[ger] DAs Gute am Turm von Babel

Artikel veröffentlicht am 2. April 2014
Artikel veröffentlicht am 2. April 2014

Es stehen wieder einmal Wahlen zum Europäischen Parlament an. Die Divergenzen der einzelnen Gruppierungen sind teilweise sehr ausgeprägt. Aber ein Thema sticht aus der Reihe: die wesentliche Rolle, die Mehrsprachigkeit innerhalb der Union spielt.

Im Vor­feld des Wahl­kamp­fes sind sich alle po­li­ti­schen Grup­pie­run­gen über ein Thema schein­bar einig. Für sie alle ist Mehr­spra­chig­keit eine ent­schei­den­de Waffe im Kampf um die so­zia­le Ko­hä­si­on in der Eu­ro­päi­schen Union. Die einst jü­disch-christ­li­che Stra­fe rund um den Turm von Babel ist heute ein wah­rer Segen, der den alten Kon­ti­nent be­rei­chert und die Men­schen in die­sem groß­ar­ti­gen Pro­jekt Eu­ro­pa ver­bin­det.  

Mehr­spra­chig­keit

Die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on be­zeich­net Mehr­spra­chig­keit als eine Trumpf­kar­te und Ver­pflich­tung, die "einen wert­vol­len Bei­trag zum in­ter­kul­tu­rel­len Dia­log, zum so­zia­len Zu­sam­men­halt und zum Wohl­stand" leis­tet. "Sie spielt eine wich­ti­ge Rolle für das le­bens­lan­ge Ler­nen, die Me­di­en und die In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie sowie für die Au­ßen­be­zie­hun­gen der EU.”

In Sa­chen Kom­munika­ti­on und Me­di­en steht das außer Zwei­fel. Wenn das Ziel für das Jahr 2020 eine ein­heit­li­che Eu­ro­päi­sche Kon­sti­tu­ti­on für mehr als 500 Mil­lio­nen Men­schen in 28 Mit­glieds­staa­ten sein soll, wird das ohne große Me­di­en­un­ter­neh­men, die in Ver­sio­nen in zu­min­dest den 4 ge­wich­tigs­ten Spra­chen der EU in­ves­tie­ren, nicht mög­lich sein.

Trotz di­ver­ser Kür­zun­gen im Me­di­en­sek­tor schei­nen sich die Ge­schäfts­füh­rer sehr wohl über die Not­wen­dig­keit be­wusst zu sein, zu­min­dest Eng­lisch, Fran­zö­sisch oder Deutsch zu ler­nen. Zwi­schen Ab­tei­lungs­tref­fen, kur­zen Ess­pau­sen und vol­len Ter­min­ka­len­dern su­chen die über­las­te­ten Jour­na­lis­ten Lü­cken, um der Wahr­heit in der Spra­che des Prot­ago­nis­ten so nahe wie mög­lich zu kom­men.

In­for­ma­ti­on und Spra­chen

Das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment geht mit gutem Bei­spiel voran. Juana Lahous­se-Juá­rez hat die Art, mit der diese In­sti­tu­ti­on mit Kom­munika­ti­on um­geht, or­dent­lich auf­ge­mischt. Zum ers­ten Mal wird Eu­ro­vi­si­on eine De­bat­te zwi­schen allen Par­tei­en, die einen ein­zi­gen Kan­di­da­ten für die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on auf­stel­len, in allen EU-Spra­chen über­tra­gen.

In einer Pres­se­er­klä­rung mein­te Lahous­se-Juá­rez: “Wir sind die Platt­form für die po­li­ti­schen Par­tei­en, die die De­bat­ten vor­be­rei­tet. Wir stel­len ihnen Res­sour­cen zur Ver­fü­gung, aber es liegt an ihnen, etwas dar­aus zu ma­chen."

"Wir sind noch dabei zu verhandeln, wie es ablaufen wird, aber wir wissen schon, dass an der Debatte am 15. Mai alle Kandidaten (bis zu sieben) teilnehmen werden. Am 20. Mai werden eher nur beiden Mehrheitsparteien dabei sein."

Europa braucht mehr Dialog, es braucht Bündnisse, damit es ein echtes politisches und gesellschaftliches, nicht nur ein wirtschaftliches Projekt wird. Damit das gelingt, so der polnische Journalist Kapuscinski, "wäre es ein Fehler über jemanden zu schreiben, mit dem man nicht zumindest ein kleines Stück Weg gegangen ist." Was wir noch hinzufügen wollen: und mit seinen Worten in seiner eigenen Sprache.