lódz war einst eine der wichtigsten Textilindustrien Polens ansässig, die nach der Wende zu Grunde ging, jetzt aber durch junge Designstudenten wiederbelebt wird. Standbetreuerin Edyta gefallen unsere Kreationen 10 von 10 Punkten für diese Aufgabe, bingo! Um einiges schwerer wird es dann im polnischen Kulturinstitut, als wir, wieder per Videokonferenz, mit einem Lódzer Team verschiedene Fotos mit Stadtansichten jeweils Berlin oder Lódz zuordnen sollen. 14 von 21 Punkten, die wir wohl hauptsächlich unseren polnischen Mitratern zu verdanken haben....danke an dieser Stelle an Unbekannt, leider haben wir total vergessen, uns gegenseitig vorzustellen!

Bild_2.png Markus und seine Freundin haben sich auf die Rikscha getraut (Foto: C. Schmidt)

Ein paar weitere Aufgaben haben wir auch noch geschafft: Wir haben wildfremde Menschen angesprochen, um etwas über den Sinn des Lebens zu erfahren, haben ominöse Worte an Bauzäunen und Bushaltestellen gesucht aber die Rikscha, ein beliebtes Lódzer Fortbewegungsmittel, sind wir dann doch nicht gefahren mein Fahrradsturz und Fußbruch ist noch nicht lange genug her. Alle Stationen waren leider nicht möglich, wie schnell doch vier Stunden vergehen! Unsere Euphorie über gewonnene Punkte sowie unsere Flüche über das Aprilwetter wurden von Kamerafrau Lene festgehalten, die uns tapfer durch den Regen, Sturm und Hagel gefolgt ist und sich auch von unseren Abschüttelversuchen nicht hat beirren lassen.

Bei der anschließenden Siegerehrung im „Club der polnischen Versager“ die große Überraschung: „Team Maerchenbrunnen“ hat das Treppchen auf dem 2. Platz erklommen! Platz eins, eine Reise nach Lódz, hatten sich Andreas und Johann als Team „Sparfuchs“ redlich verdient, bestimmt haben sie mutig ein paar Runden mit der Rikscha gedreht. Wir werden immerhin mit einem Design-T-Shirt und einem Bildband über Lódz entlohnt. Aufgrund technischer Schwierigkeiten - das Internet! - kam eine Verbindung nach Lódz leider nicht zustande. Zum Glück berichtet Korrespondentin Juliette aus Polen. Ich bin gespannt, welche Aufgaben die Lódzer lösen mussten und was sie über Berlin gelernt haben. Ob sie eine Ostberliner von einer Westberliner Currywurst unterscheiden mussten? Galt es bei einer Aufgabe, am Türsteher des „Berghain“ vorbeizukommen? Oder mussten sie ein typisches Berliner WG-Casting bestehen? Juliette wird uns hoffentlich aufklären. Und der Sinn des Lebens? Die Auflösung dieses Rätsels überlassen wir ebenfalls unserer französischen Rallye-Reporterin in Lódz. Nur soviel: „It's complicated.“ Das zumindest meint Ludwik Geyer, als er am Schluss eine Schatzkiste mit mysteriösem Inhalt präsentiert...