Gesichter - Franck Saurel (úmido)

Artikel veröffentlicht am 28. August 2007
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Artikel veröffentlicht am 28. August 2007
Für Dich, Nur noch wenige Stunden, wenige Augenblicke bleiben mir in dieser Stadt, in der ich außergewöhnliche Momente verbracht habe. Hier sind ein Lächeln, ein paar Gesichter und Hoffnung.

Der kleine Mohamed, 4 Jahre alt, der an diesem Tag so aufgeregt war bei dem Gedanken, seinen Onkel Ahmed wiederzusehen, der aus dem Gefängnis entlassen wurde. Das war an dem Tag, an dem die israelischen Behörden 250 palästinensische Häftlinge freiließen. Der kleine Mohamed ist eines der Kinder, die jeden Tag im Hof des Theaters spielen.

Mustafa, der große Mustafa, mutig, arbeitsam und aufbegehrend. Das vielleicht schönste Hoffnungszeichen, das ich hier erleben durfte: Er ist immer noch hier, träumt von einem freien Land, er studiert, er kämpft mithilfe seiner Worten und seiner Arbeitskraft. Er hat mir sehr geholfen, hat mir oft die Augen geöffnet über die Paradoxien die es hier gibt. Fanatismus und Besetzung. Frustration und Verzweiflung. Er ist erst 21 und schon ein reifer Mann, er träumt davon, nach Kanada zu reisen und nach…Frankreich. Ich weiß nicht warum ich das hier beklommenen Herzens aufschreibe, ich sehe kaum die Tastatur meines Computers, ihn verlassen? Vielleicht ist es das, aber ich glaube, ihm « Auf Wiedersehen » zu sagen ist hier nicht einfach, „inch´Allah“ (so Gott will) nimmt in meinem Mund einen eisigen Klang an.

Ein langer, kalter Hauch, der in meinem Herzen widerhallt und meine Gedanken erzittern lässt. Einige sind ins Ausland gegangen, um zu studieren und können nicht in ihr Land zurückkehren, weil der israelische Staat ihnen den Einlass verwehrt - aus „Sicherheitsgründen“. Wann werden sie ihre Familien, ihre Dörfer, ihre Freunde wieder sehen? An alle, die nicht mehr heimkehren können, gebt die Hoffnung nicht auf. Mustafa ist ein Teil dieser Hoffnung, die selbst in dieser Flauheit von Schmerz und Ungerechtigkeit gedeiht…auch er denkt an Euch. Eine Gruppe Jugendlicher aus Jénine « la ville » (die Stadt) : Lächeln von Jungs und Mädchen, ein Marsch vorwärts…schaut Euch die Gesichter genau an. Gestern Abend fuhr ein gestohlenes israelisches Auto diese Jugendlichen auf ihrem Heinweg um, das junge Mädchen mit dem Schleier liegt im Krankenhaus, einige blieben zur Beobachtung. Wie konnte ein in Israel gestohlenes Auto nach Jénine geraten, wo doch NICHTS hinein- oder hinausgelangen kann…und dann in den Händen dieses…das macht mich rasend.

Ich sende Euch diese Gesichter, ihr Lächeln und diese Hoffnung…Ja, glaubt mir es besteht Hoffnung. Ich sehe sie jeden Tag, in jedem Blick, mit ihr verlasse ich die Menschen hier. Meine Hommage an all das, was sie sind, in ihren Irrtümern wie in ihren Siegen.

Liebevolle Grüße, Euer

Franck Saurel (ùmido)

Aus dem Französischen übersetzt von Claudia Stolte